Improvisation Now
Ein Ausblick auf das Visual Sound Outdoor Festival
FOTO: Bildquelle: website Parzelle dortmund e.v.
Wenn das Visual Sound Outdoor Festival (VSOF) vom 13. bis 15. August 2026 auf dem Gelände des Kulturorts Depot in der Nordstadt zurückkehrt, entsteht hier erneut ein Experimentierfeld für frei improvisierte Musik zwischen Free Jazz, Elektronik und spontaner Kollektivbildung.
Der Parzelle Verein e.V. hat sein Programm für die siebte Ausgabe des Visual Sound Outdoor Festivals (VSOF) komplettiert: Das Line-up steht, der Vorverkauf läuft. Vom 13. bis 15. August 2026 verwandelt sich der Hof des Kulturorts Depot in der Dortmunder Nordstadt erneut in einen vielschichtigen Klangkosmos aus Free Jazz, frei improvisierter Musik und experimentellen Formaten – auf zwei Open-Air-Bühnen sowie im vereinseigenen Spielort, der Parzelle im Depot.
Was sich hier über die Jahre entwickelt hat, besitzt inzwischen ohne Übertreibung Alleinstellungscharakter in Nordrhein-Westfalen. Kein anderes Festival in der Region widmet sich der Kultur der Improvisation derart konsequent – und keins übersetzt sie in ein so eigenständiges kuratorisches Konzept. Angelika Hoffmann lädt Jahr für Jahr Dutzende Musiker:innen aus dem In- und Ausland ein und bringt sie nicht nur in bestehenden Formationen zusammen, sondern setzt gezielt neue Konstellationen aus ihnen zusammen. Getreu dem Selbstverständnis des Vereins gestalten Enthusiast:innen aus der Szene ein Festival für die Szene.
Magic Ensembles
Herzstück dieses Ansatzes sind die sogenannten „Magic Ensembles“: einmalige Besetzungen, die es vor dem Festival noch nie gegeben hat und nach dem Festival womöglich nie wieder geben werden. Musiker:innen treffen hier erstmals aufeinander und entwickeln ihre Musik im Moment – Erst- und Wiederbegegnungen werden zum eigentlichen Programm. Junge, aufstrebende Stimmen stehen neben prägenden Figuren der internationalen Improvisationsszene, eingebettet in die rohe Industriearchitektur des Depots und begleitet von visuellen Arbeiten, die den Raum atmosphärisch erweitern. Diese Verbindung aus kuratiertem Risiko, internationaler Ausrichtung und lokaler Verankerung in der Nordstadt prägt den besonderen Reiz des Festivals.
Auch 2026 spiegelt das Line-up diese Haltung eindrucksvoll wider. Bereits am ersten Abend eröffnen mehrere Magic Ensembles den Reigen, darunter das Duo Duthoit & Vicente, das die radikal reduzierte Klangsprache von Isabelle Duthoit mit der offenen Trompetenästhetik von Luís Vicente verbindet. Im Anschluss trifft in einer weiteren Formation die stimm- und elektronikorientierte Arbeit von Barbara Togander auf Olie Brice und Edoardo Marraffa, bevor mit dem Duo Oswald & Nilssen-Love eine der intensivsten Begegnungen des europäischen Free Jazz folgt: die junge Pianistin Margaux Oswald trifft auf den langjährig stilprägenden Schlagzeuger Paal Nilssen-Love.
Körperlich erfahrbare Klangräume
Der zweite Festivaltag weitet das Spektrum noch einmal deutlich. Internationale Kollaborationen stehen im Zentrum, darunter das britisch geprägte Projekt Right Now – Right Here mit Charlotte Keeffe, sowie das energisch besetzte Maraffa 4 mit Gästen wie Bart Maris. Mit So Says the Drum tritt zudem ein transatlantisch-brasilianisch geprägtes Duo auf, das Schlagzeug, Klarinette, Elektronik und Performance in ein audiovisuelles Gesamtereignis überführt. Später am Abend bündeln sich in der Formation Duthoit | Heather | Moor drei sehr unterschiedliche improvisatorische Handschriften zu einem dichten, oft körperlich erfahrbaren Klangraum. Den Höhepunkt bildet ein groß besetztes Magic Ensemble um Charlotte Keeffe, Rachel Musson, Margaux Oswald, Mark Sanders und Luke Stewart, das die Idee des kollektiven Improvisierens konsequent weiterführt. Im Anschluss öffnet sich das Gelände mit einem DJ-Set unter dem Titel ACH KUHZUNFT in den nächtlichen Raum.
Der Samstag schließlich führt diese Linie konzentrierter Energie fort und bringt einige der markantesten Stimmen der Szene zusammen. Im Zentrum steht unter anderem das Trio Kurzmann & Gartmayer, das Elektronik, Stimme und Bassklarinette zu einer minimalistischen, hochpräzisen Klangsprache verdichtet. Ebenfalls präsent ist das Ensemble Toxodon, das mit Vibrafon, Gitarre und Schlagzeug eine fragile, zugleich hochenergetische Improvisationsästhetik entwickelt. Im weiteren Verlauf treffen mit dem Trio Brice | Musson | Sanders sowie dem Luís Vicente Quartett zentrale Protagonisten der europäischen und internationalen Szene aufeinander, bevor das Festival erneut in ein offenes DJ-Format übergeht.
Interdisziplinäres Rahmenprogramm
Ergänzt wird das Festival durch ein umfangreiches Rahmenprogramm. Visuelle Arbeiten begleiten die Konzerte, darunter die Installation „Triangle of Transitions“ von Claudia Terlunen & Sabine Held sowie eine Fotoausstellung des Londoner Musikfotografen Dawid Laskowski mit Eindrücken der Ausgabe 2025. Kulinarisch wird das Festival durch syrische Küche von Ghazwa Ghazi begleitet, während der Plattenstand von delicate groove records für analoge Gegenwelten sorgt. Die nächtlichen DJ-Sets von ACH KUHZUNFT sind an den Festivalabenden bei freiem Eintritt zugänglich.
Der Vorverkauf läuft über Rausgegangen Dortmund. Tickets sind als Festivaltickets sowie als Tageskarten erhältlich. Ermäßigungen gelten unter anderem für Mitglieder des ProJazz e.V., Schüler:innen, Studierende, Azubis, Inhaber:innen des Dortmund-Passes sowie Schwerbehinderte ab einem GdB von 70. Für Volunteers bis 27 Jahre stellt der Verein ein Kontingent an Freitickets bereit. Änderungen vorbehalten.
Timetable
Donnerstag, 13. August
19.00 – Magic Ensemble Duthoit & Vicente
20.10 – Magic Ensemble Brice | Togander | Marraffa
21.20 – Oswald & Nilssen-Love
Freitag, 14. August
17.00 – Right Now – Right Here feat. Barbara Togander
18.10 – Maraffa 4 feat. Bart Maris
19.30 – So Says the Drum
21.00 – Duthoit | Heather | Moor
22.30 – Magic Ensemble Keeffe | Musson | Oswald | Sanders | Stewart
23.30 – ACH KUHZUNFT (DJ, Eintritt frei)
Samstag, 15. August
16.00 – Magic Ensemble Gottschalk | Muche | Blume
17.10 – Kurzmann & Gartmayer
18.20 – Toxodon
19.50 – Brice | Musson | Sanders
21.10 – Luís Vicente Quartett
22.20 – ACH KUHZUNFT (DJ, Eintritt frei)
