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Alle Konzerte und Infos zum Moers-Festival 2026
FOTO: Bildquelle: Website Moers Festival
Vom 21. bis 25. Mai 2026 findet das 55. moers festival statt, in diesem Jahr unter dem Motto „… wie im Märchen". Hauptspielstätte ist die Bühne auf dem Kastellplatz, daneben wird an rund einem Dutzend weiterer Orte in der Innenstadt gespielt — vom Schlosshof über die Evangelische Stadtkirche bis zu Bollwerk 107, Strandbar 1924 und der Fahrradbühne im Schlosspark. Wir haben das gesamte Programm in einer chronolgischen Übersicht zusammengestellt: Uhrzeit, Spielort, Bandname, Besetzung und einer knappen stilistischen Einordnung jedes Programmpunkts. Ganz ohne Märchenlyrik, mit so wenig poetischer Verschlüsselung wie möglich — frei nach dem alten Focus-Motto: Fakten, Fakten, Fakten. Alle Angaben ohne Gewähr. Empfohlen für einen detaillierten Überblick über, was wann wo läuft, ist die App zum Festival, die über den Playstore erhältlich ist.
Donnerstag, 21. Mai
18:00 — bühne kastellplatz WDR Big Band feat. Nduduzo Makhathini — The Ntu Sound Chamber Experience (ZAF / US / DE) Nduduzo Makhathini (p), Vince Mendoza (ld, arr), WDR Big Band.
Begegnung der WDR Big Band mit dem südafrikanischen Pianisten Makhathini, dessen Klavierspiel in der Tradition von McCoy Tyner und Abdullah Ibrahim wurzelt. Vince Mendoza arrangiert die Zulu-Kosmologie für die Big-Band-Besetzung. Stilistisch: modaler, spiritueller Post-Coltrane-Jazz im großen Klanggewand — „spiritual jazz" und Black-Consciousness-Tradition in Big-Band-Schaffung.
19:40 — flugflügel Binghi (RWA) Aus Ruanda. Solo-/Klein-Projekt an der Schnittstelle afrikanischer Vokal-/Rhyhmustradition und improvisierter Klangkunst.
19:45 — wo die wilden frösche klatschen Futur2 (DE) Junges deutsches Klangforschungsprojekt
20:00 — bühne kastellplatz SORBD (DE / DEN / JP / PT) Edith Steyer (cl), Mia Dyberg (as), Rieko Okuda (p), Isabel Rößler (b), Sofia Borges (dr).
Fünf Musikerinnen der europäischen freien Improvisierten Musik. Stilistisch im Kraftfeld zwischen Brötzmann-Schule, Schlippenbach-Globe-Unity-Tradition und nordeuropäischem Free Jazz — Energy Music mit klangsensibler Kammermusikalität.
21:00 — stm-schloss presence of a voice — Lilja María Ásmundsdóttir (ISL)
Solo-Projekt der isländischen Klangkünstlerin. Im Idiom der Neuen Musik und Sound Art — meditative, an Pauline Oliveros' „deep listening" gemahnende Erkundung kaum hörbarer Stimmen zwischen Luft und Erinnerung.
21:00 — altes landratsamt Vom Kriege (DE / IT / UKR)
Beitrag des Kulturbüros Moers zum Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt". Musikalisch-filmische Klangreflexion zerstörter Landschaften.
22:10 — st. josef
Gellért Szabó's Ideal Orchestra — Vom Willen und Tod (DE / HU u. a.) Friederike Bartel & Gustav Geissler (sax), Lorenz Bergler & Ruben Staub (b-cl), Alma Trunk & Gregor Littke (tb), Philipp Reinsch (tuba), Valle Döring (org), Susanne Stock (akk), Johannes Bode & Felix Kothe (perc), Myrsini Bekakou & Ronja Sophie Putz (v), Alejandro Barria & Almut Voigt (vc), Stephan Deller (b); Stimmen: Nora Benamara, Maximilian Bischofberger, Madeline Cain, Rebecca Chammas, Benjamin Mahns-Mardy, Jean-Baptiste Mouret; musikalische Leitung: Gellért Szabó.
Leipziger Großformation für experimentelle Musik und Improvisation. Stilistisch in der Linie der „großen Improvisationsorchester" — Globe Unity, ICP, Carla Bleys Escalator over the Hill, Butch Morris' Conduction. Orchestraler Free Jazz und komponierte Improvisation; furioses Konzert voller eruptiver Klangmassen.
