Bild für Beitrag: Von Funk bis Fado | Preview Leverkusener Jazztage 2026
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Von Funk bis Fado

Preview Leverkusener Jazztage 2026

Leverkusen, 16.10.2026
FOTO: Markus Hahner, Eric Umphrey

Von Funk bis Fado: Die Leverkusener Jazztage holen die Welt in die Stadt

Mit mehr als 70 Acts gehen die Leverkusener Jazztage in ihre 47. Ausgabe und sind damit größer als je zuvor. Vom 1. bis 26. November spielen Weltstars, Szenegrößen und Nachwuchstalente im Forum, im Erholungshaus, in der Scala, im Sensenhammer und in der Historischen Stadthalle Wuppertal, die sich inzwischen fest als Spielort etabliert hat.

Wer im November in Leverkusen Jazz hören will, hat die Qual der Wahl. Festivalleiter Fabian Stiens hat ein Programm zusammengestellt, das den Begriff Jazz bewusst weit fasst. Damit pflegt es genau jene stilistische Offenheit, die das Festival seit 1980 zu einem der bedeutendsten in Europa gemacht hat. Wer das radikale Experiment sucht, wird eher anderswo fündig. Leverkusen setzt auf Namen, die man kennt, und auf Qualität, die man erwarten darf – und fährt damit seit Jahrzehnten gut. Funk, Soul, Blues, Weltmusik und Singer-Songwriter-Pop stehen gleichberechtigt neben klassischem Jazz. Fast jeden Abend gibt es etwas zu entdecken, oft an mehreren Orten gleichzeitig.

Fünf Bühnen, fünf Charaktere. Zum Reiz der Jazztage gehört, dass jede Spielstätte ihren eigenen Ton hat. Das Forum Leverkusen in Wiesdorf ist mit seinem großen Saal die Heimat der Headliner und langen Doppelkonzerte. Gleich in der Nähe liegt das traditionsreiche Erholungshaus von Bayer Kultur, das 1908 als Kulturhaus für die Werksangehörigen eröffnet wurde. Mit seinem historischen Theatersaal bietet es den passenden Rahmen für leisere, konzentrierte Abende. In Opladen verwandelt sich die Scala in einen echten Jazzclub, in dem das Publikum den Musikern fast auf die Saiten schauen kann. Besonders reizvoll ist der Sensenhammer in Schlebusch: Im ehemaligen Industriebetrieb, in dem früher Sensen geschmiedet wurden, klingt der Blues zwischen alten Maschinen nach Werkstatt und Geschichte. Und in Wuppertal öffnet die Historische Stadthalle auf dem Johannisberg ihren prachtvollen Großen Saal, der als einer der akustisch besten Konzertsäle Europas gilt.

Der Auftakt. Das Festival beginnt am 1. November im Erholungshaus mit einem Dreierabend: Die walisische Sängerin und Pianistin Judith Owen kommt mit ihrem Septet, dazu spielen das Jamie Baum Quartet und das Trio der Pianistin Anke Helfrich. Ein Abend, der gleich zeigt, wohin die Reise geht: international, vielseitig und mit einem Gespür für starke Musikerinnen.

Die großen Namen. Bereits ausverkauft ist Gitarrenlegende Al Di Meola (2.11.). Bass-Virtuose Avishai Cohen kommt einen Tag später mit seinem Trio ins Erholungshaus. Soul-Jazz-Bariton Gregory Porter eröffnet am 4. November die Konzerte in Wuppertal, wo am 18. November auch der norwegische Saxofonist Jan Garbarek auftritt. Melody Gardot, eine der markantesten Jazzstimmen ihrer Generation, gastiert am 11. November im Forum. Ebenfalls ausverkauft ist das Gastspiel von 4 Wheel Drive (7.11.), dem Quartett um Nils Landgren, Michael Wollny, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner.

Groove-Nächte im Forum. Funk-Fans kommen voll auf ihre Kosten. St. Paul & The Broken Bones, Young Gun Silver Fox und die Funk Unit von Posaunist Nils Landgren teilen sich am 6. November die Bühne. Zwei Tage später lassen Incognito und The Brand New Heavies den Londoner Acid Jazz der Neunziger aufleben. Am 13. November folgen die britischen Jazz-Funk-Veteranen Level 42. Bei der „Fusion Night“ (12.11.) treffen Chris Minh Doky & The Nomads mit Till Brönner auf Gary Husbands Band Orbital und Jonathan Scales Fourchestra. Deutschen Soul und Hip-Hop bringen Max Herre und Joy Denalane am 7. November mit.

