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Eine Sinfonie des Grinsens

Das Theaitetos-Trio legt die Axt an „Nosferatu"

Münster, 20.06.2026

Wenn vier Herren hartnäckig darauf bestehen, ein Trio zu sein, weiß man schon vor dem ersten Ton: Hier stimmt etwas wunderbar nicht. Das Theaitetos-Trio hat sich wieder an einen Meilenstein der Filmgeschichte gewagt und die „kreative Axt" an Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu" aus dem Jahr 1922 gelegt – und das radikaler denn je. Zu sehen ist diesmal kein bloß live vertonter Klassiker, sondern ein komplett selbst gedrehtes Remake des Horrorschockers, das die vier Klangtüftler in gewohnter Manier live begleiten.

Wie immer wird beste Unterhaltung geboten. Das Trio bewegt sich auf der Bühne wie im Film virtuos und furios über schwankende und doppelte Böden – und schreckt dabei vor keiner musikalischen wie szenischen Schandtat zurück. Der Obervampir mag hungrig nach Blut durch die Hafenstadt schleichen; die vier nehmen es heiter und machen aus Murnaus „Symphonie des Grauens" kurzerhand eine Sinfonie des Grinsens.

Ein Trio? Vier Mann!

Das ist kein Druckfehler, sondern Programm. Seit Ende der 1980er-Jahre treibt das vierköpfige „Trio" aus dem Münsterland sein dadaistisches Unwesen – als Musikkabarett, das sich beharrlich jeder sauberen Schublade entzieht. Lautpoesie, szenischer Nonsens, groteske Bewegungsmotorik und eine bizarre Klangwelt verschmelzen zu einem Ideenfeuerwerk, in dem zerstückelte Jazz- und Swingfäden mal komödiantisch aufleuchten und mal genüsslich wieder reißen. Ihre Haltung bringen die improvisierenden Musikdadaisten am liebsten selbst auf den Punkt – mit dem Lied „Wir sind bedeutungslos". Gespielt wird grundsätzlich alles, was Geräusch macht. Über die Jahre hat das Quartett eine ganze Galerie an Stummfilmklassikern zu neuem Leben erweckt: Murnaus „Faust", Walther Ruttmanns „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt", George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten" und zuletzt Stanley Kubricks „Shining" (als „Das Scheinding"). Nun also „Nosferatu" – erstmals als komplettes Eigengewächs vor der eigenen Kamera.

Ob die Posaune in unmöglichen Schräglagen wabert, die Orgel düstere Akkordwolken auftürmt, das Toy-Piano kindlich-unheimlich klimpert oder Bernd Kortenkamp dem reinen Schrott neue Töne entlockt – am Ende greift hier alles so präzise ineinander wie Nosferatus Zahn in einen ungeschützten Hals. Wer das absurde Grauen liebt und dabei trotzdem herzhaft lachen will, ist an diesem Abend goldrichtig.

Die Besetzung

  • Helmut Buntjer – Posaune, Euphonium, Perkussion

  • Johannes Dolezich – Orgel, Toy-Piano

  • Udo Herbst – Gitarre

  • Bernd Kortenkamp – Schrott, Mundharmonika

Theaitetos Trio: NOSFERATU So. 21.06.2026 | 19:30 Uhr BLACK BOX Eintritt Frei

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