22:15 — die röhre Das Kraus'sche Deschelhorn (DE) Jan Krause, Fabian Deschler, Jonathan Schierhorn.
Trio an der Schnittstelle von Improvisation, Komposition und energetischem Zusammenspiel — deutscher freier Jazz in der Linie AMM/Schlippenbach, mit Affinität zu Noise und Echtzeitmusik.
Freitag, 22. Mai
14:00 — büro der bürgermeisterin moersify — Erzähltraditionen aus Togo (TG) Westafrikanische Griot-Tradition — erzählende Musik als oral history. Eintritt frei.
15:00 — wohnungsbau stadt moers gmbh moersify — Myanmar Traditional (MM) Sein Hla Myaing (pat waing).
Klassische burmesische Mahagita- und Hsaing-Waing-Tradition: höfische Trommelkunst Südostasiens, zeitgenössisch geöffnet. Eintritt frei.
15:00 — im schlosshof Clemens Köhler Trio (DE) Clemens Köhler, Hein, Blikslager. Straight-ahead-Jazz und Hard Bop — die Blue-Note-Ära (Horace Silver, Art Blakey) lebendig und modern weitergeführt.
15:00 — wo die wilden frösche klatschen Moritz Simon Geist — Drum Robot MR808 (DE) Interaktive Klanginstallation: übergroßer Roboter-Nachbau der Roland TR-808, vom Publikum live programmiert. Post-elektronische Musik und Sound Art als „mechanische Techno-Anthropologie".
16:00 — bühne kastellplatz libelle (DE) Wanja Slavin (sax, synth), Zuza Jasinska (voc), Johannes Lauer (p, tb), Bertram Burkert (g), Lucy Liebe (b, g, synth), Maximilian Stadtfeld (dr). Projekt des Berliner Saxofonisten/Produzenten Slavin — frei improvisiert, klar im Rhythmus, vielschichtig im Klang, durchzogen von sanfter Melancholie. Stilistisch elektroakustischer Hybridjazz zwischen Songwriter-Idiom und Echtzeit-Improvisation.
17:00 — im schlosshof Chris Corsano (US) — Solo US-Schlagzeuger und Aushängeschild der amerikanischen Free-Improvisations-Szene (Björk, Joe McPhee, Paul Flaherty). Kompromissloses Solo-Drumming in der Linie Han Bennink / Paal Nilssen-Love — Energy Music und Klangerweiterung des Drumsets durch unkonventionelle Präparationen.
17:00 — stm-pulverhaus Garden Hermits (DE) Live-Improvisation zu Mikroskopie-Bildern. Elektroakustische Improvisation als audiovisuelle Performance.
18:10 — bühne kastellplatz PLY (SWE / ESP) Barbara Togander (Plattenspieler/Elektronik), Leonor Falcón (Viola, Elektronik). Polyphone elektroakustische Klangkunst. Turntablism und Streicher-Echtzeitmusik im Geist von Christian Marclay und Otomo Yoshihide.
19:00 — bühne kastellplatz Nate Wooley — After Nan Shepherd (2026) (US) — Europäische Erstaufführung Nate Wooley (tp), Tara Khozein (voc); Yarn/Wire: Laura Barger & Julia Den Boer (p), Russell Greenberg & Dustin Donahue (perc). Werk des amerikanischen Trompeters Wooley, inspiriert von Nan Shepherds The Living Mountain. Stilistisch zwischen Wandelweiser-Reduktion, komponierter Neuer Musik und improvisatorischer Erzählung — verwandt mit Wadada Leo Smiths „Ankhrasmation". Gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.
20:05 — flugflügel Gellért Szabó's Ideal Orchestra — Der Moderne Mensch und der Heilige Berg (DE / HU / FR / US) Großbesetzung des Ideal Orchestras (siehe Donnerstag); halbszenische Großproduktion. Komponiertes Musiktheater aus der Welt des orchestralen Free Jazz — Linie Carla Bley / Anthony Braxton.
20:15 — stm-schloss Erosion Control (UK) — Experimental Encounters / XN Britisches Projekt aus dem Umfeld des Huddersfield Contemporary Music Festival. Neue Musik / experimentelle Echtzeitkomposition.
