Freie Kulturszene schlägt Alarm
Petition gestartet
Die Jazz Offensive Essen und neun weitere freie Kultureinrichtungen wehren sich mit einer Petition gegen drohende Kürzungen der städtischen Förderung um bis zu 12 Prozent. Grund: 150.000 Euro sollen gespart werden – für den Haushalt eine Randnotiz, für die freie Szene eine Existenzfrage. Am 6. Mai stimmt der Kulturausschuss ab.
Es geht um 150.000 bis 160.000 Euro. Für eine Großstadt wie Essen eine Summe, die im Gesamthaushalt kaum ins Gewicht fällt. Für die freie Kulturszene ist sie existenzbedrohend. Die Stadtverwaltung plant, die institutionelle Förderung freier Kultureinrichtungen um 10 bis 12 Prozent zu kürzen – und für den Doppelhaushalt 2027/28 stehen bereits weitere Einschnitte im Raum. Dagegen formiert sich jetzt breiter Widerstand. Unter Federführung des Kulturzentrums GREND hat ein Bündnis aus zehn namentlich genannten Einrichtungen und zahlreichen weiteren Akteur*innen eine Petition gestartet, die sich an den Kulturausschuss und Oberbürgermeister richtet. Zu den Unterzeichnenden gehört auch die Jazz Offensive Essen (JOE), die seit Jahren eine zentrale Rolle für den Jazz in der Stadt spielt. Wie ernst die Lage ist, verdeutlicht ein bemerkenswerter Vorgang: Die Kulturamtsleitung selbst – also die fachliche Leitung der städtischen Kulturverwaltung – sprach öffentlich von einer „roten Laterne" im Vergleich mit anderen Kommunen. Die Förderung sei schon jetzt strukturell zu knapp, seit Jahren nicht dynamisiert, während Mieten, Energie- und Personalkosten kontinuierlich gestiegen sind. Der reale Wert der Förderung ist längst erheblich gesunken.Die Erfahrung zeige, so die Initiatoren: Was einmal gestrichen ist, kommt nicht zurück.
Dominoeffekt bei Drittmitteln
Die Petition macht auf einen Mechanismus aufmerksam, der die Tragweite der Kürzungen weit über den unmittelbaren Sparbetrag hinaus vergrößert: Freie Einrichtungen werben regelmäßig Fördermittel von Land, Bund und Stiftungen ein. Diese setzen in der Regel einen kommunalen Eigenanteil voraus. Sinkt die städtische Förderung, brechen auch diese Drittmittel weg – ein Dominoeffekt, der den tatsächlichen Schaden vervielfacht. Neben der Jazz Offensive stehen unter anderem das Ensemble Ruhr, das Kunsthaus Essen, das Maschinenhaus Essen, die Zeche Carl, das Rabbit Hole Theater und das Übehaus Kray auf der Liste der betroffenen Einrichtungen. Getroffen wird die gesamte Breite der freien Szene – von Spielorten und Produktionshäusern über Stadtteilkulturzentren bis hin zu Projekten der kulturellen Bildung für alle Altersgruppen.
