kurz vorgestellt

Schnelldurchlauf Vol. 3 von Christoph Giese |

jazz and world

Text: Christoph Giese

Gelsenkirchen, 19.11.2021 |

Haesen & Breidenbach: Où est l´amour (Buzz Records)

Luftig-leicht geht es zum Auftakt los mit Où est l´amour (Buzz Records) des Duos Haesen & Breidenbach. Charlotte Haesen, die in Amsterdam geborene Sängerin mit burundisch-französischen Wurzeln, und der Aachener Gitarrist Philip Breidenbach, der hier auch noch für die komplette Instrumentierung der Songs mit Perkussion und Chören zuständig ist, betreiben ihre Suche nach der Liebe in einem Spannungsfeld aus Jazz, Chanson und Indie-Folk in vier Sprachen und schaffen kleine, hübsch individuell klingende Songperlen, in die man nur allzu gerne eintaucht.

Jussi Fredriksson Trio: Archipelago Sea Tales (Flame Jazz)

Das Jussi Fredriksson Trio ist hierzulande leider nicht so bekannt, aber Pianist Jussi Fredriksson und seine beiden Landsleute an Bass und Schlagzeug spielen wunderbare, eigen klingende Jazzmusik. Inspirieren lassen zu den Archipelago Sea Tales (Flame Jazz) hat sich der Finne von einem neuen Jazzfestival auf kleinen Schären vor seiner Heimatstadt Turku. Wer diese Gegend kennt, kann die Assoziationen der Musik zu der Natur durchaus nachvollziehen. Alle anderen genießen einfach nur das großartige Zusammenspiel der drei Finnen, ihre Klangfarben und Ideenreichtum.

Espoo Big Band Blood Red (Galileo MC)

Mehr frische Klänge aus Finnland gibt es mit der Espoo Big Band und ihrem neuen Album Blood Red (Galileo MC). Angeregt durch ein Buch des türkischen Literatur-Nobelpreisträgers Orhan Pamuk hat der Schlagzeuger und Komponist Mikko Hassinen eine fiktive Story komponiert, die im Istanbul des 16. Jahrhunderts verortet ist. Herausgekommen ist ein atmosphärisches, vielschichtiges Werk mit dramatischen und aufwühlenden Momenten und spannend eingesetzten Bezügen zu arabischer und persischer Musik. Als Solist brilliert der fantastische Trompeter Verneri Pohjola.

Space Big Band (Double Moon)

Noch einmal „Big Sounds“: Die Space Big Band des dänischen Bassisten Kenneth Dahl Knudsen und des lettischen Saxofonisten Toms Rudzinskis präsentiert sich auf dem selbstbetitelten Album Space Big Band (Double Moon) als starkes elektro-akustisches, zeitgenössisches Jazzorchester, in dem neben elektrisierenden kollektiven Momenten immer auch Räume entstehen für Ruhe, aber auch für Individualität und Improvisation.

Jonathan Blake Homeward Bound (Blue Note)

Bei einigen bekannten Herrschaften der internationalen Jazzszene sorgt Jonathan Blake für die richtigen Beats. Homeward Bound (Blue Note) ist nun sein Debütalbum unter eigenem Namen bei dem legendären US-Jazzlabel Blue Note. Begleitet von Saxofon, Vibrafon, Tasteninstrumenten und Bass zelebriert der Schlagzeuger aus Philadelphia hier einen absolut zeitgemäßen Modern Jazz, der seine Wurzeln in der Jazztradition aber nicht verleugnet. Es swingt fein und postboppig, und einmal biegt die ganze Bande auch mal kurz ab Richtung Afrika. Erfrischend, auch was Herr Blake und Band hier als Rausschmeißer mit Joe Jackson´s „Steppin´ Out“ machen.

Melanie Charles Y´all Don´t (Really) Care About Black Women (Verve)

Und was Sängerin und Musikerin Melanie Charles hier auf ihrem Album Y´all Don´t (Really) Care About Black Women (Verve) aufgenommen hat, das sollte die in Brooklyn lebende Künstlerin mit haitianischen Wurzeln jetzt mal so richtig bekannt machen. Denn wie sie sich Lieder aus dem Repertoire großer schwarzer Jazzsängerinnen wie Billie Holiday, Abbey Lincoln, Ella Fitzgerald, Dinah Washington oder Sarah Vaughan schnappt und neu interpretiert, elektronisch bearbeitet und remixt und teilweise in imaginären Duetten mit den verstorbenen Jazzdiven singt, das klingt ziemlich hip. Einziger Minuspunkt dieser ansonsten absolut gelungenen Produktion: nach gut einer halben Stunde klingt dieses innovative Werk schon aus.