20:15 — die röhre Moerser Jazzquartett (DE) Lokales Quartett — moderner Mainstream-Jazz in der Tradition der europäischen Post-Bop-Schule.
21:30 — bühne kastellplatz KOJO electro (BEN / TOG / BE) Sadky Goudou (voc, rap); Anagoko family: Houedanou, Vignon, Carlos, Mahinou und Agla Anagoko sowie Anato Simplice (perc, dance); Grégoire Tirtiaux (sax, fx), Laurent Blondiau (tp, fx), Lara Rossel (b), Angelo Moustapha (dr, fx); Special Guest: Félicité Notson Kodjo-Atsou (storytelling). Begegnung beninischer Vodun-Traditionen mit europäischer Improvisationsmusik, initiiert vom belgischen Trompeter Blondiau (seit 2010). Stilistisch: afrikanischer ritueller Trance-Funk im Geist von Tony Allen, in der 2026er Version mit elektronischen Akzenten — Bläser, kollektive Rhythmik, Tanzenergie.
21:45 — die röhre Freysinn #3 — selbstorganisierte Bühne der Festivalmusiker:innen
22:30 — flugflügel Rully Shabara solo (IDN) Vokalist von Senyawa, ZOO, Setabuhan, Kombo, Raung Jagat. Solo-Stimmperformance — extended vocal techniques zwischen javanischer Tradition, Throat-Singing-Verwandtschaft und Noise.
22:50 — bühne kastellplatz Joy Guidry (US) Fagottistin, Improvisatorin, Komponistin. Solo-Performance an der Schnittstelle Free Jazz / Neue Musik / queere afroamerikanische Avantgarde, vergleichbar mit Matana Roberts oder Camae Ayewa.
23:15 — die röhre Crash Pilots (DE) Modern Metal / Metalcore aus Moers (seit 2019) — der „kontrastive Lärm" im Festivalkontext.
23:30 — wo die wilden frösche klatschen Jan Hendrickse — Black Noise (2019) (UK) — XN Komponierte Klangmeditation über Wandel und Vergänglichkeit. Elektroakustische Komposition / Neue Musik.
23:30 — ev. stadtkirche moers Miklós Lukács (HUN) — Solo Zymbal (Kurtág 100) Ungarischer Zymbalist im Reich von Stille und Resonanz. Hommage zum 100. Geburtstag György Kurtágs: Neue Musik mit ungarischem Traditionsidiom — das Zymbal als kontemplative Soloinstrument zwischen Komposition und Improvisation.
00:00 (23.5.) — stm-pulverhaus Garden Hermits (DE) — Wiederholung
00:15 (23.5.) — die röhre Bärte mit Mädchen (DE) Vier Musikerinnen — Pop Punk / Riot Grrrl der Bikini-Kill-Tradition (seit 2024).
Samstag, 23. Mai
14:00 — schlosspark Futur2 (DE) — siehe Donnerstag
14:00 — im schlosshof Seperewa Agofoma (GHA) — Schwerpunkt „?Afrika" John Kwame Korankye Osei und Abena Serwaa Osei Korankye. Vater und Tochter aus Ghana an Seperewa (Akan-Harfe), Prempensiwa und Adenkum. Westafrikanische höfische Saiteninstrumentenkunst — die Wurzelschicht dessen, was später Highlife und Afro-Jazz wurde.
14:00 — bollwerk 107 Heather Roche (UK) — Creative-Workshop-Concert / XN Britische Klarinettistin der Neuen Musik, Spezialistin für zeitgenössische Solo-Literatur.
15:00 — bühne kastellplatz Moment's Notice Trio feat. Kornél Fekete-Kovács (HUN) Mainstream-orientierter zeitgenössischer Jazz mit dem ungarischen Trompeter Fekete-Kovács als Gast.
15:30 — wo die wilden frösche klatschen Kamunjang Agi — Das Kind der Armut oder die Göttin des Glücks (KR) — Kinderfassung Koreanische erzählende Musiktradition (Pansori-Verwandtschaft).
16:00 — bühne kastellplatz Skylar Tang Quartet (US) Skylar Tang (tp) plus Quartett. Junge US-Trompeterin aus der San Francisco Bay Area — zeitgenössischer Post-Bop / Modern-Jazz-Mainstream der jüngsten New Yorker Generation.