Weltmusik und große Stimmen. Der kamerunische Bassist Richard Bona und die malische Sängerin Fatoumata Diawara holen afrikanische Klangwelten ins Forum (9.11.). Am selben Abend verspricht Mare Nostrum ein Gipfeltreffen europäischer Melancholie: Trompeter Paolo Fresu, Akkordeonist Richard Galliano und Pianist Jan Lundgren spielen im Erholungshaus. Die portugiesische Fado-Sängerin Mariza gastiert am 23. November in Wuppertal. Die Koreanerin Youn Sun Nah (14.11.), die norwegische Sängerin Silje Nergaard (11.11.) und die US-Saxofonistin Lakecia Benjamin (17.11.) gehören zu den spannendsten Stimmen der aktuellen Szene.

Zwischen Jazz und Pop. Wer es liedhafter mag, findet ebenfalls reichlich Auswahl: Milow (4.11.), Asaf Avidan (5.11.), Michael Schulte (14.11.), Kamrad (15.11.), Annett Louisan (21.11.) und Tina Dico (25.11.) zeigen, wie weit die Jazztage über den Tellerrand blicken. Bluesrock-Röhre Beth Hart sorgt am 23. November im Forum für einen der lautesten Abende des Festivals. Den Schlusspunkt setzt am 26. November „Shockheaded Peter“, die schaurig-schöne Junk-Oper nach dem Struwwelpeter.

Für Kenner: das Schlagzeug. Auffällig viele Top-Drummer stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Wolfgang Haffner spielt am 6. November mit eigenem Trio, Gary Husband ist bei der Fusion Night zu hören, und am 13. November teilen sich Gregory Hutchinson und Ronnie Burrage den Abend mit dem Quartett von Trompeter Nils Wülker. Dazu kommt die WDR Big Band, die am 4. November mit Gitarrist Mark Lettieri im Erholungshaus auftritt.

Klavier, Swing und Boogie. Das Tingvall Trio (12.11.) steht für melodischen, skandinavisch geprägten Pianojazz, Mammal Hands und Dieter Ilg mit Band (15.11.) für feine Zwischentöne. Entertainer Tom Gaebel bringt Swing ins Erholungshaus (18.11.), Joja Wendt und Axel Zwingenberger liefern sich am 20. November ein Boogie-Woogie-Duell an zwei Flügeln. Bei der „Schnaff Night“ (22.11.) laden die Brüder Julian und Roman Wasserfuhr Gäste wie Saxofonist Jan Prax ein.

Clubatmosphäre in der Scala. Wer es intimer mag, ist in der Scala richtig. Dort spielen unter anderem Trompeter Joo Kraus (5.11.), Bluesgitarrist Henrik Freischlader (8.11.), die Jazz-Hip-Hop-Formation Jazzkantine (9.11.), Flamenco-Gitarrist Rafael Cortés (11.11.), Angelo Kelly (14.11.), Triosence (18.11.), Kai Strauss & The Electric Blues All Stars (19.11.), Liedermacher Klaus Hoffmann (22.11.), Gypsy-Swing-Gitarrist Joscho Stephan (23.11.) und die französische Rockgitarristin Laura Cox (24.11.). Im Sensenhammer gibt es Blues mit Sunny Side Up (7.11.) und der Eddie Kold Band mit Larry Doc Watkins (14.11.).

Junge Generation. Saxofonist Jakob Manz und Bassistin Kinga Głyk zeigen gemeinsam mit dem Jan Prax Quartett bei der Sax Night (10.11.), wie lebendig die junge europäische Szene ist. Die mongolische Pianistin Shuteen Erdenebaatar stellt ihr Projekt „Rising Sun“ vor (5.11.), das Takeover! Ensemble arbeitet am 8. November mit Popsänger Joris zusammen. Mit dem Wettbewerb „Future Sounds“ bleibt die Nachwuchsförderung fester Bestandteil des Festivals und hat schon so manchem Talent die erste große Bühne geboten.

Wer noch Karten will, sollte nicht zu lange warten: Einige Konzerte sind bereits ausverkauft, andere stehen kurz davor. Das Konzert von Leo Kottke (19.11.) wurde abgesagt.

Info: 47. Leverkusener Jazztage, 1. bis 26. November 2026, Forum, Erholungshaus, Scala und Sensenhammer in Leverkusen sowie Historische Stadthalle Wuppertal. Programm und Tickets unter leverkusener-jazztage.de.


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