Klein aber oho
Das Programm in der werkstatt ist mega!
Wow, was für ein Programm! Die „werkstatt" in Gelsenkirchen ist klein, aber fein – die Programmplanung für das kommende Frühjahr gibt sich erfrischend open-minded. Will sagen: Hier wird nicht nur ein bestimmtes Nischen-Segment oder kulturelles Submilieu bedient, stattdessen ist von nicht so freiem bis freiem und manchmal auch freiestem Jazz, aber auch indischer klassischer Musik und vielem mehr alles vertreten. Und wer damit bis zum Sommer nicht bedient ist, der kann am 26.6. noch mit der Santa Monika zu einer Jazzcruise auf dem Rhein-Herne-Kanal losschippern. Aber schauen wir uns den Timetable mal genau an - aus Platzgründen beschränken wir uns hier auf die Jazzkonzerte – das komplette Programm mit Ausstellungen, Theater, Lesungen und mehr gibt's unter www.werkstatt-ev.de.)
22. März: „Hammer + 3" – Von Straight Ahead Jazz bis Balkan. Den Auftakt der hauseigenen Reihe von Gitarrist Christian Hammer bestreitet der polnische Multiinstrumentalist Radek Fedyk, ein Mann, der zwischen Jazz, Balkan und Klezmer pendelt. Am Kontrabass steht Nils Imhorst, bekannt aus dem Kioomars Musayyebi Quartett und dem Tango-Electronica-Projekt „Tangolectrón", während der Niederländer Nout Ingen Housz erstmals am Schlagzeug in der „werkstatt" zu erleben ist. Hier ist kein Genre sicher.
17. April: Yegor Zabelov – Accordion Fighter. Der SPIEGEL nannte ihn „einen Künstler, der berühmter sein sollte" – und wer den belarussischen Akkordeon-Berserker einmal live erlebt hat, weiß warum. Zabelov lässt sein Instrument keuchen, fauchen, flüstern und röcheln, irgendwo zwischen Philip Glass, Arvo Pärt und dem Esbjörn Svensson Trio. Manchmal meint man Synthesizer zu hören, aber es ist immer nur dieses eine Akkordeon. Die Musik ist mystisch, ritualhaft und zutiefst physisch – allein dafür lohnt die Anreise nach Buer.
26. April: „Hammer + 3" – Improvisierte Musik. Diesmal ist Tubist Carl Ludwig Hübsch zu Gast, der sein Instrument so weit jenseits aller Klischees spielt, dass man es kaum wiedererkennt. Dazu gesellen sich Pianist Philip Zoubek, der 2020 den WDR-Jazzpreis für Komposition erhielt,und Flötistin Angelika Sheridan aus der experimentellen Szene. Statt Setlist stehen Klangforschung und Interaktion auf dem Programm – hier wird improvisiert.
30. April: Soundtrips NRW – Lê Quan Ninh & Michel Doneda. Zwei Legenden der europäischen freien Improvisation, die seit über 30 Jahren als Duo arbeiten, machen Station in der „werkstatt". Perkussionist Lê Quan Ninh öffnet mit ungewöhnlichen Spielweisen und Objekten Klangräume jenseits konventioneller Rhythmik, während Saxophonist Michel Doneda als Autodidakt ein klangliches Vokabular auf Sopran- und Sopraninosaxophon entwickelt hat, das von leisesten Atemklängen bis zu eruptiven, fast schreienden Texturen reicht. Im zweiten Set stoßen Gunda Gottschalk an der Violine und Anna Größbrink am Kontrabass dazu. Das ist ein absoluter Pflichttermin.
8. Mai: TOXODON. Das Trio ist benannt nach einem vor 13.000 Jahren ausgestorbenen Pflanzenfresser und wurde auf dem Moers Festival 2023 gegründet. Seitdem improvisieren sich Simon Camatta am Schlagzeug, Raissa Mehner an der E-Gitarre und Salome Amend am Vibraphon durch „halb-aquatische Klangsphären und schroffe Independent-Felsen". Die jazzzeitung schrieb über den Moers-Auftritt: „Was für eine Intensität – das rockte zuweilen mächtig, ließ aber auch feinsinnige Geräusch-Symbiosen entstehen."
16. Mai: Jens Düppe solo „ego_D". Er wurde für den Echo Jazz nominiert und erhielt den WDR-Jazzpreis für Improvisation: Jens Düppe gilt als einer der kreativsten Drummer des Landes. In seinem Programm „ego_D" steht er allein auf der Bühne und bedient Schlagzeug, Fender Rhodes und Elektronik gleichzeitig. Der Kölner Stadt-Anzeiger sprach von einem „Klangkunstwerk von meditativer Eindringlichkeit". Wenn ein Schlagzeuger solo einen ganzen Abend trägt und man dabei vergisst zu atmen, dann ist es dieser hier.
23. Mai: „Hammer + 3" mit Imran Khan. Das ist das Highlight. Zum siebten Mal kommt Sitar-Virtuose Imran Khan in die „werkstatt" – ausgebildet bei Meistern wie Ustad Sultan Khan, der dem europäischen Publikum durch seine Zusammenarbeit mit George Harrison bekannt sein dürfte. Zusammen mit seinem Schwager Naim Khan an den Tablas, der das Instrument in achter Generation spielt, entsteht dieser unverwechselbare Indien-Sound, den Hammers Gitarre und Jens Pollheides Bass und Flöte kongenial ergänzen. Pollheide ist einer der gefragtesten E-Bassisten der transkulturellen Ruhrgebietsszene, spielte lange bei embryo und feierte 2023 mit dem Transorient Orchestra das 20. Jubiläum. Seit 2014 arbeitet er mit Imran Khan zusammen, und das musikalische Verständnis zwischen den beiden funktioniert inzwischen traumwandlerisch. Das ist transkulturelle Musik auf höchstem Niveau in intimster Atmosphäre – nicht verpassen.
30. Mai: Robert Mayer Organ Trio. Hammond-Orgel, Saxophon und Drums – das klassische Rezept, frisch angerührt. Robert Mayer an der Hammond, Philipp Sauer am Saxophon und Dirk Leibenguth am Schlagzeug changieren zwischen Modern Jazz, Fusion und traditionellem Orgeltrio-Sound. Inspiriert sind sie von Größen wie Larry Goldings, Joey DeFrancesco und Sam Yahel, und das Ergebnis ist jazzig, groovend und auf den Punkt.
26. Juni: Jazzparty auf der Santa Monika. Das Saisonfinale findet auf dem Wasser statt: Livemusik auf dem Rhein-Herne-Kanal von 19 bis ca. 23 Uhr, der Zugang zum Schiff ist ab 18.30 Uhr am Anleger „Sutumer Brücken". Die Band wird noch bekannt gegeben, aber wann hat das hier je enttäuscht? Vorverkaufsinfos folgen, und es lohnt sich, den Newsletter zu abonnieren.
Konzertbeginn ist in der Regel um 19.30 Uhr. Der Eintritt liegt bei 10–15 €, ermäßigt bei 5 €, und unter 20-Jährige kommen umsonst rein. Reservierungen gehen an info@werkstatt-ev.de, das komplette Programm findet sich unter www.werkstatt-ev.de.










