Heiliger Groove
Hanno Busch meets WDR Bigband
FOTO: Bildquelle WDR Lutz Vogtländer, Harald Degener
Am 26. März feiert Gitarrist Hanno Busch den WDR-Jazzpreis mit einem Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche Gelsenkirchen – mit dabei: Anna Luca , die Stimme des Club des Belugas.
Wer Hanno Busch nur als den Gitarristen kennt, der bei Jan Delay die Riffs raushaut oder mit den Heavytones den Funk aufdrehen lässt, hat bisher nur die halbe Geschichte gehört. Jetzt gibt es den Rest – und zwar mit offiziellem Stempel: Der WDR zeichnet Busch mit dem diesjährigen WDR-Jazzpreis aus. Zum 22. Mal vergibt der Sender diese Auszeichnung, die in der deutschen Jazzszene als eine Art Ritterschlag gilt. Dass sie diesmal an einen Musiker geht, der zwischen Pop, Soul, Funk und Improvisation pendelt, ist durchaus ein Statement. Das Preisträgerkonzert krönt zugleich das erste Halbjahr der Konzertreihe FineArtJazz – ein Highlight, das die Reihe programmatisch auf den Punkt bringt.
Gefeiert wird das Ganze standesgemäß ungewöhnlich: nicht im Jazzclub, nicht im Konzerthaus, sondern in der Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen. Ein Ort, der Klang anders formt als jede Bühne mit Parkett und Rang. Lange Nachhallzeiten, eine warme, resonante Akustik – hier schwingen Töne nach, Harmonien entfalten sich langsamer, und jede Phrase bekommt eine fast physische Präsenz. Dass auch das prominente Klavier-Festival Ruhr diese Kirche längst als Spielstätte für sich entdeckt hat, spricht für die akustische Qualität des Raums. Für ein Jazzkonzert heißt das: weniger Clubatmosphäre, mehr Kammermusik-Intensität. Wer sich darauf einlässt, wird Buschs Gitarrenspiel auf eine Art hören, die im normalen Konzertbetrieb kaum möglich ist.
Warme Linien, perkussive Präzision
Denn Busch ist kein Gitarrist, der nur Soli abliefert. Sein Spiel lebt von Vielfalt: singende, warme Linien wechseln mit modulierten Effektflächen und rhythmisch präzisen, fast perkussiven Einsätzen. Er denkt in Arrangements, nicht in Showcases. Ob in kleiner Besetzung oder vor dichten Bläsersätzen einer Bigband – Busch findet immer den Raum, kompositorische Ideen zu platzieren und trotzdem offen für den Moment zu bleiben. Genau diese Balance dürfte in der Kirchenakustik besonders gut zur Geltung kommen.
Zusätzliche Farbe bringt ein besonderer Gast mit: Anna Luca , bekannt als charismatische Stimme des Club des Belugas, wird an dem Abend dabei sein. Ihre Präsenz verspricht ein Programm, das vokale Eleganz und Groove-Elemente mit Bigband-Ästhetik und improvisatorischer Freiheit zusammenbringt. Duette mit der Gitarre, vokale Soli, vielleicht auch überraschende Neuarrangements – der Abend dürfte dramaturgisch einiges zu bieten haben.
Jazz gehört in die Stadt
Für Gelsenkirchen ist das Konzert auch ein kleiner Coup: Ein Preisträgerkonzert von nationaler Strahlkraft in einer Stadt, die nicht als Erstes auf der Jazz-Landkarte auftaucht. Die Heilig-Kreuz-Kirche als Spielort unterstreicht dabei eine Idee, die immer mehr an Fahrt aufnimmt: Jazz gehört nicht nur in Clubs und Konzerthallen, sondern in städtische Räume, die Geschichte und Gegenwart zusammenführen. Kirche trifft Groove, Industriestadt trifft Improvisationskunst – das passt besser, als man auf den ersten Blick denken mag.
Unterm Strich ist dieses Konzert mehr als eine Preisvergabe: Es ist die Gelegenheit, einen Musiker an der Schnittstelle von Pop und Jazz in einem Raum zu erleben, der seine Musik neu beleuchtet. Und für alle, die Hanno Busch bisher nur als Sideman auf dem Schirm hatten, dürfte der Abend eine Entdeckung werden.
AUF EINEN BLICK Was: WDR-Jazzpreis – Preisträgerkonzert mit Hanno Busch Reihe: FineArtJazz Gast: Anna Luca (Club des Belugas) Wann: 26. März 2026, 20:00 Uhr (Einlass 19:00 Uhr) Wo: Heilig-Kreuz-Kirche, Bochumer Str. 115, Gelsenkirchen Tickets: VVK 29,00 € / ermäßigt 16,00 € (bis 25 Jahre)

