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Der Himmel schreibt die Partitur

The Dorf zelebriert die Sommersonnenwende

Essen, 18.06.2026
TEXT: Stefan Pieper | 

Noch ist es still auf der Essener Schurenbachhalde. Zur Mittsommernacht aber wird sich das ändern. Gut zehn Minuten Fußmarsch sind es vom Parkplatz an der Emscherstraße hinauf, vorbei am grünen Mantel aus Birken und Pappeln, bis sich kurz vor dem Gipfel die Vegetation lichtet und eine schwarze, vegetationslose Mondlandschaft den Blick freigibt. In ihrer Mitte ragt die „Bramme für das Ruhrgebiet" auf, Richard Serras 14,5 Meter hohe, 67 Tonnen schwere Walzstahlplatte, seit 1998 weithin sichtbares Wahrzeichen über dem Revier. Von hier oben reicht der Blick weit: über Emscher und Zollverein, hinüber zu den roten Doppelbögen des Nordsternparks. 

An diesen Ort wird zur Sommersonnenwende eine kleine Besetzung von The Dorf heraufsteigen, dem großen Ruhrgebiets-Kollektiv um den Saxofonisten und künstlerischen Leiter Jan Klare. Was im Saal sonst zwischen Jazz, Krautrock und Drone wuchtet, soll sich hier auf leises Gerät verschlanken: akustische Bläser, kleine Trommeln, Rasseln. Inspiriert ist das Ganze von einem Sun-Ra-Video, das Klare seit Langem mit sich herumträgt: Darin steht das Arkestra bei Sonnenaufgang auf einem Hochhausdach und spielt seine Show in den Himmel. Daraus ist ein wiederkehrendes Ritual geworden, das der eigene Newsletter zur „legendary summer solstice session" geadelt hat. Sechs, sieben Mal hat das Kollektiv den längsten Tag des Jahres schon so begangen, dann kamen zwei Jahre Pause. Jetzt, zur kommenden Sommersonnenwende, wird es zurückkehren.

Klein besetzt, vollständig improvisiert

Gespielt wird an diesem Abend klein besetzt und vollständig improvisiert. Unverstärkt spielend laufen die Musikerinnen und Musiker um die Stele herum und positionieren sich in immer neuen Himmelsrichtungen – so jedenfalls der Plan. „Alles ist sehr, sehr frei – und atmosphärisch wird einfach ein ganz starkes Ding daraus", sagt Klare. Eine ganz andere Interaktion sei das als im Saal, eine, die das Kollektiv geradezu feiere. Es gehe weniger um ein Set als ums Zusammensein. Die eigentliche Partitur schreibt der Abendhimmel. Was hier entsteht, ist eine Echtzeitkomposition ohne Notentext, genährt allein von Licht, Luft und sinkender Temperatur. Gegen 21 Uhr wird die Musik einsetzen, um 21.52 Uhr geht die Sonne unter, und mit ihr wird das Ganze irgendwann ausklingen. „Du merkst richtig, wie die Sonne runtergeht – direkt wird es ein Grad kühler", sagt Klare. „Das ist eine krasse Erfahrung: dass du spürst, wie stark die Sonne eigentlich ist." Nicht die Musik bespielt den Ort; vielmehr schreibt der Ort an der Musik mit. Eine Bühne, vor der man Platz nimmt, gibt es nicht – man ist Teil derselben Szenerie wie die Musikerinnen und Musiker. Wer dabei sein will, sollte früh kommen, denn die guten Plätze sind schnell vergeben. 

Termin: Sonntag, 21. Juni, ab 21 Uhr Schurenbachhalde Essen., Emscherstraße, 45329 Essen-Altenessen · Aufstieg ab dem Parkplatz an der Emscherstraße, ca. 10 Min. zu Fuß · Eintritt frei · 

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