CD-Besprechung

Stephan, Smith &Hoffman |

Transatlantic Guitar Trio

Text: Michael Vogt

Hürth, 15.09.2020 | 2018 gingen die Gitarristen Joscho Stephan und Richard Smith auf eine Tournee, die sie unter anderem auch in den Hürther Jazzkeller führte. Smith, der bisweilen ehrfürchtig als „Weltmeister“ bezeichnet und von Kollegen wie Tommy Emmanuel mit Superlativen bedacht wird, wohnte in der Zeit bei dem international gefeierten Gypsy-Gitarristen Stephan in Mönchengladbach. Die gemeinsame Zeit nutzen die beiden Musiker kreativ: Sowohl am Frühstückstisch als auch in Proben- und Konzertpausen tüftelten sie Kompositionen aus und hatten bald den Wunsch, diese auch auf CD zu bannen. Dazu holten sie sich den Amerikaner Rory Hoffman ins Boot, der sein Instrument wie Jeff Healey auf dem Schoß spielt, eine Vielzahl weiterer Instrumente beherrscht und zu den großen Nashville-Gitarristen zählt.

Melancholische Latin-Nummer

Für die Anfang des Jahres realisierte Einspielung, die Richard Smiths Fingerstyle mit Joscho Stephans Gypsy-Virtuosität und Rory Hoffmans Mainstream-Jazz verbindet, fand aber kein Treffen statt. Joscho Stephan und der Bassist Stefan Berger nahmen in Stephans Heimstudio auf, Richard Smith ging mit Rory Hoffman in Nashville ins Studio. Zusammengefügt und abgemischt wurde dann alles im „transatlantischen Ping-Pong-Verfahren“ quer über den Großen Teich. Ein Vorgang, den man der Scheibe, die in Zusammenarbeit mit Joshua Hunt (Percussion) entstand, aber nicht anmerkt.

Eröffnet wird das Album von „Dusseldorf Stomp“. Die Nummer, die während einer Konzertpause in der Landeshauptstadt entstand, steht in der Gyspy-Tradition: temporeich, mit Raum für ausgelassene Soli, effektvolles Zusammenspiel und blitzsaubere Klangkultur. Ebenfalls von Stephan und Smith stammt der „Rattlesnake Reggae Shuffle“ (Stephan / Smith), in dem sich ein reggea-typischer Beat mit Gypsy- und Country-Elementen verbindet. Der von allen drei Gitarristen komponierte „Transatlantic Bolero“ ist eine melancholische Latin-Nummer mit sinnlichen Gitarren-Kantilenen, sehnsuchtsvollen Cello-Einwürfen (Julie Adams) und dezent hüftschwingendem Rhythmus.

Harmonisch geschärft
Die weiteren Stücke der CD, zu denen eine flotte, pointierte Fassung von René Touzets „Sabrosa“ zählt, sind Arrangements. „I Wonder Where My Baby Is Tonight“ (Walt Donaldson / Gus Kahn) polieren die Gitarristen mit einer gehörigen Portion Gypsy-Elan, atemberaubender Geschwindigkeit und steigenden Glissando-Raketen auf. Den Beatles-Hit „Here, There and Everywhere“ verwandeln die Musiker in eine nostalgische Ballade, die fast nach Lagerfeuerromantik klänge, wären die Soli nicht gar so virtuos. So entspannt „Hot Toddy“ (Ralph Flannagan, Herb Hendler) daherkommt, so sehr wird „Caravan“ (Juan Tizol / Duke Ellington) zur geschäftigen Upbeat-Nummer mit geschmackvollen Flamenco-Einflüssen und rhythmischer Prägnanz. Klassisch wird es mit „Going Home“, eine Hommage an das berühmte Thema aus dem Largo in Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9, das harmonisch geschärft und mit erhöhtem Tempo an Fahrt gewinnt. Zum Abschluss präsentiert das „Transatlantic Guitar Trio“ die von Elvis Presley bekannt gemachte Ballade „Always On My Mind“ (Johnny Christopher, Mark James, Wayne Carson) demgegenüber als fast schon in Richtung Pop gehender Mainstream.