Sonny Rollins
Tod mit 95 Jahren
TEXT: Heinz Schlinkert |
Es war still geworden um Sonny Rollins. 2012 hatte er sein letztes Konzert gegeben und seit 2014 konnte er wegen einer Lungenfibrose gar nicht mehr spielen. Nun ist einer der letzten bedeutsamen Saxofonist der Bebop-Ära im Alter von 95 Jahren gestorben. Sieben Jahrzehnten lang stand er auf der Bühne und mehr als 60 Alben hat er herausgebracht.
Am 7. September 1930 wurde er in Harlem geboren und erlebte als Kind die Unruhen der „Harlem Riots“. Mit Miles Davis entstanden in den 1950ern berühmte Kompositionen wie „Oleo“, „Airegin“ und „Doxy“. Leider war auch er drogenabhängig und Miles Davis warf ihn deshalb aus der Band. Nach einem Entzug mit Methadon erschien 1957 das berühmte Album „Saxophone Colossus“.
St. Thomas
Auf diesem berühmten Album befand sich auch „St. Thomas“, ein afro-karibischer Calypso. Kein Zufall, denn seine Mutter kam von St. Thomas, eine der karibischen Jungferninseln, sie hatte ihm früher Lieder aus ihrer Heimat vorgesungen.
Doch St. Thomas steht auch für Sklavenhandel, denn die gleichnamige Insel war lange eine dänische Kolonie. 1685 schloss das später preußische Kurfürstentum Brandenburg einen Vertrag mit Dänemark zur Sicherstellung des Handels mit Sklaven aus seinen afrikanischen Kolonien Groß Friedrichsburg und Arguin. Darin wurde ein Teil der Insel an Brandenburg verpachtet. Für jeden eingeführten Sklaven erhielten die Dänen 1%, für jeden ausgeführten Sklaven 2% des Kaufpreises.
Engagement in der Bürgerrechtsbewegung
Rollins war deshalb nicht nur für seinen eigenen Stil, sondern auch für sein Engagement in der Bürgerrechtsbewegung bekannt. 1958 veröffentlichte er nach der Erfahrung mit rassistischer Diskriminierung bei der Wohnungssuche in New York die knapp zwanzigminütige „Freedom Suite“.Sie gilt als erste, offizielle politisch geprägte Jazzaufnahme.
Während eines dreijährigen Rückzugs spielte er bei jedem Wetter auf dem versteckten Fußgängerüberweg der Williamsburg Bridge von Brooklyn. Danach erschien „The Bridge“
1978 spielt er im Weißen Haus für den demokratischen Präsidenten Jimmy Carter. 1997 sagte er mit „Global Warming“ der globalen Erderwärmung den Kampf an. Vor vier Jahren erklärte sich Sonny Rollins in der New York Times solidarisch mit der „Black Lives Matter“-Bewegung nach der Ermordung von George Floyd.
Farewell Sonny! We’ll miss you.
