CD-Besprechung

Shed 1 |

Eindrücklich eindringliche Klangreise von drei Improvisationsmusikern

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Köln, 08.04.2021 | Eine kleine Erinnerung an Vor-Corona-Zeiten, in denen man in der Reihe Soundtrip NRW den Protagonisten der Szene der improvisierten Musik in unterschiedlichsten Konstellationen erleben konnte: Die jüngst erschienene CD SHED 1 lässt das Konzert aus dem Loft vom 7. Oktober 2018 mit Steve Beresford (p, objects), Luc Houtkamp (ts, cl) und Martin Blume (dr, perc) nacherleben. Das Konzert fand im Rahmen der sog. Tonstudio-Konzerte des Kölner Clubs statt und gehört zu der mittlerweile beachtlichen Anzahl von über 1.000 Veröffentlichungen in dieser Reihe, von der Qualität und der respräsentativen Bedeutung für die improvisierte Musik und ihre Protagonisten ganz zu schweigen.

Und nun das Album SHED 1 mit den drei Playern der internationalen Szene der improvisierten Musik, die hier vor allem durch Soundtrips NRW bekannt sein dürften, wo sie immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen zu hören sind (s. z.B. die nrwjazz-Besprechung des Konzerts vom 3.9.2017). Dauer und Ablauf des Konzerts entsprechen denn dem auch Soundtrip-typischen Format: Zwei längere Sequenzen Pantry und Hayloft mit über 27 bzw. 20 Minuten geben dem Trio Gelegenheit, ein dichtes Klanggewebe zu entwickeln, während das fast 8-minütige Vault als eine Zugabe mit einer noch einmal konzentrierten Improvisation anzusehen ist. Der Album-Titel bezieht sich übrigens auf das Cover-Foto von Luc Houtkamp, einem Schuppen.

Pantry beginnt zunächst mit einem vorsichtig tastenden ruhigen Einstieg, Fanfaren-artige Stöße des Tenorsaxophons von Luc Houtkamp werden begleitet von verhalten eingesetzten Tönen und Bass-Figuren am Flügel, während Martin Blume einen ständig variierenden, eher klanglich orientierten Puls dazu gibt und im gesamten Verlauf des Konzerts mit seiner Perkussion eine vibrierende Spannung erzeugt und diese bis zum Schluss hält. Der britische Pianist versteht es, seinem präparierten Klavier die unterschiedlichsten Sounds zu entlocken, insgesamt entwickelt sich ein stimmungsvoller, ja, rätselhafter Klangraum. Aus diesem heraus setzt das Sax mit Knacklauten und einem expressiven Spiel einen neuen Akzent und führt in eine dynamische Sequenz über. Beresford trägt mit kurzen zitatähnlichen Ausbrüchen einer verfremdeten Vaudeville-Einlage dazu bei, die sich in erratischen Läufen verliert. Quietsch- und Vibrator-Geräusche leiten über zu einer klagelied-artig geblasenen Melodie, deren Eindringlichkeit durch eine zurückgenommene „Begleitung“ verstärkt wird. Ein dynamisches Finale steht am Ende einer ausgesprochen suggestiven Klangreise.

Einen ähnlichen Verlauf nimmt diese auch in dem zweiten Stück, in Hayloft: Aus spitzen Longtones aus Houtkamps Klarinette und dem präparierten Klavier entwickelt sich eine mysteriöse Klangwelt mit brodelnder, energetisch geladener Dauerperkussion, mal impulsiven und schnellen Pianoläufen und einem fordernd-kecken Tenorsax. In Vault dominiert zunächst eine melodiöse Klarinetten-Stimme, die sich in einer Soundcollage des Trios auflöst, um am Ende wieder kurz aufgenommen zu werden. Sie markiert den Schlusspunkt einer eindrücklich eindringlichen Klanggenese eines Trios, das nicht zuletzt aufgrund einer langjährigen gemeinsamen Spielerfahrung besonders intensive Momente der improvisierten Musik zu erzeugen vermag.

SHED 1, FMR Records FMRCD597-0920