Steffen Schorn, Roger Hanschel, Norwegian Wind Ensemble |

Hermeto`s Universe

Text: Dr. Michael Vogt

Köln, 31.05.2020 | Magische Klangpoesie: Steffen Schorn und „Det Norske Blåseensemble“ widmen sich der Musik der brasilianischen Musiklegende Hermeto Pascoal.

Hermeto Pascoal ist Klangmagier und Geräuschpoet. Ob Haushaltsgegenstände, die Elemente der brasilianischen Natur oder der eigene Bart – scheinbar alles wird dem komponierenden Multiinstrumentalisten zum Klang. 2021 feiert Hermeto Pascoal, der als Forró-Akkordeonist antrat, die brasilianische Musik revolutionierte und durch seine Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Jazz-Stars international bekannt wurde, seinen 85. Geburtstag. Grund genug für das „Norske Blåseensemble“ ihm eine Doppel-CD zu widmen.

Als Partner für „Hermeto's Universe“ wählte das 1734 in Halden gegründete norwegische Blasorchester Steffen Schorn aus. Der deutsche Saxofonist arbeitete 1992 erstmals mit der brasilianischen Musiklegende zusammen und wagte sich 2009 schon einmal mit der Bigband des Hessischen Rundfunks an ein Pascoal-Album.

Unbeschwerten Umgang

Für „Det Norske Blåseensemble“ arrangierte Schorn sechzehn Kompositionen Pascoals passgenau auf das Instrumentarium des 26-köpfigen Ensembles, das von der Piccolo-Flöte bis zur mächtigen Tuba reicht. Die Einspielung, die auf dieser Grundlage unter Schorns Leitung zusammen mit dem norwegischen Klangkörper, dem Saxofonisten Roger Hanschel, dem international gefeierten brasilianischen Perkussionisten Márcio Bahia und natürlich Hermeto Pascoal entstand, ist schlicht faszinierend. Auch in der Vermittlung durch Schorns Arrangements fordern und belohnen Pascoals polyphone Klangschichtungen, harmonische Rückungen und komplexe rhythmische Strukturen den Zuhörer. Das extrem wandelbare „Norske Blåseensemble“ stürzt sich mit unbändiger Spielfreude, orchestraler Big-Band-Wucht und klanglicher Raffinesse in das kreative Chaos solcher Nummern wie „Ilza nova“, „Malacunguê“ und „Mentalizando a cruz“, in denen Márcio Bahia, der seit 1981 mit Pascoal zusammenarbeitet, für den Groove und den strukturellen Zusammenhalt sorgt. Während „O farol que nos guia“ nahezu orchestral daherkommt, klingt „Uína“ hingegen fast kammermusikalisch.

Irrwitziges Klangeffekt-Solo

In „Celos“ zeigen die Musiker Humor und kraftstrotzende Energie, in „Rebuliço“ Gespür für das Erbe traditioneller brasilianischer Musik. Immer wieder ist es Hermeto Pascoal selbst, der für den Funken Magie garantiert, den seine Musik unverwechselbar macht. Das wird etwa deutlich, wenn er in „Ilha das gaivotas“ ein geradezu irrwitziges Klangeffekt-Solo hinlegt, indem er in ein Wasserglas prustet und gurgelt. Und dann gibt es die Ballade „Mente clara“, in der Schorn ein traumhaft sinnliches Saxofon-Solo aufleuchten lässt und das musikalische Material – als eine Art Nachspiel an der Grenze zur Unhörbarkeit – noch einmal in den Tiefenfrequenzen des Ensembles reflektiert wird. Ein Moment magischer Klangpoesie!

Steffen Schorn und „Det Norske Blåseensemble“:

Hermeto s Paradise

paschen records 2020