Livestream Review

Maik Krahl Duo |

Konzert-Stream im King Georg Köln

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: screenshots

Köln, 07.04.2021 | 6. April 2021 19:30 Uhr. Wieder einmal ein Live Stream Konzert im Kölner King Georg. Der Veranstalter lässt sich nicht von der Corona-Krise beeindrucken, denn hier folgt Live-Stream auf Live-Stream, dreimal pro Woche. Diesmal sehen und hören wir das Maik Krahl Duo.

Maik Krahl kommt ursprünglich aus Sachsen und spielt aktuell im Subway Jazz Orchestra Köln. Schon 2018 hat er mit 27 Jahren sein erstes Album Decidophobia herausgebracht. Vor einem Jahr erschien seine CD Fraction.
Billy Test ist Pianist und kommt aus den USA, seit 2018 ist er festes Mitglied der WDR Bigband. Dort wirkt auch Maik Krahl als Gastmusiker bei Produktionen und Konzerten mit. Billy spielt auch in anderen Formationen, z. B. mit der Posaunistin Shannon Barnett wie im letzten September im domicil.

Till Brönner hat Maik die aktuelle Spitze der deutschen Jazztrompeter seiner Generation“ genannt. Doch Maik bleibt diesmal seltsam gehemmt, spielt für meine Begriffe manchmal fast zaghaft, als ob er sich nicht traut aus sich herauszugehen.

Das Konzert beginnt mit drei Hard Bop-Stücken des Saxofonisten Benny Golson (Whisper Not, Stablemates, Along Came Betty). Aber ist es nicht ein Eigentor, wenn Maik empfiehlt, sich nach dem Konzert auf YouTube I'll Remember April in der Fassung des Freddie Hubbard Quintetts mit Dizzy Gillespie anzusehen? (1985, unglaublich, wie Dizzy dort die Backen aufbläst!). Daran muss er sich natürlich nicht messen lassen. Freddie Hubbard ist allerdings, wie Maik selbst sagt, seine „Inspirationsquelle“.

Billy Test spielt dagegen legendär, sehr temperamentvoll, mit langen abwechslungsreichen Soli. Er wirkt absolut gelassen und selbstsicher, begleitet sich selbst mit seiner ausdrucksstarken Mimik. Er ist stets im Blickkontakt mit Maik, aber der blickt kaum zurück. Maik guckt nach vorne, klimpert mit den Augen, ist visuell nur auf sich konzentriert, was natürlich nicht ausschließt, dass er Billy genau zuhört.

Und dann Con Alma von Dizzy, spanisch ‚mit der Seele‘ – das ist doch ein Programm! Kommt aber so leider nicht rüber, die Trompete klingt für meine Ohren eher nüchtern-distanziert. Es fällt auf, dass Maik mehr oder weniger immer auf dem gleichen Lautstärke-Level spielt, hier wie auch in der Klanggestaltung, würde ich mir mehr Dynamik wünschen. Oder ist das einfach Maiks Stil?

Am Ende dann Star Eyes, 1951 gespielt von Charlie Parker. Hier glänzen beide Musiker mit langen Soli. Am Ende der typische spärliche Stream-Applaus der wenigen ‚analogen‘ Zuschauer, Masken auf, Schluss.

Mein Eindruck: Maik war heute nicht so richtig in Form. Woran lag es? Tagesform, fehlendes Publikum wegen Stream-Format, Fehlen von Bass und Drums, Tontechnik? Dass er besser, viel melodischer, spielen kann, kann man auch auf YouTube sehen, z. B. hier.

Die Streaming-Konzerte im King Georg sind nicht kostenlos, denn die Künstler werden bezahlt. Als User bezahlt man im Voraus und bekommt dann einen Code, mit dem man sich einloggen kann. Das ist fair und das lohnt sich. Man kann sich die Konzerte auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmal ansehen.

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