CD Rezension

Cymin Samawatie Ketah Bhatti |

Trickster Orchestra

Text: Peter E. Rytz

Mülheim a.d.R., 11.11.2021 | Trikster, triggered playing

Aus dem Kern der Berliner Gruppe Cyminology transponiert Cymin Samawatie zusammen mit Ketah Bhatti eine orginär poetische Musiksprache in das größere Format Trickster Orchestra. Eine Mischung trans-traditioneller, zeitgenössischer Musik mit Gesängen wie Farsi, die auf arabische, hebräische und türkische Sprach- und Gesangswurzeln zurückgehen.

Im Trickster Orchestra, einem 2013 im Rahmen des Education-Programms der Berliner Philharmoniker gegründeten multikulturellen 23-köpfigen Kollektiv, verbinden sich klassische Streichinstrumente sowie Klavier und Schlagwerke mit der Kanun, einer türkischen Zither, mit der Sheng, einer chinesischen Mundorgel, mit der Nay, einer persische Rohrflöte u.a. traditionellen Instrumenten aus dem arabischen Raum zu klangfarbig magischen, elektronisch aufgemischten Klang-Collagen.

Samawaties und Bhattis Kompositionen vertrauen auf die einzelnen solistischen Gestaltungskräfte wie auf ein kompromissloses Ensemblespiel. Als einen mimetischen (Annäherungs)Prozess beschreibt Bhatti ihr musikalisches Selbstverständnis. Trickster, keine nachahmenden Tricks. Mehr ein durch Emotionen und kulturelle Erfahrungen Triggered Playing.

Orte intensivster Begegnung bei Auflösung des Selbst

Die einzelnen Songs lassen sich nicht durch musikologische Kategorisierungen und Unterscheidungen wie falsch oder richtig zuordnen. Sie sind Sufi-Traditionen des Dichters Jalaluddin Rumi aus dem 13.Jahrhundert im Sinne eines Ortes intensivster Begegnung bei gleichzeitiger Auflösung des Selbst in etwas völlig Neues verpflichtet: Modara. Die Verszeile - Beyound religion and infidelity, there is a desert plain. For us, there is a passion in the midest of that expanse – ist ein ethisches Bekenntnis, das auf dieser CD zu Musik und Sprache gebracht wird.

Schweben von Samawaties gesungene Psalmen, wie Shir hamaalot (Psalm 130) oder Gebete (Penhaan masho verbunden mit Psalm 23) zusammen mit Sveta Kundish wie in einen melancholisch lyrischen, narrativen Nachhallraum, durchblitzen BhattisTounisbuurg-Kompositionen exotisch geträumte Ätherwelten über uns und in uns. Sollstellen werden zu Bruchstellen, aus denen sich völlig Neues improvisatorisch konstruiert.

Mit dem abschließenden Por Se Ssedaa - Hörst Du die Worte des Herzens – nach Hafizs Gedicht Divan erweitert Samawatie den Cyminology-Sound in einen orchestral konfigurierten Trickster-Klangkosmos voller Wunder und Zauber.