17:00 — im schlosshof Ches Smith (US) — Solo New Yorker Schlagzeuger/Perkussionist (Tim Berne, Marc Ribot, Mary Halvorson). Solo-Set zwischen Vibraphon, Drums und Elektronik — Downtown-NYC-Avantgarde.
17:00 — st. josef Shahbaz Hussain + Helen Anahita Wilson (UK) — XN Shahbaz Hussain (tabla), Helen Anahita Wilson (p). Duo Tabla und Klavier — hindustanische Klassik im Dialog mit zeitgenössischer Klavierkomposition. Tradition Zakir Hussains, in die Neue Musik weitergedacht.
18:00 — bühne kastellplatz Märchenhafte Klangschaften — Chroma Kollektiv u. a. Halbszenische Musiktheater-Großproduktion. Zeitgenössische komponierte Musiktheaterproduktion / Neue Musik.
18:55 — flugflügel Der Moderne Mensch und der Heilige Berg — Gellért Szabó's Ideal Orchestra (siehe Freitag)
19:15 — wo die wilden frösche klatschen SIKA-XE (GOLD BIRD) (TOG) — „?Afrika" Westafrikanisches Erzähltheater mit Musik.
19:15 — st. josef Yarn/Wire Currents@moers (US / ISL) — Uraufführung Laura Barger & Julia Den Boer (p), Russell Greenberg & Dustin Donahue (perc). Internationales New Yorker Ensemble für zeitgenössische Musik (2 Klaviere, 2 Perkussion). Strikte Neue-Musik-Linie zwischen Feldman, Lang und Lucier.
20:00 — im schlosshof Angelika Niescier / Tomeka Reid / Eliza Salem (US / DE) Angelika Niescier (as), Tomeka Reid (vc), Eliza Salem (dr). Trio dreier prominenter Stimmen der zeitgenössischen Frauen-Avantgarde des Jazz: AACM-Erbe (Reid) trifft europäische freie Improvisation (Niescier).
20:15 — stm-pulverhaus Barbara Togander (SWE) — Solo Schwedische Stimm- und Elektronik-Künstlerin. Fragmentarische Klangkunst aus Stimme, Geräusch und elektronischen Texturen — Resultat eines Lebens zwischen Tunesien, Spanien, Liberia und Argentinien.
20:30 — ev. stadtkirche moers Morton Feldman — Rothko Chapel (1971) für Sopran, Alt, gemischten Chor, Viola, Celesta und Schlagzeug Aufgeführt vom Rheinstimmen Ensemble & Chroma Kollektiv unter Leitung von Leh-Qiao Liao. Kanonisches Werk der amerikanischen Nachkriegs-Avantgarde — leise, kontemplative Musik der New York School in der Linie Feldman / Cage / Mark Rothko (abstrakter Expressionismus).
21:00 — bühne kastellplatz Bonbon Flamme (FR / PT / NL) Valentin Ceccaldi (vc), Luis Lopes (g), Fulco Ottervanger (keys, voice), Etienne Ziemniak (dr). Spielfreudiges Quartett um den französischen Streicher Ceccaldi. Frankophone Jazz-Avantgarde mit Folkanleihen, Mediterranität und Verspieltheit — in der Linie Louis Sclavis.
22:00 — skaterbahn déjàVU? (IDN) Indonesisches Kollektiv — instinktiv-intuitive Wechselwirkung. Freie Improvisation und post-traditioneller indonesischer Avantgarde.
22:00 — bühne kastellplatz inEvitable extended (GR / POL / DE / FIN / UK) Evi Filippou (vibr, perc, voc — Improviser in Residence 2026), Zuza Jasinska (voc), Keisuke Matsuno (g), Arne Braun (g), Robert Lucaciu (b), Marius Wankel (dr), Jim Hart (dr), Daniel Glatzel (ts, cl). Großbesetzung der griechischen Vibraphonistin und Improviserin Filippou. Junge europäische Jazz-Avantgarde mit mediterranen und Neuer-Musik-Einflüssen — vergleichbar mit Eve Risser oder Kit Downes.
23:00 — die röhre Witch 'n' Monk (UK / COL) Mauricio Velasierra (Flöten), Heidi Heidelberg (voc, Saiten). Duo zwischen kolumbianischer Folk-Tradition und britischer Avantgarde-Stimmkunst — psychedelisch, schamanistisch.
