Neue Musik

Ensemble Tra I Tempi |

Das 50. - Listening, really listening

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Bonn, 10.02.2020 | "Wirklich Zuhören" ist als Programmtitel natürlich eine Aufforderung an das Publikum - und die Musik des Ensembles Tra I Tempi verlangt das auch! Das Konzert im Endenicher Ballsaal ist ein Jubiläum, es ist das 50. der Reihe Erlebnis Neue Musik. Das Programm besteht aus komponierten Anteilen und Improvisationen. Sieben Musiker*innen spielen in unterschiedlichen Formationen fünf Werke, davon drei Uraufführungen.

Eine der Uraufführungen ist das Werk tomorrow never comes vom Ensembleleiter Michael Veltman. Er spielt mit Friedrich Jaecker zusammen vierhändig auf dem Flügel. Es werden unterschiedliche Präparationen eingesetzt, u.a. wird eine Kordel an einer Klaviersaite entlang gezogen. Die Aktivitäten am Klavier sind genau notiert, während die anderen Ensemblemitglieder dazu frei improvisierten. Besonders der Bassist Constantin Herzog ist hier in seinem Element. Er ist auch im Bereich Jazz- und Improvisationsmusik aktiv, hat in Köln neben dem klassischen Kontrabass, Jazz bei Dieter Manderscheid studiert.

Die beiden anderen Uraufführungen sind Werke von Friedrich Jaecker, der Professor an der Kölner Musikhochschule ist.

Die Komposition Watt spielt im Titel mit Doppeldeutigkeit, sowohl das Watt am Meer ist gemeint, als auch der Bezug zum gleichnamige Roman von Samuel Beckett. Ein Werk für Sopran, Bassflöte, Viola, Cello, Bass und Klavier.

Ein Stück mit langen Flageolett-Tönen, in die sich dann die Sopranistin mit ihrer Stimme einfügt. Eine große Herausforderung für Nicole Ferrein, die es immer wieder schafft, klare Töne dabei herauszubringen. Nicht nur bei diesem Werk gilt das wirkliche Zuhören nicht nur für das Publikum, sondern auch in besonderem Maße für die Musiker*innen selbst.

Die langen Töne und die Pausen erinnern an die Ästhetik von Morton Feldman, von dem auch das nachfolgende Stück Spring of Chosroes für Violine und Klavier (1978) stammt. Inspiriert wurde Feldman von einem kostbaren Teppich des sassanidischen Perserkönigs Cosrau I (6.Jh). Die Geige und das Klavier spielen nebeneinander monologische Linien, die aber bei genauem Hinhören eine subtile Bezogenheit aufeinander haben. Christiane und Michael Feldman spielen dieses Werk.

Als weiteres Duo folgt, Friedrich Jaecker, ohne Titel für Sopran und Bassflöte, auch eine Uraufführung.

Nach diesen drei sehr ruhigen und subtilen Werken wird es etwas lebendiger und lustiger. Aus dem Nachlass von Mauricio Kagel wird ein Werk für Bratsche, Violoncello und Kontrabass gespielt. Für das Ensemble ist es das erste Mal, das ein Werk von Kagel aufgeführt wird. Mauricio Kagel, der in Köln wirkte ist ebenso wie Stockhausen oder auch Bernd Alois Zimmermann über die Neue Musik hinaus, in den Bereichen des Jazz, der improvisierten Musik und der elektronischen Musik auch heute noch sehr einflussreich.

Das Ensemble Tra I Tempi unter Leitung von Michael Veltman bietet auch bei seinem 50. Konzert der Reihe Erlebnis Neue Musik ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm. Ein genaues Zuhören wird wieder mit tiefgründigem Musikgenuss belohnt.

Ensemble Tra I Tempi: Nicole Ferrein (Stimme), Evelin Degen (Flöte), Christiane Veltman (Geige, Bratsche), Rebekka Stephan (Cello), Costantin Herzog (Bass), Friedrich Jaecker (Klavier) und Michael Veltman (Klavier, Leitung).

Michael Veltman hat sich bereist in der Vergangenheit um die Wiederentdeckung des musikalischen Grenzgänger Julius Eastman verdient gemacht. Nun wird ein weiteres Konzert mit Werken von Eastman im Mai stattfinden:

Save the Date: 15. und 16. Mai Eastman Festival Bonn mit Tra I Tempi.

Siehe auch den Bericht über die Eastman Konzertnacht 2017 in der Kunststation St. Peter:

https://nrwjazz.net/jazzreports/2017/Julius_Eastman_Abend_von_Tra_I_Tempi1512400081/

www.traitempi.de