Nachwuchsförderung

Nachwuchsbühne „Latente Talente" im Bochumer Kulturrat |

CLOUD TRIPS und VON FRANK

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Reiner Skubowius

Bochum, 06.12.2022 |

Latente Talente" ist eine Initiative des Bochumer Kulturrats, der im Rahmen der Nachwuchsförderung jungen Musikern Auftrittsmöglichkeiten bietet. Heute steht ein Doppelkonzert mit den Bands 'Von Frank' und 'Cloud Trips' auf dem Programm. Einiges sieht hier heute anders aus. Das Publikum ist wesentlich jünger und die ersten beiden Stuhlreihen wurden abgebaut. Aus gutem Grund, wie wir später sehen werden.

  • 'Von Frank'

Los geht’s mit Honesty, die Band ist sofort voll drin, dann Til you're gone. Sehr funkig kommt die Band rüber, sympathische Jungs, die nicht allzu nervös sind und es wohl genießen hier auf der Bühne zu stehen. Danach wird’s etwas ruhiger, Bei Shalala will keiner so richtig mitsingen, aber bei Internet sind alle wieder dabei. Die Band hat alle Stücke selber komponiert, sehr vielfältig, Alternative-Pop, Funk, Reggae, Heavy, da bringt jedes Stück etwas Neues.
Wer 'Frank' ist, ist an diesem Abend nicht zu erfahren, jedenfalls heißt keins der Bandmitglieder so. Einer heißt Max, Max Manderbach und er agiert sehr professionell auf der Bühne. Max spricht frei, setzt massiv Gestik ein bis hin zum Tanz, 'keyboardert' flächig, doch vor allem singt er. Die Trompete setzt er mehr als Rhythmusinstrument ein mit kurzen Tönen, man könnte damit auch Klangfarben einbringen. Lukas Asp und Nikita Polin an den E Gitarren ergänzen sich gut spielen recht ideenreich und lässig Rhythmus und Solo. An den Soli der Band kann die Band insgesamt noch arbeiten, aber das ist sicher auch eine Option für die Zukunft, für die die Band gute Voraussetzungen mitbringt. Basil Kühn van Geldern (drums) und Leif Loerchner (Bass) bilden das Rückgrat der Band, Basil u.a. präzise an der Bassdrum mit stabilen harten Vierteln, Leif am Bass besonders rege bei den funkigen Stücken.
Am Ende wirds dann leicht psychedelisch mit Bühnennebel, verzerrten Gitarren und gesprochenen Texten. Ein Crescendo führt zum Abschluss des ersten Sets. Gut gemacht!

  • „Latente Talente"

In der Pause spreche ich mit Reiner Skubowius (Programm-Geschäftsführer) und mit Sigi Domke (Pressesprecher/Vorstand) des Kulturrats. Beide haben in ihrer Jugend selbst Gitarre und Bassgitarre gespielt und wissen, wie wichtig es ist, jungen Bands Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen. Früher sei das in Jugendtreffs noch einfacher gewesen, sagen sie, heute viel schwieriger. „Latente Talente“ soll jungen Musikern Gelegenheiten bieten sich auszuprobieren und Bühnenerfahrung zu sammeln, um sich weiterentwickeln zu können. Festgagen, auch für die Nachwuchsmusiker, gehören zum Konzept des Kulturrats. Die Nachwuchsförderung ist nicht stilistisch gebunden, beim ersten Konzert der Reihe standen Musiker der Klassikabteilung der Bochumer Musikschule auf der Bühne, denkbar sind aber auch Liedermacher oder Literaten. Für 2023 sind drei weitere Termine geplant.

  • 'Cloud Trips'

Bläulich angestrahlt ist die Bühne, aber noch niemand ist zu sehen, denn das Betreten der Bühne gehört wohl zum Auf'tritt'. Und dann geht alles ganz schnell. Der Drummer Lucien Kemper entfesselt mit seinen 'Trommeln' einen Wirbel, in den er mit seinen wehenden Haaren selbst hineingezogen zu werden scheint. Ein tolles Bild! Satte präzise Schläge entfalten eine enorme Dynamik, die in Kontrast zum lyrisch von Joe Hofmeister gesungenen Text steht.
Dieser Auftritt ist eine fulminante Show, die nur von wenigen kurzen Pausen unterbrochen wird. Sie beginnt mit Fragments. Joe gelingt es schon bald, das junge Publikum nach vorn auf die Fläche der freigeräumten Reihen zu locken und so stehen sich Band und Publikum gegenüber, face to face. Joe spielt dabei auch Gitarre, Keyboard und auf einer Trommel. School Dance, noch ganz neu, ist das nächste Stück und jetzt wird es ziemlich laut. Joe singt ausdrucksstark mit viel Gestikeinsatz. Er ist viel unterwegs auf der Bühne, er steht, läuft und sitzt. Vielleicht sollte er beim Singen nicht unbedingt klagend auf der Bühne liegen, das wirkt etwas aufgesetzt theatralisch. Vieles erinnert an die britische Band Bring Me The Horizon. Der Sänger Oliver Sykes scheint wohl großen Eindruck auf Joe gemacht zu haben. Aber das ist völlig ok, Joe wird immer weiter seinen individuellen Stil entwickeln. Eingespielte Samples sind vorher aufgenommen worden und sind Teil der Komposition.
Mit Engineers endet das Set, aber klar, da geht noch mehr. Als Zugabe hören wir noch einmal Second Guess, das mich etwas an Green Day erinnert. Normalerweise würde jetzt Timur Bambil als Gast singen, doch er fällt krankheitsbedingt aus. Joe Hofmeister singt es heute, etwas ekstatisch, allein. Alle Stücke stammen von der Band, die Elemente aus verschiedensten Genres mit poetischen Lyrics mischt. Im nächsten Jahr wird sie ein neues Programm auflegen.

Cloud Trips: Second Guess mit Timur Bambil

Das waren zwei sehr interessante Konzerte! Neue Musik und neue Gesichter im Kulturrat, 'Latente Talente' ist eine gute Sache! Von dem, was 'latent' im Verborgenen schlummerte, ist hier schon allerhand zum Vorschein gekommen, das den jungen Musikern eine vielversprechende Zukunft eröffnen könnte.