Konzert, NRW

20 Jahre Cologne Contemporary Jazz Orchestra |

Gefeiert wird im Stadtgarten

Köln, 09.08.2022 | Am 4. September feiert das Cologne Contemporary Jazzorchestra – und zwar sich selbst! Das hat seine guten Gründe, denn seit 20 Jahren bereichert dieses innovative Kollektiv die Jazzszene in NRW und weit darüber hinaus. Das CCJO zeichnet sich durch flache Hierarchien aus, also kann auch jeder, der mitmacht, kompositorisch in Erscheinung treten. Dementsprechend wird es im Stadtgarten ein Feuerwerk neuer Uraufführungen geben. Es gibt aktuelles aus der Feder von Christian Winninghoff, Ben Degen, Matthew Halpin, Francois de Ribaupierre, Marcus Bartelt, Wolf Schenk und Andreas Schickentanz. Der WDR wird das Konzert mitschneiden und eine Woche später ausstrahlen.

20 Jahre Cologne Contemporary Jazz Orchestra 2002-2022

Als am 16.September 2002, einem Montagabend, das neugegründete Cologne Contemporary Jazz Orchestra in kleinen lockeren Grüppchen zu den Klängen einer einzelnen Bansuriflöte den Konzertsaal des Stadtgartens in Köln betrat, sich unter Blicken und Kommentaren der Besucher, die teils noch mit Handschlag oder Umarmung begrüsst wurden, langsam auf der Bühne einrichtete und schliesslich in voller Big Band Stärke loslegte, hätten wohl nur die kühnsten Optimisten darauf gewettet, dass dieses Konzert mit seinem augenscheinlichen und durchaus beabsichtigten Happening-Charakter den Beginn einer nun also 20jährigen Erfolgsgeschichte auf dem schwierigen Feld der Grossformationen im Jazz markieren sollte.

Am Anfang stand die Idee, Komponisten und Arrangeuren der heimischen Szene eine stilistisch und organisatorisch offene Möglichkeit zu schaffen, mit enthusiastischen Kollegen ihre Musik zu spielen und zu entwickeln. Ganz im Geiste der „Rehearsal Bands“, wie es sie in den Metropolen des Jazz immer schon gegeben hatte und von denen einige, wie das Thad Jones-Mel Lewis Jazz Orchestra oder die Londoner „Loose Tubes“ um Django Bates und Graham Collier, später zu stilprägenden und gefeierten Jazzorchestern wurden.

Der Konzertsaal des Kölner Stadtgarten war und ist bis heute natürlich der Ort schlechthin dafür, als professionellste und weltweit bekannteste Spielstätte für aktuellen Jazz in der Stadt und der Region. Ganz wichtig war, dass die beiden Geschäftsführer Rainer Michalke und Matthias von Welck das neue Ensemble von Anfang an wohlwollend unterstützten und dies bis heute tun.

Es zählt die Kontinuität

Die Anfangszeiten des CCJO waren einerseits geprägt von Enthusiasmus, Nonchalance, Beharrlichkeit und einer gewissen gesunden Naivität, ohne die der Aufbau einer solchen Formation vermutlich gar nicht in Angriff genommen worden wäre. Andererseits von der Suche nach der vermeintlich richtigen Richtung, musikalisch und organisatorisch, personellen Wechseln und anderen Häutungen.

Und doch spielt heute noch genau die Hälfte der damaligen Protagonisten neben ihren vielfältigen eigenen Projekten nach wie vor im CCJO, und auch auf den anderen Positionen hat es nach wilden Anfangsjahren durchweg Kontinuität und grosse Verbundenheit der Musiker zu ihrer Band gegeben, wie viele Aussagen belegen (s. O-Töne). Und so wuchs das Orchester bald zu einer Institution in der Kölner Jazzszene heran.

Die Arbeit der bandeigenen Arrangeure und Komponisten wie Frank Reinshagen, Jürgen Friedrich, Jens Düppe, Niels Klein, Ansgar Striepens und Marko Lackner wurde inzwischen mit mehreren WDR-Jazzpreisen gewürdigt, ein Preis den auch viele Gäste der Band wie Gabriel Perez, Markus Stockhausen, Florian Ross, Christina Fuchs, Heiner Schmitz, Jens Böckamp, Nicolas Simion oder Stefan Pfeifer-Galilea vorweisen können. Der Einfluss auf die freie Szene ist bis heute enorm, in der Jazzmetropole Köln gibt es kaum einen Musiker, der während der letzten 20 Jahre nicht mit dem CCJO in Berührung gekommen wäre.

