Stefan Karl Schmid |

Muse

Text: Stefan Pieper

Köln, 29.01.2021 | Seit 2018 präsentiert das Label Tangible Musik hochkarätigen Jazz für die Gegenwart, vorzugsweise von MusikerInnen aus NRWs Szene. Am 25. Februar erscheint ein neues Release, das schon jetzt auf der Website des Labels geordert werden kann: Der Saxofonist Stefan Karl Schmid präsentiert hier ein Sextett mit Gewicht, dem es an Spiellust und Kollektivgeist nicht mangelt. Auch das kompositorische Niveau der neuen Stücke lässt staunen.

Pablo Held am Klavier, die omnipräsente Shannon Barnett auf der Trombone, Trompeter Bastian Stein sowie David Helm am Bass und Thomas Sauerborn am Schlagzeug - das sind alles Namen, die für sich sprechen und auch hier jeder hohe Erwartung standhalten. Vor allem, wenn die fünf in einem solch gleichberechtigten Miteinander zusammenkommen.

Federleicht und in beweglicher Impulsdichte nimmt die Rhymusgruppe Fahrt auf, liefert den Transmissionsriemen für die instrumentale Erzählkunst von Stefan Karl Schmid auf seinem Tenorsaxofon. Das legt offen, in welcher Diktion sich Schmid auf seinem Tenorsax besonders zuhause fühlt, es war hier auch schon von der vielbeschworenen Klarheit des Cooljazz die Rede. Er studierte unter anderem bei Steffen Schorn, ebenso vertiefte er seine Instrumentalkenntnisse mit einem Fulbright-Stipendium an der Manhattan School of Music in New York, auch das Bujazzo war eine seiner Stationen, aber das ist alles schon lange her, wo die eigene Stimme längst gefunden ist und sich so etwas auf die spielfreudige Combo auf dieser CD überträgt.

Ein Sopranrezitativ legt offen, in welchen Tönen sich Stefan Karl Schmid besonders zuhause fühlt. In der Ruhe liegt weiterhin viel Kraft, wenn Bastian Stein auf der Trompete und Shannon Barnett auf der Posaune so etwas in ihrer eigenen Diktion kommentieren. Dem ganzen liegen melodische Einfälle zu Grunde – und was für welche! Mehr als einmal ist man versucht, nach dem Booklet zu greifen, nachzuschauen, von welchem großen Genius aus legendären Zeiten dieses inspirierte Tune wohl kommt. Fehlanzeige: Nahezu alles ist von Stefan Karl Schmid kreiert, der mit seiner Band so stilsicher und überlegen den ewigen Fortschrittsgeist des Jazz im Heute definiert.

Ohne große Geste, aber dadurch umso prägnanter mischt sich Pablo Held in dieses Spiel ein, etwa wenn er mit gewitzter Harmonik die Reflexionen des Bassisten umspielt. Auch, wenn er die Hauptrolle erobert, braucht es dafür keinen Ton zuviel, so kennen und schätzen wir ihn. Großartig auch immer wieder die Art und Weise, wie sich Saxofon, Trompete und Posaune zu einer Linie vereinen, um aber dann wieder mit viel Freiheitsdrang auszubrechen. Manche Stücken reiten auf rhythmisch-stringenter Ostinato-Welle, andere verästeln sich in feinen Fantasiegebilden. Schmid, dessen einer Elternteil aus Island stammt, widmet dieser nordischen Heimat ein Volkslied – das ist einmal mehr eine Keimzelle für kollektive Improvisation.

Jazz muss nicht immer an seine äußersten Randbereiche gehen, um sich als interessant und neu zu definieren, ebenso braucht es nicht zwingend die Vermischung mit andersartigem. Vorausgesetzt, es ist einfach im Kern genug selbstbewusste Substanz da. Für so etwas setzen Stefan Karl Schmid, Shannon Barnett, David Helm, Thomas Sauerborn, Bastian Stein und Pablo Held hier Maßstäbe.

Das Album kann bereits jetzt auf der Label-Website geordert werden unter

https://www.tangible-music.net/

https://stefankarlschmid.bandcamp.com/