Bundesjazzorchester |

A Tribute To The Clarke-Boland Big Band: Live

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Nico Pudimat

Bonn, 07.07.2021 | ‚Let the circle be unbroken‘ – das klingt ja nicht gerade nach Jazz. Der Titel kam mir aber in den Sinn, als ich mir die letzte CD des Bundesjazzorchesters anhörte, denn auch hier schließt sich ein Kreis, nicht ganz zufällig in Köln. Kurt Edelhagens Orchester war ja so eine Art Vorläufer der WDR Big Band. Als Rundfunkorchester gabs für Edelhagen kaum öffentliche Konzerte, darum spielten eine Reihe seiner Musiker auch in der Clarke-Boland Big Band mit wie z. B. Benny Bailey, Derek Humble, Dusko Goykovich und nicht zuletzt Jiggs Whigham. Zudem hatte Boland einige Stücke für Edelhagen arrangiert. Jiggs Whigham wiederum leitete bis vor zwei Jahren das BuJazzo und die WDR Big Band ist wiederum Partnerband des BuJazzO. q.e.d.

Das Bundesjazzorchester (BuJazzO) ist das offizielle deutsche Jugend-Jazzorchester. Es wurde 1988 von Peter Herbolzheimer gegründet. Die Mitglieder sind zwischen 17 und 24 Jahre alt und werden maximal zwei Jahre in die Förderung aufgenommen. Viele junge MusikerInnen haben dort ihre Kariere begonnen wie z. B. Till Brönner, Julia Hülsmann, Nils Wogram und Michael Wollny. Wegen der Zeitbegrenzung ist die personelle Zusammensetzung stetig im Wandel.

Kenny Clarke Francy Boland Big Band: Griff's Groove 1969

Die neue CD enthält Live-Aufnahmen von einer Tournee von 2019, die erst jetzt veröffentlicht werden. Das Orchester, damals unter der Leitung von Jiggs Whigham und Niels Klein, hatte sich mit dem Erbe der Clarke-Boland Big Band befasst. Denn 1961 hatten auf Initiative von Pierluigi „Gigi“ Campi hin der amerikanische Schlagzeuger Kenny Clarke und der belgische Pianist, Komponist und Arrangeur Francy Boland diese legendäre Band in Köln gegründet. In Campis Nachlass fanden sich mehrere Kisten voller Originalnoten der Clarke-Boland Big Band. Jiggs Whigham wertete diese Unterlagen nun aus und machte daraus ein Programm für die BuJazzO.

Die Stücke der neuen CD waren damals fast alle von Francy Boland komponiert und/oder arrangiert worden. 1969, in nur einem Jahr, hatte die Band zehn Alben herausgebracht. Einige Stücke des aktuellen BuJazzO-Albums waren im Original auf dem Album More Smiles erschienen, andere auf Volcano, andere wieder auf Sax No End, alle 1969.

Bundesjazzorchester: Griff's Groove 2019 , Niko Zeidler am Tenorsaxofon

Wie das Beispiel Griff's Groove zeigt kann und will das BuJazzO natürlich nicht wie das große Vorbild klingen. Das Temperament des vorantreibenden Swings ist aber sehr ähnlich. Es klingt vielleicht wegen der besseren Aufnahmetechnik sogar noch intensiver, wenn auch die Soli nicht ganz so ausgiebig sind.

Jiggs Whigham moderiert mit seinen Ansagen zwischen den Stücken. Das ist auch wegen seines amerikanisch-rheinischen Akzentes amüsant, beim dritten Hören allerdings verzichtbar.
The JAMFs are coming
von Johnny Griffin war 1969 auf der LP ALL BLUES erschienen mit Soli von Sahib Shihab auf dem Sopran und Griffin am Tenor-Saxofon. Das BuJazzO spielt es etwas anders, aber auch überzeugend mit Soli von Alexander Rueß (Gitarre), Anna Tsombanis (Tenorsax) und Samuel Restle (Posaune).
Interessant ist auch African Seeds, ein weithin unbekanntes Stück von Boland, laut Whigham „wunderbar, aber schrecklich“ (??). Nach einer sehr rhythmischen Einführung mutiert das ‚Stück in der Mitte zu einer ruhigen, fast elegischen von Bläsern getragenen Form, die dann allmählich ausklingt.
Darüber hinaus wurden The song is you und Smoke gets in your eyes, Kompositionen von Jerome Kern, von Darmon Meader neu arrangiert und ins Repertoire aufgenommen. Hier singt das 10köpfige Vokalensemble der Band. Das ist schon etwas Besonderes in einer Big Band und bildet einen guten Kontrast zu den reinen Instrumentalstücken.

Insgesamt eine sehr ansprechende CD mit viel Schwung und einer Band, deren Mitglieder viel Gutes erwarten lassen. Der Berliner Saxofonist Niko Zeidler z. B. hat das schon mit der Band Wanubalé bestätigt.

BuJazzO (Bundesjazzorchester)
A Tribute To The Clarke-Boland Big Band: Live
Label: Double Moon, 2019
Erscheinungstermin: 28.05.2021