Auf Projektbasis immer auf der Suche

Von Beginn an arbeitete das CCJO auf Projektbasis, ohne festen musikalischen Leiter und feste Repertoiremappe, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und frischer Inspiration von außen. Die Vielseitigkeit und Abenteuerlust der Band belegen auch die bislang fünf eingespielten CDs. Die musikalische Reise geht hier von der argentinischen Musik eines Gabriel Perez („La Banda Grande“, Genuit Records 2004) über die von Heiner Schmitz vertonte Odyssee von Homer mit Christian Brückner als Sprecher („Odyssee“, Big Band Records 2011) bis hin zur Musik der Heavy Metal Band Slayer („Do You Wanna Die“, 2010), die von Axel Knappmeyer wirkungsvoll arrangiert wurde. Die vierte CD „Expat Echoes“ (Float Music) aus dem Jahr 2019 beinhaltet Kompositionen und Arrangements des CCJO Lead-Altisten Marko Lackner, im Frühjahr 2022 erschien unter dem Titel „Tales From The Wooden Kingdom“ (KLAENG Records) die fünfte CD, wiederum ein Projekt des Komponisten und Arrangeurs Heiner Schmitz, welches die Sängerin Veronika Morscher featured.

Der internationale Ruf entwickelte sich

Mit der Zeit verbreitete sich der exzellente Ruf des Ensembles über die Stadtgrenzen hinaus, so dass das CCJO auch für internationale Komponisten und Arrangeure interessant wurde. Hierfür gab vor allem Dr. Bernd Hoffmann, langjähriger Leiter der Jazzredaktion des WDR, die entscheidenden Impulse. Ab dem Jahr 2005 begann er, das CCJO für die WDR3 Jazzfestivals regelmässig mit internationalen Gästen zusammenzuführen. So arbeitete die Band in diesem Rahmen mit Künstlern wie Darcy James Argue, Gwilym Simcock, Ryan Truesdell, Sherisse Rogers oder Silvia Versini.

Später dann auch auf eigene Initiative mit z:B. Lars Møller, Frank Vaganee, Michel Herr, Scott Robinson, Emiliano Sampaio, Julian Arguelles, John Hollenbeck, Markus Geiselhart, Adrian Mears, Paolo Fresu oder David Liebman. Die Band spielte auf dem North Sea Jazz Festival Rotterdam, dem Moers Jazzfestival und in der Schweiz. Ein gemeinsames Projekt gab es auch mit dem Aarhus Jazz Orchestra in Dänemark, das 2012 beim Spot Festival in Aarhus sowie beim KLAENG Festival in Köln präsentiert wurde. 2019 war man mit Unterstützung des Goethe Instituts auf dem Big Band Festival in Siauliai / Litauen zu Gast.

Seit 2019 wird das CCJO nun vom Land NRW im Rahmen der Ensembleförderung unterstützt. In einem Metier, in dem schon kleine wirtschaftliche Unwägbarkeiten das Aus einzelner Ideen oder ganzer Projekte bedeuten können, ist dies eine wichtige und nachhaltige Möglichkeit, die Zukunft zu sichern.


Sonntag, 4. September 2022

Konzertsaal

Beginn 18:00 Einlass 17:00

T I C K E T S

Aktuelle CCJO Besetzung:

Trompete: Jan Schneider, Christian Winninghoff, Matthias Knoop, Matthias Bergmann

Posaune: Peter Schwatlo, Andreas Schickentanz, Ben Degen, Wolf Schenk

Sax: Marko Lackner, Kristina Brodersen, Matthew Halpin, Francois de Ribaupierre, Marcus Bartelt

Piano: Jürgen Friedrich

Gitarre: Johannes Behr

Bass: Volker Heinze

Drums: Jens Düppe

www.ccjo.koeln

You Tube Playlist 20 years CCJO:

https://www.youtube.com/watch?v=lowZy1YhFYw&list=PL0i6-eyqiDdIDdAX-PmN5aY-e6s_DoLhD