Satoko Inoue |

presents Jo Kondo `s New Works for Piano

Text: Stefan Pieper

Marl, 04.05.2020 | Die Japanerin Satoko Inoue spielt auf dieser für das Avantgardejazz-Label "Ezz-thetics"wiederentdecken Aufnahme die Kompositionen ihres Landsmannes Jo Kondo. Kondo hat seit den 1970ern einen unverkennbaren, fortschrittlichen Stil weiterentwickelt, der viele Aspekte östlich-westlicher Musikgeschichte auf eigenwillige Weise reflektiert...

Am Anfang fühlt man sich verloren, vielleicht auch provoziert, wird dann immer mehr zum Teilnehmer in einem Prozess des Fortschreitens, der schließlich ein Stadium innerer Reinheit evoziert. Das alles wirkt frei atmend und durchaus wie auf hohem Abstraktionsniveau improvisiert – aber es stehen dezidiert ausgeforschte Konzepte hinter allem.

Die lose Offenheit, mit der sich Töne, Figuren und weitgehend funktions-unabhängige Reibungsklänge wie in einem freie fließenden Atem über allzu rigide Schemata erheben, weist durchaus Züge von Morton Feldman oder anderen amerikanischen Minimalisten auf. Aber Kondos Tonsprache ist andererseits viel pluralistischer auf bestimmte Sujets bezogen – etwa fernöstliche Liedmelodien, polyphone Verfahren, die auf Palestrina oder Bach verweisen könnten und eine expressive Bandbreite, die vielgestaltige Emotionen und Klangfarben ins Visier nimmt.

Satoko Inoue begibt sich in diese Welt hinein und leistet sich ihre eigenen Entdeckungsreisen, deren Resultate sie durch vollendete Kontrolle der klanglichen Mittel auf dem Flügel nacherlebbar macht. Sie begibt sich in den repetitiven Sog hinein, was allein schon zum Hören dieser CD in einem einzigen Durchgang animiert. Im ersten Stücke „Gamut“ tastet sie sich in gamelan-artige Formeln hinein, die in schneidenden Sekundreibungen des Stückes „Ritornello“ gipfeln. „In Nomine“ und „Metphonesis“ nehmen es mit polyphonischen Satztechniken auf, ohne je den suggestiven, freien Fluss zu verneinen und wo gerade die „Regelbrüche“ für Spannung sorgen. Wieder andere Stücke, wie das phasenweise mit bebenden Tonrepetitionen auftrumpfende „Trochaic Thought“ oder „Sight Rhythmics“ werden ihrem Titel als rhythmische Studien oder sagen wir besser, als Reflexionen über Rhythmen gerecht, ohne das sich irgendetwas jemals metrisch diktiert anfühlen würde.

Angesichts von Satoko Inoues konsequenter pianistischer Versenkung mag man gar nicht glauben, dass einige dieser Kompositionen als Ensemblestücke entstanden sind. Denn dieser Spielfluss sorgt zuverlässig dafür, dass sich die Musik in keiner Weise als Übernahme anhört, ebenso wenig, dass hier komplex durchdachte Konzepte die Geschichte lenken. Stattdessen mutet das Gespielte bei aller durchaus vorhandenen Strenge des Konzepts sehr geschmeidig aus dem Moment heraus erfühlt an.

Aufgenommen wurde die CD im Großen Sendesaal des WDR, Harry Vogt betreute die Produktion.

Jo Kondo
New works for piano (CD)

CD, ezz1011, EAN 0752156101123 / DX
Klassik, (c) 2019

Label: Ezz-Thetics by Hat Hut

Vertrieb: nrwvertrieb