Barock und Jazz |

Nigel Kennedy in der Philharmonie Essen

Text & Fotos: Christoph Giese

Essen, 17.04.2013 | So mancher Platz blieb leer im großen Alfried Krupp Saal der Philharmonie. Vielleicht, weil der potentielle Konzertbesucher nicht so recht wusste, wohin die Reise bei Nigel Kennedy schlicht „Recital“, Liederabend, betiteltem Programm gehen würde.

Obwohl das eigentlich klar war, hat der britische Geigen-Punk doch gerade erst seine neue, gleichnamige CD veröffentlicht. Darauf zu hören: Musik von Bach und Fast Waller.

Barock und Jazz also – viele weiter können musikalische Pole kaum liegen. Doch so etwas schert einen Nigel Kennedy nicht. Er spielt, was ihm gefällt oder gerade einfällt. Das kann dann auch wie in der Philharmonie ein zünftiger irischer Traditional sein.

Rein akustisch geht es an diesem vergnügten, weil von Nigel Kennedy wie immer humorig moderierten Abend zu. Lediglich die Gitarren von Rolf Bussalb und der Kontrabass von Yaron Stavi sind leicht elektrisch verstärkt. Leider aber sehr schlecht. Vor allem das äußerst filigrane und vielseitige Gitarrenspiel des Frankfurters geht in den vielen leisen Passagen fast völlig unter. Schade.
Nigel Kennedy gibt auf der Bühne den sympathischen Clown, der dann aber klarmacht, dass das Geigenspielen eine ernste Sache für ihn ist.

Wie er sich in Bachs Sonate Nr.2 für Sologeige hinein kniet nach einer improvisierten Einleitung, wie er die Musik von Fats Waller authentisch und mit viel Respekt zart swingen lässt, Dave Brubecks berühmtes „Take Five“ auf seiner Geige mit feinen Improvisationen ausschmückt, mit der irischen Hymne „Danny Boy“ die Herzen der Zuhörer berührt - da spürt man trotz allem Augenzwinkern bei Nigel Kennedy immer die Ernsthaftigkeit, mit der er Musik betreibt.

Und mit der er die viel zu wenigen Zuhörer in der Philharmonie am Schluss zu Standing Ovations hinreißt.