CD-Besprechung

Upstream |

Sven Bergmann-Quartett mit perfektem Modern Jazz made in NRW

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 12.03.2015 | Die neue CD des 41-jährigen Pianisten Sven Bergmann mit seinem Quartett nennt sich Upstream, gemeinsam mit dem Recklinghäuser Kontrabassisten Stefan Werni, dem namensgleichen Matthias Bergmann aus Köln am Flügelhorn und dem legendären US-Drummer Bill Elgart, gegenwärtig in Ulm lebend, spielt hier ein Ausnahme-Quartett zusammen, das bereits in dieser Konstellation beim letzten Herner Jazzfestival aufhorchen ließ. Die CD mit zehn Kompositionen des Folkwang-Absolventen Sven Bergmann ist ein Beispiel eines gelungenen Zusammenspiels von herausragenden, bestens ausgebildeten Musikern, die ihre solistischen Stärken auf ihrem eigenen Instrument im Quartett auf eine besondere, ja besonders wohl klingende Niveaustufe heben - das ist perfekter Modern Jazz made in NRW.

Schon das erste Stück Ladder Of Fortune gibt einen spannungsvollen Einstieg in die insgesamt von den Stilistiken her verschiedenen Titel der CD, Sven Bergmann gelingt hier auf seinem Piano mit Hilfe von pedal points ein harmonischer Reichtum und eine intensive Spannung, die von den Quartett-Mitgliedern kongenial aufgegriffen und verstärkt werden. Elias ist nach dem Sohn Sven Bergmanns benannt, das langsame Stück mit elegischen Linien und einem wunderschön singenden Bass von Stefan Werni zeugt von einer „väterlichen“ Emotionalität – ähnlich der emotionalen Tiefe, die das in Moll gehaltene Maybe Some Other Time erreicht, das eine verflossene Liebe thematisiert. Der Bossa Fallen Angel erzeugt eine schwebende Modulation und hat einen stark vokalen Charakter, während der 12/8-Blues Blue Sun in ausgelassener afrokubanischer Rhythmik frisch-frech groovt. Auch Pure And Simple ist eine an Chick Corea gemahnende Latin-Nummer mit einfacher pentatonischer Melodie und einem eher poppig-gefälligen Mittelteil. Der Schluss-Track Nocturnal Elegy war bereits in einer Version des Sven Bergmann-Trios auf der CD Mosaics zu hören, im Quartett ist dem Titel entsprechend ein echtes Nocturno zu vernehmen: in Moll gehalten, geheimnisvoll, ruhig.

Zwei Titel von Upstream sind als Hommage an Vorbilder der Musiker zu verstehen: Beautiful As You Are und Man From Manhattan. Mit letzterem ist Sven Bergmanns Mentor aus Manhattan und Klavierlehrer in Leipzig, Richie Beirach, gemeint. Es handelt sich um ein ausgesprochen druckvolles Stück im typischen Stil des New-York-Mainstream-Jazz, eine Verbeugung vor der Power und der unbändigen Energie des East Coast. Beautiful As you Are ist dem Ton und der Spielweise von Kenny Wheeler verpflichtet. Hier und bei den anderen Titeln - bis auf eine Ausnahme des reinen Trio-Stücks Maybe Some Other Time - entlockt Matthias Bergmann seinem Flügelhorn einen abgeklärten und melodietrunkenen Ton, der stark an die Hymnik des kanadischen Trompeters und Flügelhornisten Kenny Wheeler erinnert. Seine Phrasierung, seine funkelnden und inniglichen Soloparts geben der Musik insgesamt - unabhängig von der jeweiligen stilistischen Ausrichtung - in Verbindung mit den anderen Musikern einen lyrischen Grundtenor der CD, die Gesamtwirkung ist schlicht als betörend zu bezeichnen. Die Improvisationen der beiden Namensvetter am Piano und am Flügelhorn korrespondieren auf eine höchst subtile Weise, traumwandlerisch finden sie nach ihren solistischen Höhenflügen punktgenau zum gemeinsamen diskreten Spiel zurück. Dies gelingt bei den eher introvertierten, melancholischen und melodieseligen Stücken genauso wie bei denjenigen mit stark rhythmisch-groovigem Impact. Bill Elgart am Schlagzeug und Stefan Werni am Bass fügen sich wie schon bei zwei anderen CDs von Sven Bergmann (Mosaics und Seasons) geschmeidig in das mal kraftvoll perkussive, mal legatohaft melodiöse Spiel ein. Vier Musiker sind am Werk im respektvollen Umgang miteineinander, alle Quartett-Mitglieder tragen gleichberechtigt zu einer ausgesprochen klanglich homogenen und musikalisch inspirierten Scheibe bei. In allen zehn Kompositionen von Upstream des Sven Bergmann-Quartetts fließt eine elegante Musik voller Klangschönheit.

Die CD Upstream ist über JPC zu beziehen.

In Bälde hat Sven Bergmann übrigens einen Soloauftritt am Flügel, bei dem er auch Titel aus der aktuellen CD spielt: Sonntag, 22.03.2015 um 20.00 Uhr im Zeiss Planetarium in Bochum