Fünf Wege nach Bangalore
Tribut an R.A Ramamani
FOTO: Christoph Haberer
Die Sängerin R.A. Ramamani zeigte, wie nah sich südindische Klassik und Jazz in ihrer Improvisationskunst sind. Im Oktober 2025 ist sie gestorben. Nun bringen fünf Musiker:innen, die sie persönlich geprägt hat, ihre Musik auf vier NRW-Bühnen – im LOFT Köln, im domicil Dortmund, im Katakombentheater Essen und in der Musikschule Recklinghausen.
Am 18. Oktober 2025 verlor die Musikwelt eine Ausnahmekünstlerin. R.A. Ramamani, geboren 1950 in Bangalore, war weit mehr als eine virtuose Carnatic-Sängerin – sie war eine Visionärin, die früh erkannte, was südindische Klassik und Jazz im Innersten verbindet: die Kunst der Improvisation, das Denken in komplexen rhythmischen Zyklen, das Gespür für den richtigen Moment im Zusammenspiel. Lange bevor der Begriff „Weltmusik" in aller Munde war, hatte Ramamani diese Durchdringung bereits auf der Bühne gelebt.
Nun lassen die Sängerin Sarah Buechi (Luzern), der Perkussionist Ramesh Shotham (Köln), der Geiger Zoltán Lantos (Budapest), der Vibraphonist Stefan Bauer (New York/Recklinghausen) und der Schlagzeuger Christoph Haberer (Dortmund) Ramamanis Kompositionen in neuer Besetzung erklingen. Alle fünf kannten Ramamani persönlich, haben teils über Jahrzehnte mit ihr gearbeitet und ihre rhythmischen Finessen verinnerlicht. Was sie vom 18. bis 23. Mai unter dem Titel A Tribute to R.A. Ramamani im LOFT Köln, im domicil Dortmund, im Katakombentheater Essen und in der Musikschule Recklinghausen auf die Bühne bringen, ist weit mehr als Erinnerung: Es ist die lebendige Fortschreibung einer Musik, die schon immer auf Grenzüberschreitung angelegt war.
Eine Stimme, die Welten verband
Wer Ramamani je live erlebte, vergisst das nicht. Ihre Auftritte beim Jazzfest Berlin 1983 an der Seite von Charlie Mariano, mit dem legendären Karnataka College of Percussion (KCP) beim Moers Festival, bei den Leverkusener Jazztagen oder beim North Sea Jazz Festival gehören zu den eindrücklichsten Momenten der europäischen Jazzgeschichte. Ihre Stimme konnte meditativ schweben und im nächsten Augenblick in atemberaubende rhythmische Kaskaden der Trommelsprache Konnakol umschlagen – einer Kunst, in der sie eine Meisterschaft erreichte, die selbst unter indischen Musiker:innen als außergewöhnlich galt. Ramamani war die erste Carnatic-Sängerin, die mit internationalen Jazzbands auftrat – und dabei zeigte, dass die improvisatorische Haltung beider Traditionen eine gemeinsame Sprache ermöglicht.
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Mridangam-Meister T.A.S. Mani, leitete sie das Karnataka College of Percussion in Bangalore – über Jahrzehnte die Drehscheibe zwischen südindischer Tradition und westlicher Improvisation. Die ECM-Produktion Jyothi (1983) mit Charlie Mariano und dem KCP, das WDR-Big-Band-Projekt Sketches of Bangalore unter Mike Herting – all das trug Ramamanis Handschrift: ihre melodische und rhythmische Brillanz, ihre Offenheit, ihre Kompositionen.
Die Besetzung
Die Musiker:innen des Tribute-Projekts verbindet, dass ihre Biografien sich in Ramamanis Kosmos kreuzen. Ramesh Shotham (südindische Perkussion, Konnakol), in Chennai geboren und seit den frühen Achtzigern in Köln beheimatet, gehörte 1978 zu den Mitbegründern der Formation Sangam mit Ramamani, T.A.S. Mani und dem Jazzpianisten Louis Banks – jener Band, aus der die Jazz Yatra hervorging und die 1983 beim Berliner Jazzfestival für Furore sorgte. Seine subtile Perkussionskunst auf Tavil, Ghatam und Mridangam hat Aufnahmen mit Carla Bley, Steve Coleman und der WDR Big Band geprägt und ist aus der europäischen Jazzszene längst unverzichtbar.
Sarah Buechi (Gesang, Konnakol) aus Luzern zählt zu den eigenwilligsten Stimmen des europäischen Jazz. Nach ihrem Studium an der Musikhochschule Luzern ging sie für anderthalb Jahre nach Bangalore, um bei Ramamani und T.A.S. Mani südindischen Gesang und Konnakol zu studieren. Seitdem durchdringen mikrotonale Elemente und komplexe rhythmische Zyklen ihre Musik auf ganz eigene Weise. Sieben Alben unter eigenem Namen – darunter mehrere bei Intakt Records – und der Ruf, „die Musik der Zukunft" zu machen (NZZ), sprechen für sich.
Zoltán Lantos (Violine, Konnakol) aus Budapest verbrachte neun Jahre in Indien, wo er ab 1985 klassische indische Musik studierte. Nach seiner Rückkehr entwickelte er auf seiner eigens angefertigten Violine mit sechzehn Resonanzsaiten – der Tarangini – eine eigene klangliche Sprache zwischen ungarischer Tradition, indischen Ragas und europäischem Jazz. Seine Zusammenarbeit mit Charlie Mariano, Ramesh Shotham , Dhafer Youssef und Rabih Abou-Khalil zeigt einen Musiker, der sich wie kaum ein anderer westlicher Geiger souverän zwischen den Musikwelten bewegt.
Stefan Bauer (Vibraphon, Marimba), aufgewachsen in Recklinghausen und seit Jahren zwischen New York und dem Ruhrgebiet pendelnd, gilt als einer der kreativsten Vibraphonisten im zeitgenössischen Jazz. Konzertreisen mit dem Goethe-Institut führten ihn nach Indien, Afrika und auf den Balkan; sein Album Best of Two Worlds war für den kanadischen Juno Award nominiert. Mit seinem Projekt Voyage bewegt sich Bauer souverän zwischen Tradition und Avantgarde – ein musikalischer Erzähler, der auf beiden Seiten des Atlantiks zu Hause ist.
Christoph Haberer (Schlagzeug, Elektronik) aus Dortmund komplettiert das Ensemble. Er arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von Jazz, Weltmusik und elektronischer Klangkunst – unter anderem mit Sarah Buechi, mit der er das Duo-Album Animata veröffentlichte, sowie als Leiter des preisgekrönten Schlagzeugensembles Boogie Voodoo an der Musikschule Dortmund.
18.05.2026 – LOFT, Köln, 20 Uhr 20.05.2026 – domicil, Dortmund, 20 Uhr 21.05.2026 – Katakombentheater, Essen, 20 Uhr 23.05.2026 – Musikschule, Recklinghausen, 19:30 Uhr
Gefördert von ProJazz, domicil und der Ruhrfestspielstadt Recklinghausen.





