CD-Besprechung

Christian Kappe & Cru Sauvage |

Volume 1

Text: Stefan Pieper

Münster, 04.09.2020 | Es gibt so viele Platten, aber diese hier ist die erste Wahl, um nach einem anstrengenden, hektischen Tag alle Dinge wieder innerlich miteinander ein Einklang zu bekommen: Zumindest funktionierte ein solcher „Selbstversuch“ gleich mehrmals beim Eintauchen in die - kurzum „Volume 1“ - genannte CD von Christian Kappes Trio „Cru Sauvage“.

Denn Christian Kappe (Trompete, Flügelhorn), Kai Brückner (Gitarre) und Pianist Burkhard Jasper einigen sich in ihrem Triospiel so nachhaltig und intuitiv auf einen gemeinsamen Nenner, dass es in bestem Sinne die Seele streichelt.

Die Ausgangslage für dieses Unterfangen ist ja schon vielversprechend: Da sind drei Melodieinstrumente, die alle Luft zum atmen haben, weil keine Rhythmusgruppe Druck macht. Überhaupt drei Musiker mit riesiger Fantasie, einem souveränen Erfahrungsschatz und ganz viel Gespür für den Moment aber ohne jede Eitelkeit oder Geschwätzigkeit.

Lässig groovt sich das erste Stück „Hutong House“ mit einer unterschwellig „chinesisch“-pentatonischen Linie ein, als dann Christian Kappe auf der Trompete seine Läufe in offener, blühender Diktion freisetzt, die Akustik-Gitarre fast schon wie ein Perkussionsinstrument losfedert, während die Klavierharmonien erstmal nobel im Hintergrund bleiben. Allein hier zeigt sich solide Handwerkskunst, um einen wirkungsvollen Opener zu kreiieren. Balladesker geht es weiter, um viele weitere Tore zu noch viel tieferer Empfindsamkeit aufzustoßen. Herrlich schmiegen sich die drei Stimmen inso vielen Farben und Harmonien unisono aneinander und bleiben sich auch auf verschlungenen Umwegen treu. Minimalistisch klar und beseelt lässt Burkhart Jaspar in so manchem Solopart das Piano singen. Feingewebte Gitarrenornamente antworten, bevor die Trompete oder das weichere Flügelhorn ihre wärmende Stimme erheben. Ein solch lyrischer Kammerjazz mündet wieder in bewegtere Stücke, ähnlich wie sich in einer schönen Landschaft auch mal die Witterung ändert, aber man sich trotzdem weiterhin geborgen fühlt. Silbrig schimmernde Lichtstrahlen blitzen, wenn Christian Kappe den Dämpfer gebraucht. Immer bleibt der Boden fruchtbar, um neue, strahlend schöne (dieses Attribut sei hier mal mit Recht gebraucht) Melodien wachsen, sich verästeln zu lassen. Später funkt auch mal ein Bluesschema knackig dazwischen, bei dem den dreien aber sogleich allerhand mehr einfällt. Noch lange nicht sind wir zu diesem Zeitpunkt am Ende dieser Ideenreise angelangt, bei der Reife und eine unerschütterliche Gelassenheit den Weg vorgeben. Denn auch Bach-Choräle, gleich drei an der Zahl, gereichen dem sinnlichen Kammerjazz von Cru Sauvage bestens zur Ehre!

CD:

Christian Kappe & Cru Sauvage:

Volume 1

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