Essen dreht auf
Preview JOE-Festival 2026
FOTO: Bildquelle JOE-Festival
Vom 19. bis 21. Februar steht die Zeche Carl in Altenessen wieder im Zeichen improvisierter Musik. Das JOE Festival steht in den Startlöchern – und das Line-up hat es in sich.
Drei Abende, drei Konzerte pro Abend, eine Bühne, volle Aufmerksamkeit. Seit 1995 fährt die Jazz Offensive Essen diese Philosophie. Dass Patrick Hengst und Co-Kurator Simon Camatta das Ganze neben ihren Hauptjobs stemmen, mit stagnierender Förderung und ohne Apparat, lässt die Sache noch imposanter erscheinen. Dieses Jahr gibt es mit Elliott Sharp, Nik Bärtsch, Phil Minton und Ingrid Laubrock auch viel internationale Prominenz, aber auch die hiesige Szene verschafft sich mit neuen Bands und Projekten Gehör.
Das Sheen Trio eröffnet: Shabnam Parvaresh (Bassklarinette, Flöte), Ula Martyn-Ellis (Gitarre) und Philipp Buck (Schlagzeug) liefern elektronisch erweiterte Gegenwartsmusik von hypnotischer Intensität. Debütalbum „GOZAR" (2023, BERTHOLD records) unbedingt vorher antesten. Danach Almost Natural: Bassist Florian Herzog hat mit SWR-Jazzpreisträger Sebastian Gille, dem New-York-erprobten Pianisten Elias Stemeseder und Schlagzeuger Leif Berger ein Quartett zwischen Avantgarde-Jazz, Pop und Elektronik zusammengestellt, das beim Winterjazz zuletzt für Aufsehen sorgte. Den Abschluss macht Ludwig Wandinger – Jahrgang 1995, gearbeitet mit Jim Black, Christian Lillinger, The Notwist – dessen Schlagzeugspiel auf das Streichquartett Puls trifft. Ausgang: ungewiss.
Freitag, 20. Februar
Der Abend beginnt mit einer lebenden Legende: Phil Minton, 85, hat mit Brötzmann, Frith, Zorn und Bailey gearbeitet und die Möglichkeiten der menschlichen Stimme wie kaum ein anderer ausgelotet. Sein Dialogpartner: der Kölner Tubist Carl Ludwig Hübsch. Stimme trifft Tuba – das wird wild. Danach Crutches aus Leipzig: „Fahrstuhlmusik für Klaustrophobiker" nennen Jan Frisch, Olga Reznichenko, Laure Boer und Valentin Schuster ihren Sound. Kammerjazz trifft Punk-Attitüde, frisches Album „Four Lttr Wrds" im Gepäck. Den Freitag beschließen Ingrid Laubrock und Tom Rainey – seit 2007 eines der intensivsten Duos der improvisierten Musik. Ihr jüngstes Album „Brink" (2024, Intakt Records) zeigt die beiden auf dem Höhepunkt ihrer Kunst.
Samstag, 21. Februar
Elliott Sharp, Zentralfigur der New Yorker Downtown-Szene, eröffnet mit „ReGenerate": Elf Musiker spielen zu einer animierten grafischen Partitur auf Leinwand – darunter lokale Größen wie Gunda Gottschalk, Christopher Harth, Salome Amend und die beiden Festivalleiter selbst. Dann Helicopter: Simon Camatta hat mit dem kanadisch-belgischen Saxophonisten Peter van Huffel und Bassist Roland Fidezius ein neues Trio gegründet, das Brooklyn-Energie und Essener Erdung kurzschließt. Und dann der krönende Abschluss: Nik Bärtsch solo. Der Zürcher Meister der „Ritual Groove Music", seit 2006 auf ECM, spielt allein am Flügel, rein akustisch, ohne Verstärkung. Fun Fact: Der Flügel sollte mitten ins Publikum – Feuerwehrvorschriften sagten Nein. Improvisieren können hier eben nicht nur die Musiker.
Alle Infos und Tickets: joefestival.de