23:10 — bühne kastellplatz So Says the Drum (BRA / DE) Bella Comsom & Bruna Cabral. Hommage an die Trommel als „uralte Technologie und verschlüsselte Sprache". Afro-brasilianische Perkussionstradition trifft elektroakustische Klangkunst.
00:00 (24.5.) — die röhre Futur2 (DE)
Sonntag, 24. Mai
11:00 — strandbar 1924 Ghost Dogs feat. Peter Engelhardt (DE) Gruppe um Armin Thommesen (dr) feat. Peter Engelhardt. Mainstream-Jazz, Jazz-Rock, Blues und Swing — das klassische frühstückliche Festival-Komplement.
13:00 — peschkenhaus György Kurtág — Jelek, játékok és üzenetek („Zeichen, Spiele und Botschaften") Aphoristische Klavier- und Kammermusik-Miniaturen Kurtágs (fortlaufender Zyklus seit den 1970er Jahren). Zentrales Werk der osteuropäischen Neuen Musik in der Linie Bartók–Webern.
14:00 — schlosspark Futur2 (DE)
15:00 — bühne kastellplatz Peter, Rotkäppchen und der liebe Wolf Morton Familienkonzert zum Festivalmotto, mit Bezügen zu Prokofjew und Feldman.
15:50 — altes landratsamt György Kurtág — Kafka-Fragmente (1985–87) für Sopran und Violine — Auszüge und Film Schlüsselwerk der osteuropäischen zeitgenössischen Musik: aphoristische Vertonungen von Kafka-Tagebüchern.
16:45 — fahrradbühne im schlosspark Magnetic Speech of Trees and the Language of the Forest — Hörstück von Bella Comsom Elektromagnetische Aufnahmen von Rotbuche und Linde. Klangkunst und Field Recording.
17:30 — bühne kastellplatz The Dwarfs of East Agouza (EGY / US / CAN) Maurice Louca (elec), Sam Shalabi (e-g), Alan Bishop (voc, sax, g). Kult-Trio, das seit 2012 in einem Haus im Kairoer Viertel Agouza lebt. Stilistisch: psychedelische arabisch-amerikanische Avantgarde — Sun-City-Girls-Erbe (Bishop) trifft ägyptische Tradition, langformiger improvisierter Trance-Rock zwischen Free Jazz, Krautrock und nordafrikanischen Rhythmen.
18:25 — bühne kastellplatz Nicole Mitchell's Black Earth SWAY (US) Nicole Mitchell (fl, voc, elec), Coco Elysses (diddley bows, voc, elec), JoVia Armstrong (perc, elec, voc), Zahili Gonzalez Zamora (keys). Projekt der Chicagoer AACM-Flötistin Mitchell. Afro-Folk-Futurismus — schwarze amerikanische Avantgarde der Sun-Ra-/AACM-Linie. Multigenerationelles Kollektiv: Funk, Blues und experimenteller Jazz als „neue Schwarze Mythologie".
20:00 — stm-studio Coward's Heart (DE / LUX) Musiktheaterstück: In einer ausgebrannten Welt wartet eine Frau auf die Reparatur ihres Herzens und verbindet Klänge aus Natur, Fundstücken und Stimme. Klangkunst-Performance.
21:15 — bühne kastellplatz Der Moderne Mensch und der Heilige Berg — Gellért Szabó's Ideal Orchestra (dritte Aufführung)
22:00 — bühne kastellplatz Senyawa (IDN) Rully Shabara (voc), Wukir Suryadi (selbstgebaute Saiten- und Perkussionsinstrumente). Yogyakarta-Duo (gegründet 2010). Stilistisch: indonesische extreme Avantgarde — javanische Tradition, Metal-Energie, archaisches Ritual auf selbstgebauten Instrumenten. Einzigartige Position der Weltmusikavantgarde.
22:50 — flugflügel Morton Feldman — Two Pieces for Cello and Piano (1948) & Voice and Instruments II (1974) — „Melancholie des Verschwindens" Frühwerk und Stimmwerk Feldmans.
23:15 — bühne kastellplatz Morton Feldman — Rothko Chapel (zweite Aufführung)
23:35 — bollwerk 107 Moritz Simon Geist — TRIPODS ONE PERFORMANCE (DE) Techno-robotische Live-Performance — sämtliche Klänge live durch Musikroboter erzeugt. Post-akusmatische Techno-Avantgarde zwischen Kraftwerk-Erbe, Klangskulptur und Klubmusik.
