Konzert, International

Pure Freude mit Wahnsinnstalent |

Jacob Collier auf Djesse-Tour

Text & Fotos: Vera Marzinski

Köln, 25.07.2022 | er innovative Stimmakrobat und Multi-Instrumentalist machte Station im Kölner Palladium, wo das Publikum eintauchen konnte in Colliers eigenwillige Welt der klanglichen Überraschungen und unaufhaltsamen Kreativität.

Die Live-Show von Jacob Collier zu erleben bedeutet, in eine magische Klangkonstruktion einzutauchen. Mit seiner Djesse-World-Tour besuchte Jacob Collier auch das Palladium in Köln und verzauberte das Publikum. Erstmal ließ er die Gäste im Palladium fast eine halbe Stunde warten - doch als er wie ein Derwisch über die Bühne fegte und sie zum Töne mitsingen animierte, war das umgehend vergessen. So eine Energie und so ein Charisma - irre. Collier flog in einer hyperaktiveren Geschwindigkeit zwischen den Instrumenten hin und her und hatte dabei immer das Publikum im Visier mit dem er beständig interagierte. „I‘m going back“ sang das Publikum mit und auf dem Keyboard ging es in die höchsten Töne bei dem groovigen Stück. Er verwickelte sie sofort in eine seiner charakteristischen Call-and-Response-Übungen und forderte die Zuschauer auf, seine Jazz-Riffs zu wiederholen. Für Collier ist Live-Musik ganz offensichtlich ein Gemeinschaftserlebnis.

Er ist ein Weltklasse-Instrumentalist, der über die Bühne flitzt, um Percussion, Klavier, Gitarre und mehr zu spielen und auch noch grandios seine Stimme einsetzt. Alles ist bei ihm mit purer Freude und seinem Wahnsinns-Talent verwoben. “The sun is in your eyes” - mit Gänsehaut Momenten, als das Publikum leise Töne dazu singt und der Scheinwerfer wie ein Sonnenstrahl auf Jacob leuchtet.

Und dann die grandiose Version von “Like bridge over troubbeld water”. Bei einem weiteren Akustik-Gitarrenstück von Collier schallt es nach balladesken Klängen aus dem Publikum “let’s go Jacob “ - und als ob er darauf nur gewartet habe, zieht er das Tempo an. Auch das „In too deep“ beginnt mit zartem Gitarrenspiel und als Jacob Collier ans Keyboard wechselt, lässt Alita Moses ihre Stimme erklingen. Auch sie ist eine Sensation der internationalen Jazz Szene. So sang sie beim Montreux Jazz Festival 2015 mit Al Jareau gemeinsam das "Summertime". Collier hat aber noch weitere brilannte Musikerinnnen auf seiner Djesse-World-Tour 2022 dabei. Die amerikanische Singer-Songwriterin und Gitarristin Emily Elbert aus Los Angeles, Kalifornien und am Keyboard die Musikerin Bryn Bliska. Auf der Tour sind zudem Cory Henry und Bassist Robin Mullarkey dabei. Köln war die 45. Station auf der Djesse-Reise, die im März 2022 begann.

Jacob Collier arrangiert seine Songs nicht nur mit einer grandiosen Band, sondern zudem bearbeitet er sie mit vielen Effekten und einer Loop-Station oder sie werden durch eine „Vocal-Harmonizer-Machine“ mehrstimmig aufbereitet. Bei ihm sind die Übergänge zwischen Jazz, Funk, Soul und R ’n’ B sind dabei fließend. So ist seine vielfältige Diskographie auch nicht in ein einzelnes Genre einzuordnen. Bei seiner Vier-Alben-Reihe „Djesse“ verschmilzen im ersten Teil Jazz und Klassik, im zweiten geht er zu Akustik und Folk über und im dritten fließen R&B- und Electronic-Dance-Music-Einflüsse ein. Spannend, was nun im vierten Album dazu kommen wird. Einiges ließ er schon bei seiner aktuellen Tour einfließen. Die sollte ja schon viel eher starten und er entschuldigt sich beim Publikum, dass er erst jetzt da sei. Und er habe einen Deal mit sich selbst für die Tour - jedes Mal einen anderen Song auf dem Piano zu performen. Für Köln ein Stück von Stevie Wonder vom ersten Album das Collier kaufte. Für „Djesse 4“ habe er schon einiges in NY eingespielt und auf der Tour nähme er einzelne kleine Stücke auf – „also ihr seid auch mit auf dem Album“, verriet er.

Als Teenager hatte Jacob Collier seinen Durchbruch auf Youtube. Hier veröffentlichte er komplizierte, harmonisch fortgeschrittene a-cappella-Cover von Jazzstandards und seitdem ist Collier für seinen musikalischen Maximalismus bekannt und einer, der sich an jedem Genre und jedem Instrument austobt. 2013 veröffentlichte er die Single "Don't You Worry 'Bout A Thing" und 2014 wurde er von Quincy Jones entdeckt und von dessen Produktionsgesellschaft unter Vertrag genommen. Mittlerweile hat der am 2. August 1994 in London geborene Musiker fünf Grammys.

Mit rastloser Bühnenpräsenz und unvergleichlich brillant auf jedem Instrument, das er in die Finger bekommen kann, erlebte das Publikum Jacob Colliers Auftritt in Köln. Da gab es “Black bird singing all night” als Zugabe und dann zeigte er, dass er absolut keine Berührungsangst hat. Er stimmte ein “da de he, da de he, da de he ha” an – was das Publikum sofort gesanglich übernahm - und mit seinen absolut begeisterten Fans zog Jacob Collier in einer Polonaise quer durch den Zuschauerraum (und das gab es anschließend als Reel auf Instagram zu sehen). Ein Jacob-Collier-Konzert ist einfach ein besonderes Erlebnis mit diesem authentischen, sehr speziellen und außergewöhnlichen Musiker.