Farewell James Blood Ulmer
Er folgte seiner eigenen Stimme
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Mit James Blood Ulmer ist eine der prägendsten Stimmen des modernen Jazz verstummt. Der Gitarrist, Sänger und Komponist starb am 3. Juni im Alter von 86 Jahren in New York. Kaum ein anderer Musiker verband Blues, Free Jazz, Funk und Rock mit einer derartigen Selbstverständlichkeit. Ulmer war kein Stilist, sondern ein musikalischer Grenzgänger, der über Jahrzehnte hinweg konsequent seinen eigenen Weg ging – kompromisslos, eigensinnig und unverwechselbar. Geboren 1940 in St. Matthews, South Carolina, fand Ulmer über Gospel und Blues zur Musik. Nach Stationen in Pittsburgh, Columbus und Detroit zog er Anfang der 1970er-Jahre nach New York. Dort begegnete er Ornette Coleman, dessen harmolodisches Konzept für ihn zum entscheidenden Impuls wurde. Doch Ulmer blieb nie bloßer Schüler. Er übersetzte Colemans Ideen in eine ganz eigene Gitarrensprache, die rau, kantig und zugleich tief im Blues verwurzelt war.
Seine Gitarre sang, kratzte, predigte und widersprach
Alben wie Tales Of Captain Black (1979), Are You Glad To Be In America? (1980), Free Lancing (1981) oder das bis heute faszinierende Odyssey (1983) gehören zu den großen Außenseiterklassikern der Jazzgeschichte. Gemeinsam mit Geiger Charles Burnham und Schlagzeuger Warren Benbow entwickelte Ulmer dort einen Klang, der sich jeder stilistischen Zuordnung entzog. Seine Gitarre sang, kratzte, predigte und widersprach zugleich – stets getragen von einer unverwechselbaren rhythmischen Energie. Mit Formationen wie dem Music Revelation Ensemble oder Phalanx arbeitete Ulmer an den Schnittstellen von Avantgarde, Funk und improvisierter Musik. Dabei blieb er stets ein Solitär: zu bluesig für die akademische Avantgarde, zu radikal für den Mainstream.
In späteren Jahren rückte er den Blues wieder stärker ins Zentrum. Werke wie Memphis Blood oder Bad Blood In The City zeigten eindrucksvoll, dass seine musikalische Vision nie von stilistischen Experimenten allein lebte. Für Ulmer war der Blues keine Form, sondern eine Haltung – offen, beweglich und voller Möglichkeiten. Sein Einfluss reicht weit über den Jazz hinaus. Generationen von Gitarristen haben von seiner Freiheit, seiner klanglichen Kühnheit und seinem unverwechselbaren Ton gelernt. Dennoch blieb James Blood Ulmer immer ein Geheimtipp, ein Musiker für Musiker – und gerade deshalb eine Ausnahmeerscheinung. Mit seinem Tod verliert die Musik einen Künstler, der nie Kompromisse suchte. James Blood Ulmer hat die Sprache der Gitarre erweitert und dem Blues neue Räume eröffnet. Sein Werk bleibt als Erinnerung daran, dass wahre Originalität nicht aus Virtuosität entsteht, sondern aus der Konsequenz, der eigenen Stimme zu folgen.
