Auf ein Wort

Jetzt geht es in die vollen...|

Wir wünschen allen einen tollen Herbst!

Text & Fotos: Stefan Pieper

Marl, 05.09.2020 | Wie sehr Livemusik Nahrung für die Seele ist, hat dieser Sommer eindrücklich bewiesen. Eine kreative, sehr spontan umgesetzte Open-Air-Kultur hat den Sorgen der „Corona-Zeit“ viel Leichtigkeit entgegen gesetzt - einfach das Gefühl, nach wie vor am Leben zu sein! Der Herbst stellt uns nun vor ganz andere Herausforderungen...

Viele kreativ gedachte und mit Herzblut realisierte Draußen-Events in Gärten und Burghöfen, auf Kohlenhalden, auf Parkplätzen, in Fußgängerzonen, auf Hinterhof-Balkonen oder in öffentlichen Parkanlagen wurden aus der Not geboren - und haben erwiesenermaßen viele neue Jazzfans, die einfach mal zufällig vorbeikamen, hervorgebracht. Dahinter stand viel Mut, auch mal die Unkenrufe wegen des Wetters zu ignorieren, ebenso tatkräftige Unterstützung seitens vieler Menschen, Institutionen, Förderer. Ein Kompliment geht auch an das disziplierte Publikum, welches bei den notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln verlässlich mitmacht.

Auch im Hinblick auf den Herbst herrscht wohl alles, nur kein „Jazz-Notstand“! Das Line-up für den September liest sich wie ein riesengroßes Über-Festival – mit endlos vielen Konzerten und eben auch extrem vielen „Konkurrenzveranstaltungen“. Wer überhaupt noch Konzerte unter den aktuellen schwierigen Rahmenbedingungen veranstaltet, ist in diesen Tage schnell finanziell gebeutelt - allein, da aufgrund der Regulationen meist größere Räume gemietet werden müssen, in denen aber deutlich weniger zahlendes Publikum sitzt. Hinter der eitlen Erfolgsmeldung „Unser Konzert ist ausverkauft“, verbirgt sich unweigerlich die Sorge, wie überhaupt der kommende Herbst finanziell noch zu stemmen ist.

Der jazzkalender auf nrwjazz.net „explodiert“ gerade. Ob es notwendig war, viele Veranstaltungen gerade aufs erste Septemberwochenende zu konzentrieren, mag dahin gestellt bleiben. Jetzt müssen wir da durch! Man kann hier nur ans Publikum appellieren, den jazzkalender aufmerksam zu studieren und vielleicht auch mal woanders hinfahren, wenn gerade die Lieblingsveranstaltung, zu der man eh schon seit Jahren immer geht, ausgebucht ist. An alle Programmverantwortlichen kann nur der Ruf gehen, bei der Planung von Veranstaltungen den Dialog untereinander zu wagen und sich über Termine abzusprechen – (und vielleicht auch nrwjazz mit einer kurzen Mail auf dem Laufenden zu halten, wenn irgendwo spontan ein Konzert hinzu kommt.

Über die nach wie vor prekäre Situation der freischaffenden Szene wollen wir uns an dieser Stelle gar nicht auslassen. Leider hat sich noch nicht viel geändert, wenn es um echte praktikable Hilfen für die Szene, um reale Verwirklichung der Sonntagsreden geht. Umso schöner, dass auch unter solchen Bedingungen die Leidenschaft für Live-Musik nach wie vor brennt und sich nach den surrealen Monaten des Lockdowns sogar spürbar erneuert hat. Wir wünschen allen Musikerinnen und Musikern, allen Veranstaltern und auch unserem Jazzpublikum einen gehaltvollen, spannenden jazzigen Herbst!

Noch etwas in eigener Sache: Der Verein nrwjazz.eV. dankt seinen Mitgliedern, dass diese durch ihre Beiträge überhaupt erst eine qualifizierte Redaktionsarbeit ermöglichen. Gerne möchten wir weiter über uns hinaus wachsen, um noch flächendeckender als Informationsportal für den Jazz zu wirken. Unsere hervorragende, lebendige Szene hat dies mehr als verdient. Unterstützt uns daher durch eine Mitgliedschaft in unserem Verein!

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