Ali Claudi SwingJazzRock |

... kurz vor dem 2. Lockdown

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Reiner Skubowius

Bochum, 06.11.2020 | Lockdown – nicht schon wieder!!! Schon vor einem halben Jahr hatten wir hier im Bochumer Kulturrat so ein ‚letztes Konzert‘, damals mit Lulo Reinhardt. Ali Claudi steht diesmal mit seinem Trio auf der Bühne und freut sich, noch einmal auftreten zu können. Er präsentiert aus seinem unerschöpflichen Repertoire von ca. 1500 Stücken eine Auswahl, die viele unterschiedliche Stilrichtungen umfasst.

Ali Claudi verkörpert ein Stück Jazzgeschichte in NRW. Seit fast 60 Jahren steht er auf der Bühne und besonders in Bochum hat er oft gespielt. Schon 1964 bei der Grundsteinlegung des Ruhr-Parks war er dabei, später spielte er oft im Club Liberitas und im Backofen. Im Kulturrat in Bochum-Gerthe ist er immer noch oft zu Gast, das letzte Mal im Juli 2019.

Es geht los mit Watching the river flow von Bob Dylan im Stil von John Mayalls Bluesbrakers. Es spielen Ali Claudi (elektro-akustische Gitarre, Gesang), Christian Schröder (Schlagzeug) und Hans-Günther Adam (E-Piano und Pedalbass). Von den insgesamt 12 Stücken sind mir einige besonders aufgefallen.

George Benson war ein großer Jazz-Gitarrist, wir hören sein Bandoleros Caballa und sind nun im Gypsy-Modus, der im Bochumer Kulturrat oft zu hören ist. Die sehr schnell gespielte Gitarre und die Drums treiben die Band voran.

Lullaby of Birdland von George Shearing beginnt mit einem langen Intro auf der Gitarre, die Band spielt erst in der bekannten Swing-Version. Zusätzlich hat die Band eine neue Passage im Barock-Stil entwickelt, die bei jedem Konzert immer wieder neu interpretiert wird. Das gelingt so gut, dass Übergänge zwischen den Stilen kaum zu bemerken sind.

Nun folgt eine schnelle Version von Jobims Chega de Saudade. Ali erklärt den Dur-Moll-Wechsel und wer welchen Part dabei übernimmt. Mit Honky Tonk Kid, einer ‚astreinen‘ R&B-Nummer, die er selbst komponiert hat, heizt Ali nochmal richtig ein. Ähnlich bei A-Train von Billy Strayhorn, man hört den Zug und spürt fast schon den Fahrtwind, wenn er einfährt; ein Drum-Solo macht die Sache komplett.

Die Band ist wie immer sehr gut aufeinander eingespielt, trotz des riesigen Repertoires werden Noten nicht gebraucht. Ali Claudi an der Gitarre und Hans-Günther Adam am E-Piano bilden eine Symbiose, hier wechseln Solopartien blitzschnell vom einen aufs andere Instrument, so dass man es kaum bemerkt. Christian Schröder an den Drums ist diesmal aktiver. Er bleibt zwar oft im Hintergrund mit einer dezenten rhythmischen Begleitung, bringt sich aber bei diesem Konzert zunehmend mit Soli ein

Die Betroffenheit der Band durch die Corona-Regelungen wird noch einmal deutlich, als zum Abschluss You've got a Friend von Carole King erklingt, traurig, aber auch irgendwie tröstlich:

“Winter, spring, summer, or fall, all you have to do is call and I'll be there, yeah”, auch mit Abstandsgebot.

homepage Ali Claudi

Die nächsten Jazztermine im Kulturrat Bochum-Gerthe (wenn wg. Corona möglich):
19.12. – Jörg Hegemann Trio
03.01. – Chris Hopkins (geplant)
23.01. – Joscho Stefan
20.03. – Erdquintett
16.04. – Glen Buschmann Trio
28.05. – Ingo Marmulla & Band feat. John Marshall