nrwjazz unterwegs

Meeting friends in Elmau |

Thomas Quasthoff

Text & Fotos: Vera Marzinski

Elmau, 11.06.2021 | Bassbariton Thomas Quasthoff hat sich längst von allen Grenzziehungen zwischen Klassik, Jazz, zwischen sogenannter E- und U-Musik verabschiedet. Mit dem Duo „Shawn & the Wolf“ bot er gemeinsam ein Konzert mit bekannten Jazz-Standards in speziell für diese Besetzung arrangierten Versionen auf Schloss Elmau. Ein Ort,, der nicht nur ultimativ zeitgemäßen Spa & viel Sport in unberührter Natur bietet, sondern auch zeitlos gute Musik & Literatur mitten in den bayerischen Alpen (zwischen Mittenwald und Garmisch). Die Konzerte & Gespräche mit großen Künstlern & Autoren lohnen sich immer!

Thomas Quasthoff ist einer der besten Bassbaritone der Welt. Besonders seine Interpretationen von Liedern sind wegweisend. Fast vier Jahrzehnte lang hat Quasthoff als klassischer Sänger auf internationalen Bühnen Maßstäbe gesetzt. Er trat in allen großen Konzertsälen von der Carnegie Hall bis zur Berliner Philharmonie mit den renommiertesten internationalen Orchestern und Dirigenten auf. Haydn-Arien, Schuberts Winterreise oder Bach-Kantaten gehören zu seinem Repertoire. 2012 beendete er diese Karriere und trat ab 2015 vermehrt als Jazzsänger auf. Mit dem Jazz-Trompeter Till Brönner nahm er “The Jazzalbum” auf und mit seiner Band das Album “Tell It Like It Is”, auf dem er sich zwischen Soul, Rhythm & Blues und Pop bewegt. Zudem ist er als Lehrender an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ aktiv.

Im Rahmen seiner Lehrtätigkeiten lernte er auch den Gitarristen Wolfgang Meyer kennen. Über den sagte er zu den Gästen im großen Saal von Schloss Elmau: „Was er ausstrahlt ist nicht nur auf der Bühne so – der ist immer so“, und er sei einer seiner allerbesten Freunde. Gemeinsam mit dem kanadischen Posaunisten Shawn Grocott bildet Meyer das Duo „Shawn & the Wolf“. Mit Gitarre und Posaune sind sie eine ganz besondere Duo-Zusammensetzung. Shawn Grocotts musikalische Interessen sind sehr variiert. Er interessiert sich für viele Musikrichtungen, spielt sinfonische Musik und Big-Band Swing, Kammermusik, Jazz und auch neue Musik - ob komponiert oder frei improvisiert. Nach über 15-jähriger Pause als aktiver Musiker ließ sich der Gitarrist Wolfgang Meyer von Shawn Grocott für die Bühne „reaktivieren“. Seine jahrelangen Erfahrungen aus der Orchester- und Ensembletätigkeit wie auch die Einflüsse aus dem Jazzbereich beeinflussen seinen Stil und spiegeln sich in der Bandbreite seines Spiels.

Auf Schloss Elmau gab es ein Konzert mit Jazz-Standards von „Route 66“ über Duke Ellingtons „Satin Doll“ und Bart Howards „Fly me to the moon“ bis zu Gershwins „Summertime“ zum Abschluss – und einer Liebeserklärung an Thomas Quastoffs Frau mit dem Lied „Moon river“. Das Opener-Stück spielen die beiden mit zwei Posaunen – aber nicht von der Bühne, sondern auf dem Weg dorthin. Das ging dann in die erste Nummer „Altas Horas“ über. Gleich bei „Route 66“ kam der Klang des wunderbaren Timbres von Thomas Quasthoff Stimme zur Geltung. Und er versprach anschließend den Gästen, dass man mit dem Mund und der Stimme nicht nur Gesang erzeugen könne – was er auch immer wieder im Laufe des Programms vorführte. Die Stücke waren sehr Südamerika-lastig, aber mit Vorsatz, denn „wir bringen ihnen das schöne Wetter her“, betonte Quasthoff – draußen schüttete es derweil vorm Wetterstein-Gebirge. Das „Girl from Ipanema“ hatte er selbst von Astrud Gilberto live gehört und sang kurz deren Version an, die immer einen Viertelton darunterlag. Aber „wir bevorzugen die reine Tonart“, versprach er. Und es war eins der vielen Highlights des Konzerts.

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn man wieder vor Publikum spielen darf“, so der Bassbariton, der auch Jurymitglied des ersten Deutschen Jazzpreises – verliehen am 3. Juni 2021 – war. Sehr spiel- und gesangsfreudig zeigten sich die drei auf der Bühne. Quasthoff übernahm hauptsächlich die Moderation durch das mehr als einstündige Programm. „Making Whooppee“ erklärte er verschmitzt kinderfreundlich und zum Instrumentalstück „A Ra“ von Joao Donato lieferte er die Übersetzung – es heißt „Der Frosch“. „Imagine“ von John Lennon reihte sich mit in die Stücke, das nichts von seiner Aktualität verloren habe, so Quasthoff. Gemeinsam mit "Shawn & the Wolf" bot Quasthoff einen außerordentlichen, jazzigen und kurzweiligen Abend.