Neuerscheinungen kurz vorgestellt

Neuerscheinung kurz vorgestellt |

Ein Schnelldurchlauf von Christoph Giese

Text: Christoph Giese

Gelsenkirchen, 02.11.2021 | Volume 2 vom SCHNELLDURCHLAUF bietet wieder einen kleinen Überblick über neue CD-Veröffentlichungen im Bereich Jazz und Weltmusik.

Als erstes gibt es Musik einer Legende zu hören. Eine illustre Truppe aus dem New Orleans-Umfeld, dem Geburtsort des legendären Trompeters und Sängers Louis Armstrong, und weitere klangvolle Namen des Jazz firmieren auf A Gift To Pops (Verve) unter dem Namen The Wonderful World Of Louis Armstrong All Stars und zelebrieren ihn.

Los geht es mit einer bislang unbekannten Originalaufnahme von Armstrong. Es folgen Stücke aus seinem Repertoire und wie sie heute vielleicht klingen würde, weilte Armstrong noch unter uns. Das Ganze ist ein vergnüglicher, swingender Musiktrip. Mitwirkende wie Wynton Marsalis, Nicholas Payton oder Wycliffe Gordon garantieren dabei Originalität, Gäste wie Rapper Common bringen zusätzlich ein wenig Hipness mit rein.

Noch eine Legende: A Love Supreme: Live In Seattle (Impulse!) wurde am 2. Oktober 1965 im Penthouse Club in Seattle live mitgeschnitten und nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Auch, weil die Aufnahme nicht unbedingt Studioqualität hat, was sie noch authentischer wirken lässt. Vor allem zeigt sie die Spiritualität und große Improvisationskraft von Jazzikone John Coltrane und seinem legendären Quartett, das hier in erweiterter Besetzung Coltranes berühmte vierteilige Suite in einer wilden, ziemlich enthemmten Version spielt. Neben McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin John sind hier auch drei weitere Musiker, darunter Pharoah Sanders, bei diesem irren Musiktrip mit dabei.

Nomfusi kommt aus Südafrika und mischt auf ihrem neuen, bereits vierten Album The Red Stop (Delicious Tunes) Township Music mit Soul und Afropop. Die stimmgewaltige Sängerin und Songschreiberin stammt selber aus einem Township, lebt inzwischen in Johannesburg und engagiert sich durch Aufklärungsarbeit an Schulen für gefährdete Kinder in Soweto, Swasiland und Malawi. Musikalisch bietet ihr Album mit Maskandi-Gitarren, groovigen Township-Rhythmen, mal tanzbarem, mal her loungigem Afropop einen bunten, immer positive Vibes ausstrahlenden Musikmix.

Ihr neues Album Palabras Urgentes (Real World Records) markiert bereits das 50. Jahr der Karriere von Susana Baca, Die afroperuanische Sängerin zählt zu den bedeutenden Stimmen Südamerikas und war sogar kurzzeitig auch als Kultusministerin Perus aktiv. Hier zeigt sie in zehn starken Songs einmal mehr ihre ganze Klasse. Ihr eindringlicher Gesang legt sich über traditionell klingende Songs, die durch die Mitarbeit von Michael League (Snarky Puppy, Bokanté) aber einen durchaus zeitgenössischen Sound verpasst bekommen.

Im letzten Jahr im Mai schon veröffentlichte die Band Aksak Maboul das Doppelalbum Figures (Cramned Discs). Nun kommen gleich zwei Alben der Belgier mit Remixen, Coverversionen und neuen Versionen heraus. Redrawn Figures 1 und Redrawn Figures 2 (beide Cramned Discs) erscheinen nur digital und auf Vinyl, letztere Variante auf jeweils 500 Exemplare limitiert. Künstler wie The Notwist, Spooky J, Carl Stone, Felix Kubin, aber auch Aksak Maboul selbst machen sich hier an spannende Bearbeitungen der Songs in einem schillernden Umfeld aus Elektronik, Avantgarde und Progrock.

Guerilla Jazz (JazzHausMusik) nennen Posaunist Detlef Landeck, Tenorsaxofonist Sven Grau und Drummer Joe Bonica als Trio Landeck I Grau I Bonica das, was sie hier auf acht Stücken zelebrieren. Der ungemein groovende, leicht hibbelige Auftaktsong „Fetter Engel“ gibt die Richtung des gesamten Albums vor: Schlagzeug-Grooves und energiegeladene Bläserströme erzeugen expressive, vitale, mitreißende Sounds, manchmal auch mit einem Augenzwinkern versehen.

Und das polnisch-japanisch-schweizerische Gesangs-Gitarren-Duo Yumi Ito & Szymon Mika erschafft auf Ekual (Helvetia Records) wunderschöne, das Herz berührende, zeitlose Songs, die sich einer eindeutigen, festen Stilisierung wundersam entziehen, dafür aber viel Gefühl und Wärme verströmen. Auch, weil dieses Album mit großer klanglichen Transparenz aufgenommen wurde.