Jazzahead 2026
Fahrplan durchs weltgröße Jazzspektakel
FOTO: Bildquelle: website jazzahead
20 Jahre jazzahead! – und was für ein Weg: Was 2006 mit sechs Konzerten und einer improvisierten Messe begann, ist heute die weltweit größte Fachmesse für Jazz und improvisierte Musik. Zum Jubiläum vom 22. bis 25. April fährt Bremen alles auf: über 160 Konzerte, rund 20.000 erwartete Besucher, mehr als 3.000 Fachleute aus über 60 Nationen. Partnerland ist diesmal Schweden.
Los geht es am Mittwoch, dem 22. April, mit dem Grand Opening in Halle 7 der Messe Bremen. Die Norrbotten Big Band hat das amerikanische Electro-New-Jazz-Funk-Duo KNOWER – also Louis Cole und Genevieve Artadi – im Gepäck: gemeinsame Uraufführung neuer Musik. Dazu die Saxofonisten Lisen Rylander Löve und Fredrik Ljungkvist, das Geschwister-Quartett Agnas Bros. sowie Sängerin Josefine Cronholm. Leider ist das Grand opening bereits ausverkauft.
Showcase Marathon
Ab Donnerstag laufen die 38 Showcase-Konzerte auf den Bühnen in Halle 7 und im Kulturzentrum Schlachthof – jeweils 30 bis 45 Minuten, kuratiert von internationalen Fachjurys. Insgesamt hatten sich 821 Acts aus 43 Ländern beworben, ein Anstieg von 35 Prozent. Schweden schickt unter anderem das Joel Lyssarides Trio, Bitoi, das Daniel Karlsson Trio und Nine Sparks Riots. Die German Jazz Expo – mit 175 Bewerbungen und einem Zuwachs von 82 (!) Prozent – zeigt Àbáse, CRUTCHES, Kristina Brodersen – KRISTINA 4, RE:CALAMARI, Richard Koch – Rays of Light, Sara Decker – Expand, Bonsai und Sorvina. Aus Übersee und Afrika kommen Michael Pipoquinha (Brasilien), SAHAD (Senegal), Kossi Mawun (Togo), Malika Zarra, Tonina, das Jeremy Ledbetter Trio, das Sharon Mansur Trio und das Sydney Mavundla Quartet. Die europäischen Slots teilen sich Jasmine Myra, Laura Jurd, Jure Pukl – Analog AI, das Aksel Rønning Trio, Anaïs Drago – ReLeVé, KNOBIL, L'Antidote, Nana Rashid, N∆BOU, die Peter Somuah Group, das Sol Jang Trio, Marco Centasso Um/Welt, das Wajdi Riahi Trio und yvonne moriel :: sweetlife.
Diskursort für die Branche
Doch die jazzahead! ist eben mehr als ein Konzertmarathon – sie ist Branchentreff. Über 50 Konferenz-Sessions füllen die drei Messetage. Das Schwerpunktthema Green Touring zieht sich als roter Faden durch das Programm: Wie lassen sich internationale Tourneen ökologisch und ökonomisch sinnvoll gestalten? Die Nachhaltigkeitsplattform CooProg Music, auf der bereits alle 38 Showcase-Acts registriert sind, liefert dafür ein konkretes Werkzeug. Ein AI-Workshop bringt schwedische und deutsche Musiker zusammen, um kreative Anwendungen Künstlicher Intelligenz zu erproben – inklusive der Präsentation des weltweit ersten staatlich gestützten Lizenzmodells für KI-generierte Musik. Booking-Agentin Katherine McVicker, die Frau hinter der Live-Karriere von Norah Jones, entmystifiziert in ihrem Workshop „Anyone Can Book a Gig" den oft undurchsichtigen Booking-Prozess. Das Panel „Jazz was born in Africa" – im dritten Jahr des Afrika-Schwerpunkts – bringt Musiker wie Sydney Mavundla und SAHAD mit Branchenvertretern ins Gespräch. In „Building a Sustainable Music Ecosystem" diskutieren Edition Records und die Streaming-Plattform Qobuz über nachhaltige Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter. Weitere Panels widmen sich Urheberrechtsfragen, Musikpädagogik und einem Thema, über das in der Branche selten offen gesprochen wird: Wie bewahrt man seine Kreativität, wenn man gleichzeitig Eltern oder pflegende Angehörige ist? Ab 2027 verschiebt sich der geografische Fokus übrigens Richtung Pazifik – von Japan bis Australien. Eine erste Vorschau darauf gibt es bereits am Samstagnachmittag.
Die Clubnacht sind diesmal zwei Nächte – auch in Bremerhaven
Am Freitag und Samstag folgt die Clubnight – erstmals als Doppelpack über zwei Nächte, mit einem Ticket (40 €/20 € ermäßigt, ÖPNV inklusive): Freitag in Bremens Innenstadt, Samstag auch in Bremerhaven. Rund 120 Konzerte in 45 Clubs, Kirchen, Museen und Bars. In der Kulturkirche St. Stephani spielt The Match & Pulse – das Duo Johanna Borchert (Gesang, Klavier) und Miles Perkin (Bass) zusammen mit dem Avantgarde-Streichquartett PULSE um Johannes Haase, Carolin Pook und Julia Bilat. Im Tor 40 steigt die Luxemburg-Nacht mit dem Arthur Possing Quartet und Gitarrist Joel Rabesolo. In Fiete's Hafenbar die African Night mit Kossi Mawun. In der Bremer Shakespeare Company die British Night mit Azamiah aus Glasgow. Im Sendesaal Bremen internationale Besetzungen wie Petros Klampanis, Kristjan Randalu und Ziv Ravitz. Die Berthold-Records-Nacht in der Villa Sponte leitet der dänische Bassist Kenneth Dahl Knudsen. Orientierung bietet die App „Rausgegangen", die per Ampelsystem anzeigt, wo noch Platz ist.
Deutscher Jazzpreis auf der jazzahead am Samstag
Das große Finale am Samstagabend: die Verleihung des Deutschen Jazzpreises im Congress Centrum Bremen, moderiert von Thelma Buabeng und Götz Bühler, musikalisch begleitet vom Moses Yoofee Trio. In 22 Kategorien – von Vocals über Komposition bis Lebenswerk – werden die Gewinner live verkündet. Rund 1.200 Einreichungen hat eine 36-köpfige Jury gesichtet. Einlass ab 18:30 Uhr, Showbeginn 19:30 Uhr.
Zwanzig Jahre – das ist mehr als ein Jubiläum. Bremen wird für vier Tage zur Weltstadt einer Musik, die sich beharrlich allen Schubladen entzieht. In einer Zeit, in der Kulturbudgets schrumpfen und Aufmerksamkeitsspannen kürzer werden, beweist dieses Festival das Gegenteil: Dass Jazz mehr Publikum anzieht denn je, wenn man ihn ernst nimmt, ihm Raum gibt – und eine ganze Stadt zur Bühne macht.



