Druck machen und Raum lassen
Interview mit Stefan Heidtmann
TEXT: Günter Reiners |
Das Jahr 2026 beginnt mit großartigen Jazzkonzerten in Nordrhein-Westfalen. Auf unserem Jazzkalender NRWJAZZ sind bereits jetzt 48 Veranstaltungen für den Monat Januar gelistet.
Den Auftakt macht am 4. Januar das Konzert von unitfour im Café Desaster in Herne. Es folgen zahlreiche spannende Formationen und Spielorte im ganzen Land. Ein besonderes Highlight ist der 23. Januar, an dem JazzStones feat. Christoph Titz auf der Bühne stehen.
Bis zum Monatsende spannt sich der Bogen weiter: Am 31. Januar beschließt das Lisa Wulff Quartett den jazzreichen Monat mit einem Auftritt im Bunker Ulmenwall in Bielefeld.
Wir haben mit dem renommierten Jazzpianisten
Stefan Heidtmann
darüber gesprochen, wie er persönlich ins neue Jahr startet, welche musikalischen Akzente er in 2026 setzt.
Interview mit
Stefan Heidtmann
Bandleader der Gruppe JazzStones
NRWJAZZ: Stefan, am 23. Januar starten deine Jazzkonzerte in diesem Jahr im, Hürther Jazzkeller. Dein JazzStones Trio bringt einen besonderen Gast mit. Was erwartet uns an diesem Abend?
Stefan Heidtmann
: Ein Club-Konzert mit Charakter. Das JazzStones Trio – also Markus Braun am Bass, Marcel Wasserfuhr an den Drums und ich am Piano – funktioniert wie eine eingespielte Band, die genau weiß, wann sie Druck macht und wann sie Raum lässt. Mit Christoph Titz als Gast kommt eine zusätzliche Farbe dazu, die den Abend nochmal öffnet.
NRWJAZZ: Christoph Titz an Trompete und Flügelhorn – warum gerade er?
Heidtmann: Christoph hat diese seltene Mischung aus technischer Klarheit und erzählerischem Spiel. Er kann eine Linie spielen, die sofort hängen bleibt, und im nächsten Moment komplett offen improvisieren. Genau das passt zu unserer Musik. Er setzt Akzente, ohne sich aufzudrängen.
NRWJAZZ: Wie verändert er den Sound des JazzStones Trio?
Heidtmann: Er bringt eine Stimme rein, die fast wie ein Gesang funktioniert. Gerade das Flügelhorn gibt den Stücken eine Wärme, manchmal auch eine gewisse Melancholie. Gleichzeitig ist Christoph jemand, der sehr direkt reagiert – das pusht uns als Trio enorm.
NRWJAZZ: Lass uns kurz über die Band sprechen: Wie arbeitet das JazzStones Trio zusammen?
Heidtmann: Markus Braun ist das Fundament – unglaublich präsent, sehr melodisch, immer mit Übersicht. Marcel Wasserfuhr bringt diese Mischung aus Präzision und Energie, die alles antreibt, ohne zu dominieren. Ich sehe mich da nicht als Bandleader im klassischen Sinn, sondern eher als Teil eines gleichberechtigten Dialogs.
NRWJAZZ: Klingt nach Bandchemie statt Hierarchie.
Heidtmann: Genau. Wir hören uns gegenseitig zu, reagieren sofort. Das ist eher Rolling Stones im Club als Jazz nach Lehrbuch. Wenn etwas im Moment entsteht, gehen wir da gemeinsam rein.
NRWJAZZ: Wie viel ist beim Konzert im Hürter Jazzkeller festgelegt, wie viel passiert spontan?
Heidtmann: Es gibt Stücke, Motive, Formen – aber nichts ist in Stein gemeißelt. Gerade mit Christoph als Gast entstehen oft neue Wege. Wenn sich ein Moment richtig anfühlt, lassen wir ihn laufen.
NRWJAZZ: Der Hürter Jazzkeller ist bekannt für seine Nähe. Spielt das für euch eine Rolle?
Heidtmann: Absolut. Der Raum zwingt zur Ehrlichkeit. Keine Distanz, kein Ausweichen. Das Publikum sitzt mitten im Geschehen. Für so ein Konzert ist das ideal.
NRWJAZZ: Wenn man den Abend als Rolling-Stone-Playlist denken würde – was ist der rote Faden?
Heidtmann: Spannung und Haltung. Musik, die nicht alles erklärt, sondern sich entwickelt. Mal groove-orientiert, mal offen, immer mit Charakter. Keine Hochglanznummern, sondern echte Live-Momente.Allerdings sollte man keine Cover-Versionen der Stones erwarten! Man muss teilweise schon genau hinhören…
NRWJAZZ: Warum sollte man am 23. Januar im Hürther Jazzkeller dabei sein?
Heidtmann: Weil dieses Konzert nur an diesem Abend genauso existiert: das JazzStones Trio, Christoph Titz als Gast, dieser Raum, dieses Publikum. Wer auf Musik steht, die knistert, atmet und Haltung zeigt, sollte kommen.
NRWJAZZ: Ein herzliches Dankeschön für deine offenen Worte, das Interview führte Günter Reiners, von NRWJAZZ