„Blind Date“ Teil 3-2019|

Simin Tander trifft auf Jozef Dumoulin

Text: Vera Marzinski | Fotos: Gerhard Richter

Köln, 03.11.2019 | Mit der beeindruckenden Sängerin Simin Tander und dem Fender-Rhodes-Spezialisten Jozef Dumoulin ging das „Blind Date“ im Salon De Jazz am Severinsplatz in Köln in die dritte Runde. Ein spezielles „Date“ der beiden Musiker.

Eine freundliche Begrüßung, etwas Small-Talk auf niederländisch – Dumoulin ist Belgier und Tander studierte in Arnheim Jazzgesang – und dann startete das „Date“. Oder nennen wir es Experiment. Ein „Blind Date“ ist eine Art Experiment. Funktioniert es zwischen den aufeinandertreffenden Personen? Können die Unterschiedlichkeiten gemeinsame Schwingungen entstehen lassen, die dann bei solch einem musikalischen „Date“ auch auf das Publikum überspringen? Die Protagonisten sollen sich musikalisch nahekommen, Anknüpfungspunkte suchen und nach Gemeinsamkeiten in ihrem Spiel, ihrer Arbeit, forschen. Das funktioniert nicht immer auf Anhieb. Bei Dumoulin und Tander, die Düppe als zwei Ausnahmemusiker ankündigte, die auch sicher jeder für sich ein Solokonzert an diesem Abend hätten geben können, wurde dies Zeitweise zu zwei parallellaufenden Solokonzerten.

Jozef Dumoulin startete eine Erkundungsreise an seinem Fender-Rhodes E-Piano. Das klang zunächst so, als ob er im Radio eine Frequenz suche. Mal kam wieder ein anderer Ton dazu, dann ein neuer elektronischer Effekt. Er kitzelte die verschiedenen, exzentrischen Klangqualitäten seines Instrumentes und der Elektronik heraus. Seine Mitstreiterin an diesem Abend ließ er dabei sehr offensichtlich außen vor. Mal zaghaft, mal vehement stieg Simin Tander in das Set ein. Und ließ sich schlussendlich nicht irritieren. Die deutsch-afghanische Sängerin singt in vielen Sprachen und Tönen – was sie auch brillant im Salon De Jazz umsetzte. Hauchend, stöhnend, sich auf das Wesentliche konzentrierend, auf kleine Melodien, auf einen einzigen Ton – mit suggestiver Vokalkraft öffnete sie fast meditative Räume. Sie kämpfte nicht gegen Dumoulin an, sondern begann ihr eigenes Ding und wenn der belgische Jazzpianist in die Vollen ging, fühlte sie sich sichtbar wohler und es entstand musikalische Gemeinsamkeit. Sehr spannend dieser Abend, der diesmal nur aus einem – jedoch mehr als 60 Minuten dauernden – Set bestand. Jens Düppe hatte es in der Begrüßung schon auf den Punkt gebracht: „Absolute Offenheit führt einfach zu den besten musikalischen Ergebnissen und Erlebnissen“ - ob nun einzeln oder gemeinsam.

Simin Tander ist die Tochter eines afghanischen Journalisten und einer deutschen Lehrerin und wuchs in Köln auf. Während ihrer Gesangsausbildung bei einer Opernsängerin wurde ihr bewusst, dass ihr Herz eher für die gesangliche Improvisation als für die Klassik schlägt. Seit 2014 arbeitet sie mit zwei Norwegern, dem Pianisten Tord Gustavsen und dem Schlagzeuger Jarle Vespestad zusammen. Derzeit vereint sie gemeinsam mit Gustavsen Sufi-Lyrik und christliche Hymnen. Dabei werden norwegische Kirchenhymnen mit der afghanischen Sprache Paschtu neu eingekleidet und wechseln sich ab mit Texten des persischen Mystikers Rumi, die wiederum auf Englisch gesungen werden. Jozef Dumoulin stammt aus Belgien und fand als 16jähriger zum Jazz. "Ein Keyboard-Zauberer" oder "ein Fender Rhodes-Spezialist", sind einige der Zitate, die Jozef Dumoulin beschreiben. Zu seinen eigenen Projekten gehören neben einem Fender Rhodes Solo das Red Hill Orchestra (ein Trio mit Ellery Eskelin und Dan Weiss) und ein Duo mit Benoét Delbecq. Jozef Dumoulin, der als Sideman sehr gefragt ist, hat mit den besten Musikern im Bereich Jazz, improvisierter Musik, Rock und traditioneller Musik aufgenommen und tourt. Zurzeit lebt er in Paris.

„Blind Date“, dabei stehen neun Musiker – bzw. acht Musiker und eine Sängerin –für die Jazzreihe in diesem Jahr auf dem Programm. Bei einem Konzert von „Blind Date“ weiß weder der einzelne Musiker, noch das Publikum, wer mit wem im Duo oder Trio auf der Bühne stehen wird, um zusammen zu improvisieren. Ein „Blind Date“ ist nun noch offen für 2019. Wer bisher dabei war oder die Berichte verfolgt hat, weiß schon wer am 6. November aufeinandertrifft. Aber selbst dann ist es spannend, wie es zwischen den Blind-Date-Kandidaten „funktioniert“.