23:55 — st. josef Morton Feldman — Piano and String Quartet (1985) Großformatiges Spätwerk Feldmans (ca. 80 min) — pianissimo gehaltenes Klangkontinuum der New York School.
23:55 — ev. stadtkirche moers Morton Feldman — Crippled Symmetry (1983) Spätwerk für Flöte, Schlagzeug und Klavier/Celesta (ca. 90 min).
23:55 — schlosspark Improvisation im Stile von Morton Feldman — For Aaron Copland for Solo Violin (1981) Ronja Sophie Putz und Myrsini Bekakou (Violinen). Stille, konzentrierte Klangwelt.
Montag, 25. Mai (Pfingstmontag)
11:00 — ev. stadtkirche moers JaZ-Gottesdienst — Jauchzet alle Zungen Tjark Baumann: Missa 4 You(th).
11:00 — strandbar 1924 Ghost Dogs feat. Peter Engelhardt (DE) — Wiederholung
11:30 — fahrradbühne im schlosspark Moerser Jazzquartett (DE)
12:00 — peschkenhaus Elias Stemeseder, Gordon Grdina, Christian Lillinger (AT / CAN / DE) Elias Stemeseder (p), Gordon Grdina (oud, g), Christian Lillinger (dr). Trio-Vorgeschmack vor dem RU'YA-Konzert. Zeitgenössische europäisch-nordamerikanische Free-Music-Spitze — Berliner Jazz-Avantgarde (Lillinger, Stemeseder) trifft kanadisch-arabische Improvisationskunst (Grdina).
12:45 — peschkenhaus Sam Shalabi solo (CAN/EGY) Solo-Set des Gitarristen/Oud-Spielers (Land of Kush, Shalabi Effect, The Dwarfs of East Agouza) — psychedelische arabisch-kanadische Klangsprache mit Tonbandcollagen und Noise.
13:30 — wo die wilden frösche klatschen Bex Burch's as yet untitled (UK / US / DE / GHA) Britische Komponistin/Multiinstrumentalistin (Vula Viel), die ihre Lehrzeit beim ghanaischen Gyil-Meister Aaron Bebe Sukura verbrachte. Stilistisch: afrikanisch geerdete polyrhythmische Jazz-Avantgarde im Geist Tony Allens und der UK-Brit-Jazz-Schule.
14:30 — bühne kastellplatz Nana Benz du Togo (TOG) — „?Afrika" Westafrikanisches Frauenprojekt — moderne Vodun-/Pop-Avantgarde Togos.
15:45 — bühne kastellplatz KNOBIL (CH) Louise Knobil (b, voc) plus Band. Schweizer Projekt zwischen Jazz, Pop, Improvisation und poetischer Performance — junge Jazz-Avantgarde der lyrikaffinen Schule.
16:30 — stm-studio Coward's Heart (DE / LUX) — Wiederholung
16:30 — altes landratsamt discussions! Wo ist nur der Jazz geblieben? — Film Dream Baby Dream (2025/26) Filmgespräch zur Jazz-Gegenwart.
16:45 — wo die wilden frösche klatschen Burned Roads of Myanmar (MM) Sein Hla Myaing (pat waing) u. a. Klassische burmesische Trommelkunst — Mahagita- und Hsaing-Waing-Tradition, zeitgenössisch geöffnet.
16:45 — stm-schloss Alan Bishop solo (US/EGY) Solo-Performance der US-amerikanischen Underground-Legende (Sun City Girls, The Invisible Hands, Alvarius B., The Dwarfs of East Agouza). Psychedelische Welt-Folk-Avantgarde, kosmopolitische DIY-Tradition.
16:45 — fahrradbühne im schlosspark Freysinn — open stage!
17:00 — stm-pulverhaus Garden Hermits (DE) — Wiederholung
18:00 — bühne kastellplatz Gordon Grdina's RU'YA feat. Ghalia Benali (CAN / TUN / TUR / IRN / AUS / DE) Gordon Grdina (g, oud), Ghalia Benali (voc), Eylem Basaldi (v), Elias Stemeseder (p, synth), Hamin Honari (perc), Christian Lillinger (dr). Ensemble um den kanadischen Oud-Spieler Grdina mit der tunesischen Sängerin Benali. „RU'YA" („Vision") verbindet Jazz, klassische persische Musik und arabische Maqams — verwandt mit Anouar Brahem und Rabih Abou-Khalil, jedoch radikaler improvisatorisch geöffnet.
