CD-Besprechung

Escape Argot |

You.Me.Them

Text: Peter E. Rytz

Mülheim a.d.R., 11.03.2020 | „Escape Argot“ lassen auf ihrem neuen Album die Muskeln spielen. Der Name ist Programm. Vom Du im Umweg über Ich zum Wir. Vielleicht muss man manchmal auch „ugly“ sein, um „All that Jazz“ zu hören...

Programmatisch beginnt die CD mit „The Remains of Lightness“. Das Pianospiel von Florian Favre läutet die Suche nach dem Klang der Geheimsprache der Bettler und Gauner Frankreichs im Mittelalter, dem Argot, ein. Gebrochene Harmonien friedet Christoph Grab (sax) ein. Facettierte harmonikale Bögen erkunden die Überreste einer verloren gegangenen Leichtigkeit...

Doch diese vom Schlagzeuger Christoph Steiner (Hildegard lernt Fliegen) begründete Band erlaubt sich keinen frühzeitigen, falschen Erkunder-Stolz per se. Leidenschaftlich mit der vorwärts treibenden Kraft signalisiert das Saxophon: Nur nicht zu viel Beschaulichkeit und Gemütlichkeit. Das Leben ist und war immer anders, als man bereit zu glauben wäre. Oder doch? Gräbt Grab zusammen mit Favre und Steiner Pippi-Langstrumpf-Kindheitserinnerungen in „Plutimikation“ aus, holen sie sich aus dieser saumseligen Nostalgie-Ecke radikal zurück: „Get Poison off that Tongue“.

Nach dem sie sich ins fast Unhörbare mit diesem Song zurück gebeamt haben, suchen sie nach neuen Ein- und Umstiegen. Sacht, mit leiser Betonung weist und weiß das Piano einen Weg. Neuen Treibstoff liefert das stupend angeschlagene Piano. Geflasht von harmonischen Splittern, verändert sich die rhythmische Base. Alle Leinen los im Windgeflacker. Das Saxophon kratzt den schimmernden Lack des schönen Scheins ab.

Abgehandelt in kurzen 1:40 Minuten, drängt der Sound von „Escape Argot“ zum Teil der Lösung vor. Genug ist nie genug. Favres Moog-Syntheziser collagiert kaskadenartig mit dem Bass „Never enough not enough“. Vier Minuten lang lassen „Escape Argot“ die Muskeln spielen. „Whatever The Outcomes“, es sollte ein Weg sein, die Suche zu einer oder vielen Antworten zu finden.

Florian Favre: piano, keyboards

Christoph Grab: sax

Christoph Steiner: dr

Escape Argot. You.Me. Them, Traumton-Record 2019