Jetzt. Genau jetzt.
FOTO: Peter Ganushkin (Bildquelle Website Klaeng-Festival)
Drei Abende, neun Acts, null Schubladen: Das KLAENG Festival geht vom 20. bis 22. November in seine 17. Runde – im Kölner Stadtgarten, mit einem kubanischen Pianisten in Residenz, Harfen-Magie aus der Bretagne, tansanischem Elektro-Gogo und einem Saxofon-Schwergewicht zum Finale. Jazz in Köln ist eine gefragte Sache: Der Festivalpass ist längst ausverkauft. Wer dabei sein will, sollte sich schnell ein Tagesticket sichern.
Hinter KLAENG steckt ein Kollektiv aus vier Musikern, die selbst ständig auf Bühnen stehen: Jonas Burgwinkel , Sebastian Gille, Tobias Hoffmann und Robert Landfermann . Entsprechend klar ist ihre Ansage: Hier geht’s ums Jetzt. Genres dürfen verschwimmen, ineinanderlaufen oder auch mal frontal kollidieren. Hauptsache, es knallt – oder es wird so leise, dass der ganze Saal den Atem anhält.
Freitag: Freundschaft, Gitarrenwände und sechs Heldinnen
Zum Auftakt bringt der Berliner Bassist Phil Donkin mit Bring A Friend gleich die halbe Szene mit – ein Projekt mit wechselnder Siebener-Besetzung, u. a. mit Clara Vetter, Jeremy Viner und Bastian Stein. Danach wird’s elektrisch-experimentell: Das HOAX Quartet, vier Gitarren seit 2017, zeigt mit RELIC, was passiert, wenn Samples, Klangobjekte und Minimal-Music-Ikone Steve Reich aufeinandertreffen. Und dann kommt die Pianistin Kris Davis mit Robert Hurst und Jim Black – und ihrem Album Run the Gauntlet, einer Verbeugung vor sechs prägenden Pianistinnen. Erster Abend, und die Messlatte liegt schon unterm Hallendach.
Samstag: Der Resident, die Harfe und die Queens
Der Mann der Stunde heißt David Virelles. Der in New York lebende Kubaner ist Steinway Artist, Guggenheim Fellow, Professor in Zürich und hat Auftragswerke für die Carnegie Hall und den Pierre Boulez Saal geschrieben – kurz: eine ziemlich große Nummer. Als Artist in Residence stellt er ein eigens geschmiedetes KLAENG Project vor: ein Quartett ohne Schlagzeug, mit Gille, Ronny Graupe und Landfermann. Zu hören gibt’s das nur in Köln und Wuppertal. Danach verzaubert Laura Perrudin solo mit Harfe, Stimme und ihrem fünften Album Tempus – vergesst alles, was ihr über Harfen zu wissen glaubtet. Den Abend krönen The Zawose Queens: Pendo und Leah Zawose tragen die Gogo-Tradition ihrer tansanischen Familie mit ihrem Debüt Maisha mitten in die Elektronik-Gegenwart. Tanzbeine bitte bereithalten.
Sonntag: AmöbeN, Abschied und ein Weltstar
Der Schlussakkord hat es in sich. Die dänisch-norwegische Saxofonistin Signe Emmeluth schickt ihr Quartett Amoeba mit dem Album With Love auf die Bühne – Liebe, ja, aber sicher nicht kuschelig. Virelles verabschiedet sich mit einem Solo-Piano-Set aus seiner Residency. Und dann: Chris Potter. Einer der ganz großen Tenorsaxofonisten unserer Zeit, im Trio mit Matt Brewer am Bass und Kendrick Scott an den Drums. Wer da nicht dabei ist, wird es sich später erzählen lassen müssen.
Eine neue Residency blickt über den Tellerrand
Erstmals reicht die von der Kunststiftung NRW geförderte Residency über das Festival hinaus: Virelles spielt auch im LOCH in Wuppertal, solo und mit dem KLAENG Project. Ein Grund mehr, sich den Mann gleich zweimal anzuhören.
KLAENG Festival 2026
20.–22. November, Stadtgarten Köln
Einlass & Abendkasse 18 Uhr, Konzertbeginn 19 Uhr
Tagesticket 38 € bzw. 18 € (freie Platzwahl, teilbestuhlt), Tagesticket Plus mit reserviertem Sitzplatz 46 € (limitiert), Festivalpass ausverkauft
Tickets: stadtgarten.ticket.io · Infos: klaengfestival.de
