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Haltung, Risiko, Eleganz

Hommage an Miles Davis mit Christian Brückner

Marl, 06.06.2026

Miles war mehr als ein Trompeter. Er war Haltung, Risiko, Eleganz — und eine Figur, die den Jazz des 20. Jahrhunderts gleich mehrfach neu erfand. Zum 100. Geburtstag von Miles Davis widmen sich nun Christian Brückner und das Martin Auer Quintett im Rahmen der Reihe FineArtJazz mit „100 Miles“ einem Musiker, dessen Einfluss weit über den Jazz hinausreicht.

Miles Davis war nie da, wo die Musik gerade stand — sondern stets dort, wo sie erst hingehen würde. Der Abend am 12. Juni in der Scharoun-Aula Marl verspricht einen anregenden Mix aus Textpassagen und musikalischen Streifzügen durch jene Stücke von Miles Davis, die längst zu Ikonen der Jazzgeschichte geworden sind. Vom Cool Jazz bis zu den elektrischen Klangwelten der späten Jahre entsteht so das Porträt eines Künstlers, der die Musik immer wieder neu erfand.

Dass dieses Projekt ausgerechnet in der Scharoun-Aula gastiert, besitzt besonderen Reiz. Der von Architekt Hans Scharoun entworfene Raum zählt zu den außergewöhnlichsten Konzertorten der Region. Seine offene, organische Architektur und die besondere Akustik schaffen eine Atmosphäre, die wie gemacht scheint für die kommunikative Offenheit und spontane Energie des Jazz.

Die Autobiografie von Miles Davis als Primärquelle

Kaum ein Musiker hat sich selbst so schonungslos beschrieben wie Miles Davis in seiner gemeinsam mit Quincy Troupe verfassten Autobiografie. Das Buch gilt bis heute als eine der wichtigsten Primärquellen zur Jazzgeschichte: roh, direkt, provokant und kompromisslos. Sein lakonischer, cooler Ton prägt bis heute das Bild des Jahrhundertmusikers und liefert eine unverstellte Innensicht auf Kreativität, Nachtleben, Rassismus und den Musikbetrieb.

Mit Christian Brückner hat das Projekt dafür einen idealen Erzähler gefunden. Der große Schauspieler und Sprecher, vielen als deutsche Stimme Robert De Niros vertraut, bringt genau jene dunkle Rauheit und lässige Autorität mit, die man unweigerlich mit Miles verbindet. Vor allem aber lebt „100 Miles“ am 12. Juni vom musikalischen Potenzial des Martin Auer Quintetts. Auer nähert sich Miles Davis nicht über Imitation, sondern über Klang, Haltung und dramaturgische Spannung. Sein Spiel verbindet lyrische Offenheit mit kontrollierter Coolness und trifft umso individueller den Kern der Miles’schen Ästhetik.

Mit dem vielseitigen Saxophonisten Florian Trübsbach, dem harmonisch flexiblen Pianisten Jan Eschke und Andreas Kurz am Kontrabass entsteht ein Ensemble, das sowohl die fragile Transparenz der frühen Jahre als auch die energetischen Verdichtungen der späteren Phasen überzeugend ausloten kann. Das Quintett bringt also stilistische Beweglichkeit mit, die für Miles Davis zentral war: Struktur und Freiheit, Präzision und Improvisation. So verspricht „100 Miles“ keine museale Rückschau, sondern eine lebendige, musikalisch dichte Annäherung an einen Künstler, dessen Musik bis heute radikal gegenwärtig geblieben ist.

Scharoun-Aula | Marl

12 JUN 2026

Westfalenstraße 68A | Marl

Beginn: 20:00 Uhr | Einlass: 19:00 Uhr

 

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