CD-Besprechung

The Dorf |

Evil

Text: Stefan Pieper | Fotos: Oskar Neubauer

Dortmund, 20.04.2015 | „Evil“ lautet die neue Produktion von "The Dorf", bei der auch der ehemalige Neubauten-Perkussionist FM Einheit sowie der Gitarren-Berserker Caspar Brötzmann mitwirkten. Jan Klare und Tim Isfort haben das neue Werk auf ihrem Eigenlabel „Korn“-Records herausgebracht. Kurios: Einen Teil davon erscheint im Mai auf CD, die andere Hälfte auf Vinylschallplatte!

Und wieder lärmt, tobt, vibriert es in diesem urbanen „Dorf“, in dem kreative Improvisatoren aus dem Ruhrgebiet die Kunst der Unangepasstheit zelebrieren. Die Musizierkultur in diesem Dorf macht wieder ihrem Ruf alle Ehre: Ein wilder Dschungel aus extrem dicht beieinander und übereinander liegenden Klangereignissen wuchert hier und gebiert unablässig neues.

Das Dorf ist mittlerweile überregional gut vernetzt. Jetzt ist ein alter Bekannter dabei: Gitarrenberserker Caspar Brötzmann, mit dem der Münsteraner Bandleader Jan Klare schon in den 1990ern zusammenarbeitete, stieß fürs aktuelle Projekt wieder hinzu. Ebenso übte die freigeistig-anarchische Spielhaltung in diesem Kollektiv eine große Anziehungskraft auf den ehemaligen Neubauten-Perkussionisten FM Einheit aus. Dieser traktierte bei den Livesessions für diese Aufnahme – unter anderem- eine beachtliche, von der Decke herunterhängende Stahlspirale.

Und es ist wieder mal großes Kino, wie Bläserfanfaren und Frauenstimmen-Chorusse in einer Art Ouvertüre den roten Teppich ausrollen: Für alles kommende Monumtenale, Schräge und gern auch Chaotische. Zappaesk-collagenhaft wirbeln Rhythmen und Strukturen umher, werden im nächsten Moment von Gitarrenfeedbackorgien hendrixschen Ausmaßes verschlungen. Auch bezieht Klare sein eigenes musikalisches Rebellentum auf einen amtlichen Tonsetzer, der ja im Grunde seines Wesens auch ein Musikrevoluzzer war: Ludwig van Beethoven, dessen fünfte Sinfonie Pate für ein Stück auf dieser Produktion fand. Mal lösen sich Metal-Rap-Phrasen in Jazzharmonien mit Bläsern und hellen Gesangslinien auf, bevor die nächsten bösen Gitarrenbrett-Gewitter losbrechen. Brötzmann und die drei „Dorf-eigenen“ Saiten-Berserker lassen nichts anbrennen. Derweil ein martialisch-pumpender Bass-Groove den breitwandigen, vielstimmigen Klangkoloss vorwärts treibt. Solche Motorik wirkt manchmal gar eine Spur zu monolithisch, kann aber auch – in durchaus krautrock-affiner Manier – zuverlässig hypnotisieren. Play it loud!

Stefan Pieper

The Dorf: Evil

Korn Records 2015

VÖ: 17.5.2015