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Gegenwart.Unentrinnbar

Fahrplan durch die Wittener Tage für neue Kammermusik 2026

Witten, 24.04.2026
FOTO: Website: Wittener Tage für Neue Kammermusik

Die Wittener Tage für neue Kammermusik 2026 verwandeln Witten vom 24. bis 26. April erneut in ein dichtes Labor der Gegenwartsmusik, in dem sich Uraufführungen, Musiktheater, Elektronik und Stadtraumaktionen zu einem eng getakteten Festivalgeschehen verdichten. Unter dem programmatischen Leitgedanken „Gegenwart. Unentrinnbar.“ bündeln sich ästhetische, politische und existenzielle Fragestellungen: Identität als Vielzustand, Gewalt als strukturelle Erfahrung, Wahrnehmung als brüchiger Prozess – und immer wieder die Frage, wie Musik diese Spannungsfelder hörbar machen kann.

Das Festival findet aber nicht nur im Konzertsaal statt, sondern auchmitten in der Stadt: Bereits am Freitagnachmittag und noch stärker am Samstag wird die Innenstadt von Witten zur offenen Klangfläche. Mit der TRAVEL MUSICA – CHING DONG Band zieht ein mobiles Ensemble durch die Straßen, das das Festivalprinzip in den öffentlichen Raum verlängert und das Publikum unmittelbar einbindet. Ausgangspunkt ist die StadtGalerie Witten (Hammerstraße 9–11), von wo aus am Samstagvormittag ein musikalischer Umzug startet, der sich als offene Mitmachaktion versteht: Instrumente können mitgebracht werden, musikalische Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht erforderlich, der Ablauf ist bewusst niedrigschwellig und prozessorientiert. Besonders prägend für diesen Teil des Festivals ist die Beteiligung profilierter Improvisations- und Jazzmusiker wie Matthias Schriefl und Simon Rummel, die dem Projekt eine klare Verbindung zur improvisierten und genreoffenen Musikpraxis geben. Damit öffnet sich das ansonsten stark auf komponierte Neue Musik fokussierte Festival in Richtung spontaner Klangproduktion, kollektiver Aktion und urbaner Performance. Gerade dieser Brückenschlag zwischen zeitgenössischer Komposition und improvisierter Szene verleiht dem Auftakt eine eigene Dynamik und setzt einen deutlich anderen Akzent als das klassische Konzertformat im Saalbau.

Die KoNzerte -     Freitag

Der Auftakt beginnt am Freitagabend im Märkischen Museum, wo in konzentrierter Atmosphäre erste kompositorische Positionen vorgestellt werden. Der Übergang in den Saalbau Witten markiert dann den eigentlichen Festivalstart im größeren Format: Das Konzert „Ich im Plural“ mit dem Klangforum Wien unter Elena Schwarz setzt früh einen programmatischen Akzent auf fragmentierte, vervielfachte Identitäten und eine Musik, die sich bewusst gegen eindeutige Zuschreibungen sperrt. Später am Abend verschiebt sich der Fokus im selben Haus in Richtung klangtechnischer Experimentierfelder, wenn Ensemblepraxis, Klavier und das SWR Experimentalstudio auf Live-Elektronik und raumbezogene Klangverarbeitung treffen – ein Übergang von struktureller Komplexität zu klanglicher Materialforschung.

Samstag 

Der Samstag bildet das eigentliche Zentrum des Festivals und entfaltet sich als dramaturgisch gestaffelter Parcours durch verschiedene Spielorte der Stadt. Bereits am Vormittag treffen im kleineren Rahmen Streichquartett und Ensemble aufeinander, bevor im Haus Witten mit einem solistischen Programm von Begüm Aslan ein bewusst reduzierter, persönlicher Gegenpol entsteht. Diese intime Perspektive wird am Nachmittag radikal erweitert: In der WERK°STADT präsentiert Chaya Czernowin ihr Musiktheater „The Redheaded Man“, ein Werk, das sich mit existenzieller Verunsicherung, Gewalt und der Instabilität von Wahrnehmung auseinandersetzt und zugleich die Grenze zwischen Musik, Szene und Raum bewusst auflöst. Dieser Programmpunkt gilt als zentraler künstlerischer Schwerpunkt des gesamten Festivals.

Im weiteren Verlauf des Tages verschiebt sich der Fokus erneut in Richtung orchestraler und elektronisch erweiterter Großformen, wenn die Basel Sinfonietta unter Titus Engel am Abend im Saalbau ein repräsentatives Konzertprofil der Gegenwartsmusik zeichnet. Hier kulminiert der Tag in einer Form, die weniger Fragment als Verdichtung ist: unterschiedliche kompositorische Handschriften treten in ein bewusst kuratiertes Spannungsverhältnis. Den Abschluss bildet ein nächtlicher Konzertblock im Haus Witten, der die zuvor aufgebauten Energie- und Bedeutungsräume atmosphärisch ausklingen lässt.

Sonntag 

Der Sonntag schließlich wirkt weniger als Steigerung denn als Rückblick und Verdichtung: Noch einmal treten zentrale Protagonist:innen des Festivals in neu kombinierten Besetzungen auf, häufig mit Bezug zu zuvor gehörten Werken und Themenlinien. Besonders das Zusammenspiel von Vokalstimme, Streichquartett und Elektronik bündelt hier noch einmal die charakteristischen Klangachsen des Wochenendes. Parallel erhält Czernowins Musiktheater in einer zweiten Aufführung eine weitere Perspektive, bevor das Festival am Abend im WDR-3-Rahmenprogramm ausklingt.

Einen wichtigen Gegenpol zum konzentrierten Konzertbetrieb bildet die TRAVEL MUSICA – CHING DONG Band, die das Festival in den öffentlichen Raum verlängert. Bereits am Freitagnachmittag taucht das Ensemble spontan in der Innenstadt auf, bevor es am Samstag von der StadtGalerie Witten aus zu einem musikalischen Umzug durch die Stadt aufbricht, bei dem das Publikum ausdrücklich zum Mitmachen eingeladen ist. Damit wird das Festival nicht nur als Konzertreihe, sondern auch als performative Stadterfahrung lesbar, die die Grenzen zwischen Bühne und Alltag gezielt aufweicht.

Insgesamt zeigen die Wittener Tage 2026 ein Festival, das weniger auf lineare Programmentwicklung als auf simultane Verdichtung setzt: verschiedene Räume, Formate und Wahrnehmungsmodi überlagern sich, ohne sich auf eine eindeutige Lesart festlegen zu lassen. Gerade darin liegt die charakteristische Spannung dieses traditionsreichen Ortes Neuer Musik – zwischen analytischer Präzision, performativer Offenheit und dem Versuch, die Gegenwart in Klang zu fassen, ohne sie zu glätten.

Hier sind die genauen WDR-3-Sendetermine zu den 58. Wittener Tagen für neue Kammermusik 2026 (24.–26. April), an denen das Festival im Radio übertragen wird:

  • Freitag, 24. April 2026
    20:03 – 00:00 Uhr
    in „WDR 3 Konzert“
  • Samstag, 25. April 2026
    18:04 – 23:00 Uhr
    in „WDR 3 Open Sounds“ / Festival-Liveabend
  • Sonntag, 26. April 2026
    20:03 – 00:00 Uhr
    in „WDR 3 Konzert“ / Abschlussübertragung

Zusätzlich werden erfahrungsgemäß einzelne Mitschnitte und Features in den Tagen/Wochen danach in WDR 3 Studio Neue Musik, Musik der Zeit oder in der ARD Audiothek nachgereicht.

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