Jarry Singla`s Eastern Flowers im Loft |

Mit Christian Ramond und Ramesh Shotham

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 22.11.2021 | Die deutsch-indische Band Eastern Flowers spielt nach langer Corona Pause wieder live vor Publikum. Eastern Flowers, das sind Jarry Singla an Piano und Harmonium, Christian Ramond am Kontrabass und Ramesh Shotham an Percussion und Schlagzeug.

Die Musik der Band ist eine Verbindung von europäisch-amerikanischem Jazz und Klassik mit klassischen nordindischen Ragas und südindischer Musik.

Jarry Singla, der die Stücke geschrieben hat, ist mit deutsch-indischen Eltern in der Nähe von Köln aufgewachsen und mit europäischer Klassik und Jazz sozialisiert worden, bevor er sich der indischen Musik zuwandte. Auch Christian Ramond hat deutsch-indische Wurzeln, ebenfalls in Deutschland aufgewachsen ist er ein fester Bestandteil der Kölner Jazzszene und hat mit Jazzlegenden wie Albert Mangelsdorff, Kenny Wheeler und Lee Konitz gespielt. Ramesh Shotham stammt aus dem südindischen Tamil Nadu und ist in Madras geboren, lebt nun seit vielen Jahren in Köln. Er hat mit Charly Mariano, Rabi Abu Khalil, Steve Coleman und vielen anderen zusammengearbeitet. Er ist einer der meist beschäftigten indischen Perkussionisten und auf über 150 Alben zu hören.

Auf dem Konzert spielen die drei Musiker vor allem Stücke aus ihrer aktuellen CD Tendu.

Zum stimmungsvollen Auftakt des Konzertes spielt Jarry Singla auf dem Harmonium und wird dabei von Christian Ramond mit dem gestrichenen Bass begleitet. Nachdem Jarry Singla zum Klavier gewechselt ist und der Bass nun gezupft wird, schlägt Ramesh Shotham eine Kanjira, eine kleine indische Rahmentrommel dazu. Sargamony heißt das Stück und wurde von Jarry Singla zusammen mit dem indischen Sänger Sanjiv Chimmalgi, anlässlich eines Indienaufenthaltes in Mumbai als Stipendiat der Kunststifung NRW, geschrieben. Auch das folgende Stück Aroha stammt aus dieser Zeit. Der Titel bezeichnet eine aufsteigende Tonfolge in der indischen Musik. In diesem Stück spielt Ramesh Shotham die südindische Tempeltrommel Tavil, die einem kleinen Fass ähnelt und beidseitig mit Fell bespannt ist. Das Bassfell schlägt Ramesh mit einem Holzschlegel und das höhere Fell schlägt er mit seinen Fingern, an denen er metallische Fingerkappen trägt. Während des Stücks gibt es eine Stelle, bei der Ramesh auf der Basstrommel des Schlagzeugs den Rhythmus vorgibt und Christian mit dem Kontrabass folgt. Beide Musiker haben dabei sichtbare Freude. Mich erinnert das an indische Starkonzerte, bei denen der Tablaspieler den Sitarspieler mit immer neuen Tonfolgen herausfordert und das indische Publikum den Dialog lautstark begleitet.

Das dritte Stück Tendu, das Titelstück der CD, beginnt mit einer Rezitation von Ramesh Shotham in der südindischen Trommelsprache Konnakol. Jarry Singla spielt dann eine Melodie, die auf diesem Rhythmus basiert. Bei Tendu wird die Verbindung von indischen und westlichen Einflüssen deutlich. Nach dem indischen Einstieg folgen Passagen europäischer Mehrstimmigkeit über die die Band improvisiert. Auch in dem Stück Ome Moduvi sind dezidiert europäische Einflüsse zu hören. Inspiriert wurde das Stück von Olivier Messiaen.

Neben den Stücken aus dem Album Tendu spielen Eastern Flowers im zweiten Set nach der Pause auch Stücke, die Jarry Singla neu komponiert hat, wie das Stück Saval Javab, das Fragen und Antworten bedeutet oder das Stück Jodhari, das durch drei indische Raga Skalen inspiriert ist. Im Verlauf des Konzertes spielt Ramesh Shotham, neben dem der Tempeltrommel Tavil auch auf der Ghatam, dem indischen Tontopf. Da die Band Eastern Flowers heißt, nennen die Musiker den Topf: Eastern Flower Pot. Während Ramesh trommelt, sitzt er auf einem Cajon, auf dem er auch gegen Ende des Konzertes spielt. Die vielen verschiedenen Trommelinstrumente stehen für die vielfältige Musik des Ensembles.

Eastern Flowers spielen eine sehr gelungene Verbindung von indischer und europäischer Musik, auch die Klassik Wurzeln von Jarry Singla fügen sich organisch in die Musik ein.

Hier wird nicht mit dem Exotik Bonus gearbeitet, sondern Jarry Singla komponiert Musik, die sich aus den unterschiedlichsten Quellen von Jazz über europäische Kunstmusik bis hin zu marokkanischer Musik, speist, dabei sind die indischen Einflüsse unverkennbar, prägen die Musik, ohne das die europäischen Wurzeln dabei verloren gehen.

Ein Konzert mit vielen schönen Momenten und vielfältiger abwechslungsreicher Musik.

Webside: https://jarrysingla.com/eastern-flowers/

Link zum Interview mit Jarry Singla:

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2020/Jarry_Singla_im_Radiointerview/

Link zur Rezension der CD Tendu:

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2020/Jarry_Singla_Eastern_Flowers___Tendu/