CD-Rezension

Joe Chambers: Samba De Maracatu |

Blue Note Forever

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Milik Kashad

New York, 11.02.2021 | Jazz und Vibraphon – da denkt man gleich an Lionel Hampton, vielleicht auch an Milt Jackson, Bobby Hutcherson oder Dave Pike. Nicht so bekannt ist Joe Chambers, der als Sideman auf vielen Blue-Note-Alben der 1960er vertreten war, u. a. in den Bands von Wayne Shorter, Freddie Hubbard und McCoy Tyner. Am 26. Februar erscheint sein neues Album Samba De Maracatu. Schon 1998 hatte Joe – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bassisten Paul - mit Mirrors sein erstes eigenes Album herausgebracht, dann folgten 2010 Horace to Max, 2016 Landscape.

Der Albumtitel deutet schon darauf hin, dass es um Brasilien geht, das schon viele Jazzer fasziniert hat. Bossa Nova kam Anfang der 60er, später Return to Forever und Doldinger‘s Iguacu, Till Brönner und viele andere haben dann auch ‚ihr‘ Brazil-Album herausgebracht.
Samba De Maracatu
hat jedenfalls mit Bossa Nova nur wenig zu tun. Es ist kein brasilianisches Jazzalbum im engeren Sinne, Chambers verwendet bei mehreren Stücken lateinamerikanische Rhythmen und einheimische brasilianische Schlaginstrumente, wobei ursprüngliche afrikanische Einflüsse eine Rolle spielen. Joe spielt in Trio-Formation mit Brad Merritt (Piano, Synthesizer) und Steve Haines (Bass), er selbst spielt Drums, Percussion und Vibraphon. Bei zwei Stücken gehören auch vocals dazu.

Die Auswahl der 9 Songs macht die CD auch zu einer Art Blue Note-Rückblick. Es geht u. a. um Stücke von Horace Silver, Wayne Shorter, Bobby Hutcherson, also gerade aus Joe’s Sideman-Zeit; drei hat er selbst komponiert.

Seine Komposition Samba De Maracatu war schon auf Landscapes erschienen. Chambers spielt die vibes hier sehr perkussiv. Doch das ganze Stück ist auf die afro-brasilianische Rhythmen aus der brasilianischen Provinz Pernambuco ausgelegt, mit Wurzeln in der afro-brasilianischen Candomblé-Religion. Der Titel des Songs verweist auf einen Musikstil, der durch die afrobrasilianischen Sklaven verbreitet wurde und mit dem Samba verwandt ist.

New York State Of Mind Rain ist durch Rap Vocals von MC Parrain geprägt. Bei mir kommt das als Versuch an, zu zeigen, dass man auch moderner Musik gegenüber aufgeschlossen ist; doch mir gefällt das nicht. Andere, z. B. Nils Landgren, haben Jazz und Rap besser zusammengebracht, hier klingt das irgendwie aufgesetzt.Zumindest passt das Stück nicht zu den anderen des Albums.

Zu Never Let Me Go, dem Klassiker, der durch Nat King Cole berühmt wurde, singt Stephanie Jordan, sehr cool mit einer entsprechenden, hier mehr pianistischen Begleitung durch Joes Vibraphon und mit einem quirligen Piano-Solo von Brad Merritt.

Ecaroh von Horace Silver war schon auf Horace to Max und Landscapes erschienen.Silver, dessen Song für seinen kapverdischen Vater weltbekannt wurde, passt wegen seiner afrikanischen Ursprünge sicher gut in das Konzept dieser CD. Chambers hat dieses Stück, eine späte, experimentelle Komposition von Silver (1952), überarbeitet. Er wechselt dabei zwischen langsamer Ballade, Latin-Shuffle und Blues. Manchmal klingt es schon ein wenig sperrig.

Rio von Wayne Shorter wurde 1978 in das für Lee Morgan’s posthum erschienene Album The Procrastinator aufgenommen. Den ursprünglichen Part von Bobby Hutcherson an den vibes übernimmt hier natürlich Joe, variantenreich mit einem Bass Solo von Steve Haines, das Stück geht am Ende in den Bossa Nova-Rhythmus über. Ein guter Ausklang!

Joe Chambers brilliert insgesamt als Vibraphonist, Schlagzeuger, Komponist und Bandleader. Die CD zeigt was Blue-Note geleistet hat, aber auch wie diese Musik in einer neueren Bearbeitung lebendig geblieben ist.

Joe Chambers – Samba De Maracatu
Label: Blue Note 2020
Bestellnummer: 10411882
Erscheinungstermin: 26.2.2021