Wenn Poe im Gewölbekeller flüstert
Ein Abend zwischen Schatten, Jazz und Gänsehaut“
FOTO: Regina Reiners
Der Jazzkeller Hürth verwandelte sich am 12. März 2026 in einen Ort zwischen Literatur, Musik und geheimnisvoller Atmosphäre. Unter dem Titel „Unheimliche Geschichten“ traf die düstere Erzählkunst von Edgar Allan Poe auf Jazz und klassische Klaviermusik. Eine Kombination, die im Gewölbekeller des Clubs eine besonders intensive Wirkung entfaltete.
Schon beim Betreten des Raumes wurde deutlich, dass dieser Abend etwas Besonderes werden würde. Der Gewölbekeller mit seinen alten Backsteinbögen, gedämpftem Licht und der engen Nähe zwischen Bühne und Publikum erzeugte eine beinahe theatralische Stimmung. Die Rundbögen des Kellers schienen den Klang des Klaviers aufzunehmen und zugleich die Spannung der Geschichten zu verstärken – als wäre der Raum selbst Teil der Inszenierung.
Der Literaturvermittler Stephan Schäfer führte mit eindringlicher Stimme durch die Welt Poes. Seine Lesung der Erzählung „Die Maske des Roten Todes“ zog das Publikum sofort in ihren Bann. Schäfer verstand es, die wechselnden Stimmungen der Geschichte – zwischen Eleganz, Bedrohung und unausweichlichem Schicksal – plastisch hörbar zu machen. In der stillen, konzentrierten Atmosphäre des Gewölbekellers konnte jedes Wort wirken.
Zwischen den literarischen Passagen setzte der Jazzpianist Benedikt Göb musikalische Akzente. Gleich zu Beginn erklang der berühmte Walzer aus der Suite für Varieté-Orchester von Dmitri Shostakovich. Später folgten Jazzklassiker wie „Round Midnight“ und „Ask Me Now“ von Thelonious Monk sowie „Jitterbug Waltz“ von Fats Waller. Göb verband lyrische Klangfarben mit improvisatorischer Freiheit und ließ die Musik wie einen Kommentar zu den gelesenen Geschichten wirken.
Besonders eindrucksvoll geriet die Lesung von „Das Fass Amontillado“. Schäfer steigerte die Spannung langsam und präzise, während im Raum eine beinahe greifbare Stille herrschte. Man hatte das Gefühl, als würden die Backsteinwände des Kellers selbst die düsteren Geheimnisse der Geschichte bewahren.
Nach der Pause führte die Erzählung „Hoppefrosch“ erneut in eine grotesk-düstere Welt von Rache und Maskenspiel. Musik und Literatur wechselten sich ab, ergänzten einander und schufen einen Spannungsbogen, der das Publikum bis zum letzten Ton fesselte.
Der Abend der Lesefreunde Hürth e.V. in Kooperation mit dem Jazz-Club Hürth erwies sich als ein voller Erfolg. Die Zusammenarbeit der beiden Kulturakteure zeigte eindrucksvoll, wie stimmig Literatur und Musik miteinander verschmelzen können. In der besonderen Atmosphäre des Gewölbekellers entstand so ein Kulturabend, der dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Zum Ausklang des Abends zog der Büchertisch der Thalia Buchhandlung aus dem Einkaufszentrum viele Besucher an. Zahlreiche Gäste blätterten interessiert in den bereitliegenden Büchern und nahmen die düsteren Geschichten von Edgar Allan Poe noch einmal literarisch mit nach Hause. Auch die Stadtbücherei Hürth hält zahlreiche Werke von Poe bereit, die ausgeliehen werden können. Die Bücherei freut sich darauf, nach diesem stimmungsvollen Abend viele literaturinteressierte Besucher begrüßen zu dürfen.

