Festivals in NRW

Multiphonics Festival |

Arifa – Danubian Voyage

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 20.09.2022 | Was könnte eine bessere Metapher für die kulturelle Verbindung von West und Ost sein, als eine Donaureise – Danubian Voyage. Die Donau entspringt im Süden Deutschlands und mündet nach dreitausend Kilometern in das Schwarze Meer. Für Jahrtausende war der Fluss eine Handelsroute für die angrenzenden Völker, die alten Griechen, Ungarn, Türken, Daker (Volk im Gebiet des heutigen Rumäniens), Deutsche, Slowaken, Serben und Bulgaren.

Die in Amsterdam ansässige Gruppe Arifa wählte den Begriff der Donaureise – Danubian Voyage für ihr neues Programm und auch als Titel ihres neuen Albums. Internationaler als Arifa kann eine Band kaum besetzt sein. Zhivko Vasilev stammt aus Bulgarien und spielt Kaval, eine randgeblasene Längstflöte (Endkantenflöte), wie sie in Bulgarien, Rumänien, Nordmazedonien, Albanien, Montenegro und Serbien gespielt wird. Er war der erste Kaval Spieler, der Jazz in Rotterdam studierte. Bence Huszar ist aus Ungarn und spielt Cello. Nach seiner klassischen Ausbildung studierte er bei Ernst Reijseger experimentelle Techniken. Der Deutsche Franz von Chossy spielt Klavier und der Leiter der Band, Sjahin During, an den Percussions, hat einen holländischen Vater und eine türkische Mutter.Er ist ein Weltklasse Percussionist und hat bei den Meistern aus Kuba, der Türkei, Spanien, Indien und Afrika gelernt und benutzt Trommeln von nahezu allen Kontinenten. 2010 hat er Arifa gegründet. Bei Arifa verbinden sich traditionelle Musik des Balkan und des Nahen Ostens mit Jazz und improvisierter zeitgenössischer Musik zu einem rhythmischen Feuerwerk.

Das Konzert ist eine Kollaboration des Multiphonics Festival mit der Konzertreihe Beyond the Roots, die seit zwei Jahren im Kölner Urania Theater ind Ehrenfeld stattfindet.

Die Band Arifa spielt vor allem Stücke aus dem gerade erschienen neuen Albums. Die vier herausragenden Instrumentalisten erzeugen immer wieder eindrucksvolle Momente mit ihrer Musik. Etwa wenn Franz von Chossy, neben seinem anrührenden lyrisch-impressionistischen Klaviersoli, in perkussives Tastenspiel übergeht, unisono mit den Trommeln und oft auch mit Flöte und Cello. Bence Huszar wechselt auf dem Cello immer wieder von der Melodiestimme zum Rhythmus. Auch Zhivko Vasilev, der beörende Volksliedmelodien spielt, benutzt seine Kavals immer wieder um den Rhythmus zu stützen. Viele Stücke haben einen schnellen mitreißenden Rhythmus, der an wilde Tänze erinnert. Auch Cello und Klavier spielen immer wieder unisono perkussiv. Die schnellen Stücke erfordern einen hohen Grad an Beherrschung der Instrumente. Schnelle Takt- und Tempowechsel lassen selbst das Publikum fast außer Atem kommen.

Sjahin During setzt neben unterschiedlichen Trommeln auch die kleine und große Rahmentrommel ein. Ein ungemein lebendiges Konzert, mit immer neuen musikalischen Höhepunkten. Wer sich eine Donaureise gemächlich auf einem Schiff vorgestellt hatte, der/die sah sich getäuscht, es war ein fliegender Teppich im Sauseschritt. Großartige Musik aus verschiedenen Traditionen gewebt, so das ein fester bunter Stoff entstanden ist. Kein Patchwork, kein Eklektizismus, sondern Arifa-Danubian Music. Das Publikum verließ nach viel Applaus und einer Zugabe, ganz beseelt und high spirit den Konzertsaal.

Das Konzert war ein Vorbote, des am 20.9. – 25.9. in Köln stattfindenden Multiphonics Jazz and World Music Festivals. Dieses Arifa Konzert war die bestmögliche Motivation sich Karten für das Festival zu besorgen. Neben den Konzerten in Köln finden auch Multiphonics Konzerte im Wuppertaler Skulturenpark, der Düsseldorfer Jazzschmiede und der Immanuels Kirche in Wuppertal statt.

Aktuelle Album von Arifa: Danubian Voyage, O-Tonemusic.com OT 055-2 LC 30913

www.arifamusic.com

www.multiphonics-festival.com