CD-Besprechung

Jazztradition vom Feinsten |

Chris Hopkins meets the Jazz Kangaroos

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 27.11.2020 | Ein lauer Sommerabend, ein ausverkauftes Konzert, eine begeisterte lokale bis internationale Fangemeinde – in diesen Tagen kann man sich dies kaum vorstellen. So tut es gut, wenn eine frisch herausgegebene CD dies in Erinnerung ruft und musikalisch genau entsprechende Assoziationen wieder wachruft. Die Rede ist von der Live-Einspielung des Konzertes, das Chris Hopkins im Sommer letzten Jahres auf der Wasserburg Haus Kemnade an der Ruhr auf Hattinger Gebiet gegeben hat. Unterstützt wurde der Pianist, Alt-Saxophonist und Vertreter der gepflegten Jazz-Klassik von australischen Musikern, von George Washingmachine (Violine, Gesang), Mark Elton am Kontrabass und David Blenkhorn an der Gitarre. Eine hochkarätige Besetzung im drumlosen Quartett lässt die Musik der 30er bis 50er Jahre an der Wasserburg wieder aufleben. Programmatischer Titel des Abends und der CD: Chris Hopkins meets the Jazz Kangaroos.

Die zehn Titel der CD entsprechen genau den Erwartungen an den Bewahrer des Swing und frühen Jazz‘, Chris Hopkins und seine Gäste zelebrieren mit ihrer ausgelassen-eleganten Spielweise und der Stückeauswahl eine nuancierte Feier der Jazztradition. Der Opener Can’t We Be Friends mit beschwingter Violine ist als gelungener Appell an die Zuhörerschaft zu verstehen. Und es folgt ein Feuerwerk mit Standards der Jazzklassik, etwa mit der langsamen Ballade Moonlight in Vermont mit dem rührenden Vokaleinsatz von George Washingmachine, mit dem Broadway-Klassiker Russian Lullaby aus der Feder von Irving Berlin, mit Django Reinhardts Swing 42, bei dem Piano und Violine unisono mit der Melodie einführen und David Blenkhorn auf seiner alten Gibson an Virtuosität dem Meister des Gypsy-Swings nicht nachsteht.

Überhaupt lässt das Album mit den vier Musikern erkennen, dass sie sich instrumentell und vokal ihren musikalischen Referenzen als ausgesprochen würdig erweisen: Ihr Zusammenspiel, ihre solistischen Einlagen sind erstklassig. Dies verwundert umso mehr, wenn man weiß, dass sie in dieser Besetzung erst drei Tage vor dem Konzert zum ersten Mal gemeinsam musizierten. Die Unisono-Einsätze kommen absolut präzise, das rhythmische Basisgefühl ist nicht zuletzt dank der Timekeeper am Bass und an der Gitarre perfekt, ebenso das Wechselspiel von Ensemble- und Solo-Spiel und der Ideenreichtum bei den Phrasierungen.

Dies alles trifft auch die jeweiligen Duo-Auftritte zu: Jack Teagardens A Hundred Years From Home mit überzeugender Gesangseinlage von George Washingmachine in Piano-Begleitung und dem Oscar Pettiford-Standard Blues In The Closet – einem wunderschönen Zwiegespräch von Gitarre und Kontrabass mit dem bekannten riffartigen Bluesthema. „Ein kammermusikalisches Kleinod“, kommentierte Hopkins damals, und er hat vollkommen recht. Seinem Vorbild Duke Ellington erweist Hopkins am Steinway mit den Kangaroos mit What Am I Here For mit Bass und Gitarre als groovendem Rhythmusgeber Reverenz.

Es macht einfach Freude, wie variationsreich Hopkins mit seinem Quartett unterschiedliche Stilistiken und Grooves des traditionellen Jazz’ bedient: Gypsy Swing, Ballade, Stride,… und dies nicht in nostalgischer Kopie des Vergangenen als „originalgetreue“ Retro-Version, sondern auf eine sympathisch-gewitzte Art („sophisticated“) in einer frischen und erfrischenden Neuinterpretation.

Chris Hopkins meets the Jazz Kangaroos. Live! Vol. 1. Echoes Of Swing Productions. EOSP 4512 2

(Es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass meine CD-Besprechung zum Teil wörtlich mit meiner damaligen Konzertbesprechung bei nrwjazz übereinstimmt.)