In the Beginning was the Beat |

Silvester mit Jens Düppe

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 03.01.2021 | Meine Frau und ich haben Silvester mit einem Konzert von Jens Düppe gefeiert. Nein, nicht mit einer CD, sondern mit einem Konzert Streaming aus dem Jazzclub Karlsruhe in Kooperation mit dem Kulturzentrum Tempel.

Jens Düppe hat während des ersten Lockdowns intensiv an seiner Solokomposition egoD gearbeitet. Es ist kein Werk für reines Schlagzeug Solo, sondern für Schlagzeug, Klavier und Synthesizer.

Schon im November 2019 stellt Jens Düppe in Zusammenarbeit mit dem Künstler Walter Padao die Anfänge seines Soloprogramms im Kunsthaus Troisdorf während der Experimentale vor. Schon dieser erste Eindruck zeigte, dass Jens hier etwas sehr besonderes gelungen war. Mit dem Zusammenspiel von Schlagzeug, Klavier und Synthesizer entwickelte er eine Klangästhetik, die vergessen ließ, dass nur eine Person hinter den Instrumenten saß. Mit der linken Hand spielt er Klavier und Syntheziser und mit der rechten bedient er das Schlagzeug. Allerdings spielt er zwischendurch auch beidhändig Klavier oder Schlagzeug.

Das Werk egoD entfaltet sich, als sei eine ganze Band am Werk. Jens führte das Publikum auf eine Klangreise, die bis auf den Mond führte, mit Einspielungen des Funkverkehrs der Mondlandung.

Ein Jahr später, im September 2020, wieder in Troisdorf auf der Experimentale hat Jens sein Solowerk weiter verfeinert.

Am Anfang steht ein Gedicht von Jens: “In the Beginning was the Beat…“ Eine Liebeserklärung an sein Instrument, das Schlagzeug. Begleitet wird seine Musik diesmal nicht von der Live Malerei Walter Padaos, sondern von Frank Baquets Videoprojektionen.

Am Silvesterabend konnten wir nun das Soloprogramm die Version 3.0 von egoD erleben. Die Grundstruktur ist im Wesentlichen erhalten geblieben.

Jens Düppe führt das Publikum an den Bildschirmen wieder auf eine Reise durch unterschiedliche Klanglandschaften. Er rezitiert sein Gedicht “In the Beginning was the Beat“ wieder als Einstieg. Später wird noch ein französisches Gedicht von Paul Verlaineeingespielt, von einer Frauenstimme gesprochen. Die Mondlandung ist nun nicht mehr dabei. Das Werk ist als eine siebenteilige Suite aufgebaut. Die einzelnen Teile tragen Titel, wie Storm, Dance, Prayer oder Meditation. Schon Titel lassen vermuten, dass hier sehr unterschiedliche Stimmungen ausgedrückt werden.

Anfangs ist das Klavierspiel bei Storm deutlich perkussiv, aber dann spielt Jens auch zweihändige, furiose Passagen, wie in Dance, aber auch lyrische wie in Wave und Prayer.

Auch auf seinem Schlagzeug erzeugt er eine Bandbreite, von zupackenden Rhythmen bis zu sensiblen zarten Tönen. Dem Synthesizer entlockt er sehr tiefe Töne, die einen Gegenpol zum Klavier bilden. Die einzelnen Instrumente wirken im Zusammenspiel und bilden als Gesamtkunstwerk eine musikalische Reise durch innere Zustände und Gefühlswelten.

Das Werk egoD in der Form, wie es Silvester zu erleben war, wirkt noch dichter und ausgereifter und blieb trotzdem voller Frische und Spontanität.

Besser kann das alte Jahr nicht ausklingen, es sei denn mit einem echten Live Konzert.

Das Streaming war allerdings ausgezeichnet, mit feinfühliger Kameraführung, mit vielen Close Ups der Hände, aber auch tollen Totalen von oben. Solche Perspektiven sind für ein Publikum im Club nicht möglich. Trotzdem warten wir natürlich alle sehnsüchtig auf Live Konzerte.

Die Fotos stammen von der Experimentale 2019 und 2020

Berichte über die Auftritte von Jens Düppe auf der Experimentale:

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2019/Experimentale_im_Kunsthaus_Troisdorf/

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2020/Experimentale_im_Kunsthaus_Troisdorf/