Spielen, als wenn es kein Morgen gibt! |

Das Pulsar-Trio auf der Burg Lüttinghof

Text & Fotos: Stefan Pieper

Gelsenkirchen, 14.03.2020 | Bevor nun die große Stille über die Musikszene in NRW und anderswo kommt lautete für das Pulsar-Trio auf der Wasserburg Lüttinghof noch einmal die Devise: Spielen, als wenn es kein Morgen gebe!

Denn so hörte und fühlte sich an, als Matyas Walter auf der Sitar, Keyboarderin Beate Wein und Schlagzeuger Aaron Christ mit wirbelnder Spielfreude loslegten. Barfüßig, wie es sich für einen indischen Sitarspieler gehört, spielt Matyas Arnold das traditionelle Saiteninstrument, diesmal nicht ohne Effektgeräte. Denn die braucht es für das hochdynamische, vielgestaltige Miteinander in diesem Trio, welches in Dresden und Potsdam beheimatet ist.

Jetzt gerade, wo alle Länder ihre Grenzen dicht machen, wirkt die „weltumspannende“ Energie des westlich-indischen Crossovers dieser Band umso eindringlicher, ja, umso notwendiger. Matyas Walter spielt nicht im strengen indischen Stil, stattdessen suggerien seine Melodiebögen Pop und Trance, rocken auch manchmal mächtig nach vorn. Überhaupt ist die Ausdrucksbandbreite dieses 16saitigen Instruments mit seinen aufregenden Glissandoeffekten immens. Getragen, aufgefangen und beantwortet wird all dies von Beate Weins Keyboardspiel. Schlagzeuger Aaron Christ sorgt für so viel lässigen Groove, dass man sich diese Veranstaltung auch gut ohne Stuhlreihen vorstellen könnte. Ein besonders berührender, ja trauriger Moment bei diesem Konzert hatte einen aktuellen Anlass: Vor wenigen Wochen ist die Jazzpianistin Susan Weinert verstorben. Im November hatte es noch einen gemeinsamen Konzertabend gegeben. Mit dem aktuellen, elegisch-meditativen Stück „Susan“ setzte das Trio auf Lüttinghof ein würdiges Andenken.

„Ihr seid heute an einem der sichersten Orte“ hatte Bernd Zimmermannm, der künstlerische Leiter der Fine-Art-Jazz-Konzertreihe bei seiner Anmoderation betont. Handdesinfektion vor dem Konzert war Pflicht, Umarmungen und Händeschütteln sind eh längst Geschichte in diesen Tagen. Alle machen verständig mit, denn das ist das deutlich geringere Übel als die nun flächendeckend verhängte totale Friedhofsruhe durch vorläufige Schließung sämtlicher Kultur-Orte. Gefrustet ist auch das Pulsar-Trio selbst, denn das war gerade für internationale Tourneen nach Tunesien und Nepal (!) gebucht. Aber die drei versuchen, es mit Gelassenheit zzu sehen. Zimmermann appellierte an die Solidarität des Publikums mit den, meist freiberuflich arbeitenden Kulturschaffenden: Zwar habe jeder Konzertbesucher grundsätzlich das Recht, den Ticketpreis wiederzubekommen. Dieser kleine Kostenausfall des Endverbrauchers ist aber ein „Luxusproblem“ verglichen mit dem drohenden finanziellen Ruin für kleine Konzertveranstalter infolge geplatzter Konzerte. Deswegen appellierte Zimmermann, auf die Rückerstattung bereits bezahlter Tickets aus Solidarität freiwillig zu verzichten.