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Visual Sound Outdoor Festival mit Ausnahme Linup
TEXT: Stefan Pieper | FOTO: Bildquelle: website Parzelle dortmund e.v.
„Etwas Gutes hervorbringen, wachsen lassen, mit Leichtigkeit zulassen, wie sich Dinge vereinen." Mit diesen Worten beschrieb Angelika Hoffmann, Vorständin des Parzelle Vereins für interdisziplinäre Kulturprojekte, in einem Gespräch während der letzten Ausgabe die Haltung hinter dem Visual Sound Outdoor Festival. 2026 trägt diese Leichtigkeit spektakuläre Früchte: Zum siebten Mal verwandelt sich die Dortmunder Nordstadt vom 13. bis 15. August drei Tage lang in einen vibrierenden Klangkosmos aus 17 Konzerten, nächtlichen DJ-Sets und visueller Kunst. Ein Termin, den man sich dick anstreichen sollte.
Schauplatz ist erneut der Kulturort Depot, einst Straßenbahndepot, heute Biotop für Kunstexperimente. Auf zwei Open-Air-Bühnen am Hofplatz und in der atmosphärischen Parzelle begegnen sich Klangforscher aus Dortmund und der Region und Gäste aus den USA, Großbritannien, Portugal, Dänemark, Italien, Norwegen, den Niederlanden und Brasilien – ganze Kulturkreise, die hier miteinander in Reibung geraten. Nicht umsonst wurde der Verein mit dem bundesweiten APPLAUS ausgezeichnet.
Namen, die man kennen muss
Was dieses Line-up so außergewöhnlich macht, ist die schiere Dichte an prägenden Figuren der internationalen Improvisationsszene. Da ist der norwegische Schlagzeuger Paal Nilssen-Love, eine der energetischsten Naturgewalten des europäischen Free Jazz, der im Duo auf die philippinisch-dänische Pianistin Margaux Oswald trifft. Da ist die französische Klarinettistin und Stimmakrobatin Isabelle Duthoit, deren körperlich unmittelbare Vokalsprache gleich zweimal aufblitzt – im Duo mit dem portugiesischen Trompeter Luís Vicente und im Trio mit Steve Heather und Gitarrenpoet Andy Moor.
Ein muskulöses britisches Kontingent durchzieht das Wochenende: Trompeterin Charlotte Keeffe, Saxofonistin Rachel Musson, Bassist Olie Brice und der rastlose Mark Sanders am Schlagzeug tauchen in wechselnden Konstellationen auf – im Trio Brice | Musson | Sanders ebenso wie in der Formation Right Now – Right Here, angereichert um die spanische Turntable-Stimmkünstlerin Barbara Togander. Für transatlantische Wucht sorgt das Luís Vicente Quartett mit US-Tenorist John Dikeman, Bassist Luke Stewart und Drummer Onno Govaert, während der italienische Saxofonist Edoardo Marraffa mit Marraffa 4 und Trompetengast Bart Maris geballte Bläserintensität entfesselt.
REgional, International
Das Festival versteht sich als interdisziplinäres Gesamtkunstwerk. Die visuelle Ebene bespielt „Triangle of transitions" von Claudia Terlunen und Sabine Held, ergänzt durch eine Fotoausstellung von Dawid Laskowski, ehe Ach Kuhzunft die Nächte mit Live-DJ-Sets bei freiem Eintritt ausklingen lässt. Für das leibliche Wohl sorgt Ghazwa Ghazi mit syrischen Köstlichkeiten, delicate groove records lädt mit einem Plattenstand zum Stöbern. Dass ein Festival dieses Kalibers fast ausschließlich aus ehrenamtlichem Engagement, einem Patchwork kleiner Förderungen und viel Herzblut entsteht, grenzt an ein Wunder – und ist der lebende Beweis für Hoffmanns Überzeugung, dass Innovation vor allem Mut, Vision und die richtige Portion Ruhrgebietssturheit braucht.
Zwischen Industriearchitektur und grünen Zwischenwelten entsteht hier drei Tage lang ein Raum für Begegnung, Austausch – und für Musik, die noch niemand gehört hat.
Visual Sound Outdoor Festival 2026 · 13.–15. August · Kulturort Depot, Immermannstraße 29, Dortmund · Tickets über RAUSGEGANGEN Dortmund · Infos: www.parzelledortmund.de
