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Luft zum Atmen

Ein langer Abend im MiR eröffnete das New Colours Festival

Gelsenkirchen, 25.09.2026
TEXT: Stefan Pieper | FOTO: Stefan Pieper

Hanno Busch & Friends eröffneten die fünfte Ausgabe des New Colours Festivals im Kleinen Haus des Musiktheaters. Der Abend wirkte wie eine große Einladung mit offenen Armen und legte die Seele dieses Festivals frei.

Kein Brimborium, keine eitle Eröffnungsrhetorik. Stattdessen empfing ein großes, langes Konzert in zwei Sets das Publikum. Es war eine bewusste Gegenbewegung zur engen Taktung, die Festivalprogramme sonst gern diktiert. Das Rezept ging auf, weil diese Band Zeit nicht als Mangel begriff, sondern als Möglichkeit.

Ausgangspunkt ist das aktuelle Quartett des Gitarristen Hanno Busch mit Jonas Burgwinkel am Schlagzeug, Simon Jermyn am Bass und Matthew Halpin am Saxofon, hier noch erweitert durch die Tastenkunst von Roman Babik am Flügel. Hier regiert keine Hierarchie, sondern permanente Kommunikation. Buschs Gitarre setzt präzise, oft trockene Impulse, Burgwinkel hält den Puls in ständiger Bewegung, und Jermyns Bass federt als elastischer Gegenpol. Halpin ist ein junges Talent, dem man gebannt zuhört. Er spannt Klangflächen auf und verdichtet sie wieder, sucht seine Linien mit wacher Neugier und spielt dabei erstaunlich unaufgeregt, als müsse er niemandem etwas beweisen. Man muss sich einklinken in diese Musik, die nichts einfordert, sondern einlädt. Eine Figur kehrt wieder, kleine Verschiebungen verändern ihre Wirkung, und aus dem Groove wächst Spannung.

Dann wächst die Band über sich hinaus, und „Friends“ wird zum musikalischen Prinzip. Anna Luca bringt eine neue Farbe ins Spiel: hell, beweglich, intim und rhythmisch genau. Ihr Gesang hat poppige Direktheit, ohne die jazzige Beweglichkeit preiszugeben. Sie singt nicht über die Band hinweg, sondern scheint aus ihr herauszuwachsen.

Mit Peter Weniger tritt Halpin ein zweiter Saxofonist zur Seite, und dieser Dialog gehört zu den stärksten Momenten des Abends. Wo Halpin tastet, erkundet und Räume öffnet, spricht Weniger mit gewichtiger Ausdruckskraft. Sein Ton hat Wärme und Körnung. Er kann sich auf wenige, genau gesetzte Töne konzentrieren oder den Saal weit aufreißen. Nichts daran ist Virtuosität um ihrer selbst willen. Seine Erfahrung zeigt sich in der Selbstverständlichkeit, mit der er sie ins Kollektiv einbringt. Hier begegnen sich zwei Generationen und zwei Temperamente, die einander keine Konkurrenz machen, sondern Möglichkeiten geben.

"Diese Musiker spielen, was ich fühle" 

Anna Luca bringt es selbst auf den Punkt: "Diese Musiker spielten nicht nur, was sie fühlen, sondern exakt das, was sie fühle". So verschwimmen die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation, zwischen Solist und Begleiter, zwischen Bühne und Saal. Dieses Wir-Gefühl entsteht nicht nur auf der Bühne. Im vollbesetzten Kleinen Haus sitzt ein Publikum, das dem Festival seit seiner Gründung die Treue hält. Dieser Abend holt die Menschen ab und öffnet zugleich Räume für alles, was noch folgt.

Beim Hinausgehen bedanken sich viele persönlich bei Festivalmacher Bernd Zimmermann. Das sind keine Floskeln, sondern spontane Zeichen, dass hier etwas angekommen ist.

Hinter den Kulissen geht es sofort weiter. Equipment wandert zur nächsten Spielstätte, und am nächsten Morgen wartet die Arbeit in den Schulen. Die Musik zieht weiter, von Bühne zu Bühne, von den Musikern ins Publikum. Willkommen bei New Colours.

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