19:30 — bühne kastellplatz Lakecia Benjamin (US) Lakecia Benjamin (as), Oscar Perez (p), Elias Bailey (b), Dorian Phelps (dr). New Yorker Altsaxofonistin (Schülerin von Gary Bartz, Reggie Workman und Clark Terry; gespielt mit Alicia Keys, Anita Baker). Mit dem neuen Album We Dream in Moers — spiritueller Post-Coltrane-Jazz mit Soul- und R&B-Anschluss, in der Linie Pharoah Sanders / Alice Coltrane. Sechs Grammy-Nominierungen.
21:00 — wo die wilden frösche klatschen The Big Kiss (NL) Dodó Kis (voc, EWI, Blockflöten), Thomas Jaspers (dr, voc, elec), Bart van Dongen (keys, voc, elec). Niederländisches Trio — ekstatische Improvisation über tiefen Grooves, hypnotische Rhythmen aus aller Welt. Im Geist der niederländischen Avantgarde-Klubkultur, vergleichbar mit dem ICP-Umfeld in seinen tanzbarsten Momenten.
21:00 — flugflügel daviDX & MonsieurQuiconque — voices XXL duel (IDN) David Térosier (alias daviDX) & MonsieurQuiconque. Vokal-Performance, Beatbox und Klangkunst zwischen Zirkus und Improvisation.
Praktische Infos auf einen Blick
Termin: Donnerstag, 21. bis Montag, 25. Mai 2026 — erstmals fünf statt vier Festivaltage.
Hauptbühne: Open-Air auf dem Kastellplatz, mitten in der Innenstadt. Platz für bis zu 3.000 Besucher. Die Enni-Eventhalle, auf Festivalhalle genannt, wird in diesem Jahr nicht bespielt.
Nebenspielorte (alle fußläufig erreichbar): Schlosshof, Peschkenhaus, Schlosstheater, Altes Landratsamt, Bollwerk 107, „die Röhre", katholische Kirche (St. Josef), evangelische Stadtkirche.
Eingang & Tageskasse: Haupteingang und Zugangskontrolle an der Haagstraße (Höhe Parkplatz-Einfahrt). Dort auch ein Ticketstand für Kurzentschlossene.
Tickets:
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Eröffnungsabend Donnerstag, 21. Mai, ab 18 Uhr (WDR Big Band feat. Nduduzo Makhathini): freier Eintritt für Moerserinnen und Moerser, solange Plätze verfügbar sind.
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Tickets für die übrigen Tage: wahlweise 45, 87, 129 oder 172 Euro — Besucher entscheiden selbst, welche Kategorie sie zahlen.
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Wer kein Ticket hat, kann von außen vom Kastellplatz aus mithören; die Lautsprecher sind allerdings nach innen aufs zahlende Publikum gerichtet.
Festivaldorf: Erstreckt sich rund um den Kastellplatz, von der evangelischen Stadtkirche bis in den Schlosspark — erstmals auch die Kleine Allee. Insgesamt 85 Stände: internationale Spezialitäten, Non-Food-Bereich zwischen Tribüne und Schlosstheater, Kreativwiese für Kinder hinterm Pulverhäuschen (Akrobatik, Jonglage, Hüpfburg), Pianomobil. Eine Hebebühne fährt gegen Spende ab fünf Euro auf über 30 Meter Höhe (Erlös an „Klartext für Kinder").
Zelten: Auf der Ballonwiese im Freizeitpark, eingezäunt und bewacht. 30 Euro zusätzlich zum Festivalticket. Dusch- und Toilettenanlagen, drei Food-Stände, Kaffee vor Ort.
Campervan, Wohnmobile: Eigener Bereich für Festivalgäste auf dem Parkplatz Krefelder Straße. Keine vorherige Anmeldung erforderlich, Belegung nach Eintreffen. Toiletten und Duschen werden auf dem regulären Zeltplatz mitbenutzt. Auch hier wird pro Person ein Zeltplatz-Ticket benötigt, das entspannt vor Ort gekauft werden kann.

