CD Rezension

Laura: Quiet Land |

Gute Musik - Werbetexte im Off

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Matthias Scheu

München, 13.07.2021 |

Also, dass man dauernd mit dem Zitat von Quincy Jones bombardiert wird, im offiziellen Pressetext, bei YouTube und auf der Homepage, über die rosigen Zukunftsaussichten von Laura, das nervt. Aber ‚success picks for itself‘ sagt man, wozu dann diese ganze Selbst-Lobhudelei, wenn man‘s gar nicht nötig hat? Denn Laura ist wirklich eine Entdeckung mit ihrer Stimme, ihrer Vielseitigkeit und mit ihrem Talent, dafür die richtigen Musiker zu finden, die sie begleiten und ihr die Stücke schreiben.

Laura Hipp heißt sie (Jutta war früher..). Ihr Debut-Album Quiet Land ist Anfang Juli erschienen. Der Titelsong bildet wohl eine Art Rückbesinnung auf ihre eigene Herkunft. Das ‚ruhige Land‘ ist Schwaben, eine Gegend, die mit Vorurteilen belastet ist. „My heart will always be with the quiet land I am from” singt Laura und zeigt, dass Schwaben auch weltoffen sein kann.
Aber es geht nicht um ‚back to the roots‘, das ruhige Schwaben ist nur der Ausgangspunkt für eine Reise, die uns in unterschiedliche sprachliche und musikalische Regionen führt.

Sie singt englisch, französisch, niederländisch. Wenn sie französisch singt, klingt es wie ein Chanson, (Jardin du Luxembourg, Même si tu dors), man könnte an Camille Bertault denken. Neben ihrer schönen ausdrucksstarken Stimme fällt besonders ihre Vielfältigkeit auf. Auch die Vokalisen (z.B. bei STILL) erinnern an Bertault.

  • Pressetexte im Off

Apropos Pressetexte*, man kann es damit auch vermasseln, z. B. wenn darin von einer „Berufung“ ins BundesJazzorchester die Rede ist. Auch die theatralische Pose auf dem Cover scheint mir übertrieben. Das anfangs erwähnte Zitat von Quincy Jones („This young woman doesn‘t need to worry about her career, she is amazing and I am sure we will be hearing more from her in the future.“) ist sicher ein Kompliment, aber wenn man die eigene Euphorie darüber als Schild vor sich her trägt, wird das zum Eigenlob, das bekanntlich – stinkt.

In manchen Pressetexten hat man den Eindruck, da gibt’s irgendwo eine Liste mit Wörtern und man sucht sich irgendwas raus, was irgendwie passen könnte. Es passt aber oft gar nicht. S´goed, niet goed als „geheimnisvoll-dramatische Hymne“ zu bezeichnen ist schon gewagt. Speed of Schall als „psychedelischer Gitarrenfunk“ ??? Wie wärs mal mit Zuhören? Bei diesem eher belanglosen Song hab ich nichts Psychedelisches gehört. Informativer ist da schon das Adjektiv ‚melismatisch‘ in Bezug auf All we ever tried, auch wenn man’s nachschlagen muss. Es geht darum, dass auf einer Silbe mehrere Töne gesungen werden.

Und die Überraschung: My one and only love ist ein wunderschönes langes Bass Solo von Jens Loh, das auf einer Komposition von Guy Wood und Robert Mellin beruht. Wenn ein Rezensent das nicht erwähnt, hat er die CD nicht richtig gehört. Mr. P´s Blues ist ein schönes jazziges Stück, Laura scattet parallel zum Bass, sehr gelungen, aber „amtlicher Bebop“??

  • LAURA über Quiet Land

Ganz anders, aber auch viel eindringlicher klingt da Laura selbst in ihrem Booklet-Text:

“This album is about everything that makes life worth living, may it be a train ride at 5 am, when the sun is slowly rising, or a walk in the park that creates a very special feeling. It is about the little things that can awaken the most overwhelming emotions and about the moment when we realise that nothing ever stands still. Constant motion and change drives us in music and in life.”

Ja, dazu passt Quiet Land und auch das trostspendende I’ll be around. Aber gut, dass es auch lebendiger zugeht, z. B. mit dem rhythmischen Little Stevie, das von Jens Loh mit einem durchgehenden Bassriff begleitet wird, dazu ein reges Sax. Von diesem Song gibt’s gleich zwei Fassungen, für die kürzere ‚radio-edition‘ war wohl noch Platz auf der CD.
Mit dem sechsten Stück On my Way Home gehts schon wieder nach Hause, aber sehr beschwingt mit einem Sax-Solo von Markus Harm, so ähnlich würde das auch Silje Neergard singen.

Laura (25) und Jens Loh (50) sind ein gutes Team. Sie haben sich 2017 bei einen Club-Auftritt zufällig kennengelernt. Jens, der fast alle Stücke komponiert hat, bildet das Rückgrat der Band, er ist durchgängig präsent und mit einem Solostück (s.o.) vertreten.
Auch Pianist Cornelius Claudio Kreusch ist ein Glücksgriff, er hat die CD produziert und bringt sich mit seinem harmonischen Spiel ein, auch mit Soli wie in Quiet Land und S´goed, niet goed. Die Sidemen Eckard Stromer (drums), Joo Kraus (Trompete) und Christoph Neuhaus (Gitarre) bilden eine zuverlässige Begleitung, Joo sogar mit einem schönen Trompeten-Solo in Jardin du Luxembourg.

Laura hat alle Texte selbst geschrieben, einen der französischen Songs auch komponiert. Ihre Musik ist nicht immer jazzig, manchmal näher am Pop. Mit ihrer guten Stimme und ihrer erstaunlichen Vielfalt, braucht es keinen Quincy Jones um vorherzusagen, dass sie erfolgreich sein wird. Ein bisschen mehr Bescheidenheit wäre da eher angesagt.

*s. Pressetext auf Lauras homepage (ganz unten unter 'about')

LAURA Quiet Land

Label: GLM 2021
Bestellnummer: 10467401
Erscheinungstermin: 2.7.2021