Blaues Wunder
Hanno Buschs Septett eröffnet das New Colours Festival im Musiktheater
Am besten kommt man in der Dämmerung. Dann steht der Kennedyplatz im Halbdunkel, und hinter der Glasfassade des Musiktheaters leuchet es blau: Yves Kleins Schwammreliefs, raue, saugende Flächen in einem Farbton, den es vorher nicht gab und der später der ganzen Stadt ihre Farbe geliehen hat. Es ist ein Blau, das einen nicht wieder loslässt. Am Donnerstag, 24. September, wird es zur Kulisse für Musik, für die es nie gedacht war. Um 20 Uhr eröffnet das New Colours Festival im Großen Haus seine fünfte Ausgabe – auf einer Bühne, die sonst der Oper und dem Sinfonieorchester gehört. Ein höflicher Gastspielbesuch wird das nicht.
Hanno Busch , Jahrgang 1975, gebürtiger Wuppertaler, hat sich nie auf ein Genre festnageln lassen und dafür in diesem Jahr den WDR-Jazzpreis bekommen. Sein Quartett besetzt er mit Matthew Halpin, einem jungen, herausragenden Talent am Saxofon, Simon Jermyn am E-Bass und Jonas Burgwinkel an Schlagzeug und Perkussion – drei Musiker, die in der europäischen Szene niemandem erklärt werden müssen. Dazu kommen an diesem Abend die "Friends": Anna Luca am Mikrofon, Roman Babik an Piano und Keyboards, dazu der Saxofonist Peter Weniger. Sieben Leute, ein Programm, kein Tourplan dahinter. Diese Konstellation zieht exklusiv nach Gelsenkirchen und nicht weiter.
Der Raum spielt mit
Der Raum spielt mit. Als das Haus 1959 eröffnete, staunte die Fachwelt über einen Bau, in dem Architektur und Kunst von Anfang an dasselbe wollten – neben Klein war Jean Tinguely dabei, dessen bewegliche Installation die Foyerwände des Kleinen Hauses in Unruhe versetzt. Kritiker haben das Musiktheater mehrfach zum besten Opernhaus Nordrhein-Westfalens gewählt. Für einen Jazzabend ist das keine neutrale Halle, sondern ein Mitspieler mit eigener Akustik und eigener Geschichte.
Diese Idee zieht sich durch das ganze Festival. "Farbe bekennen" heißt das Motto 2026 – gemeint sind Künstlerinnen und Künstler, die den bequemen Weg verlassen haben, und Spielorte, die dasselbe tun. Vier Tage, zehn Orte, dreizehn Acts, Musikerinnen und Musiker aus acht Nationen. Neben dem Musiktheater bespielt PUBLICJAZZ die KAUE, den Nordsternturm, die Bleckkirche, den stadt.bau.raum, den Kunstraum Norten, die Heilig-Kreuz-Kirche und erstmals die Neue Zeche Westerholt. Orte, an denen der Strukturwandel keine Vokabel aus dem Politikerbaukasten ist, sondern Mauerwerk.
Karten für den Eröffnungsabend sind aktuell noch verfügbar, ebenso Tages- und Festivaltickets.
New Colours Festival 2026 – Eröffnungskonzert Hanno Busch Quartett & Friends Donnerstag, 24. September 2026, 20 Uhr Musiktheater im Revier, Kennedyplatz, Gelsenkirchen Tickets: colours-festival.de und Theaterkasse MiR Festival: 24. bis 27. September 2026

